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Martha Needle – Die Giftmörderin von Adelaide
In den 1880er- und frühen 1890er-Jahren erschütterten mehrere rätselhafte Todesfälle Familien im Süden Australiens. Die Opfer starben scheinbar an plötzlichen Krankheiten, doch hinter den tragischen Ereignissen steckte eine der frühesten bekannten Serienmörderinnen des Landes: Martha Needle.
Martha Needle wurde 1863 im Vorort Richmond in Melbourne, Victoria, geboren. Ihre Kindheit war von Armut und familiären Spannungen geprägt. Nachdem ihr Vater früh gestorben war, heiratete ihre Mutter erneut. Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter galt als äußerst schwierig. Zeitgenossen beschrieben Martha als dominanten, impulsiven Menschen mit starkem Temperament. In den 1880er-Jahren begann eine Reihe von Todesfällen in ihrem engsten Umfeld. Der erste bekannte Fall ereignete sich im Jahr 1885, als ihr Stiefvater Joseph Needle plötzlich schwer erkrankte und starb. Noch im selben Jahr folgte der nächste Todesfall: Mary Ann Needle, Martha selbst. Beide Todesfälle wurden zunächst als natürliche Krankheiten eingeordnet, was in einer Zeit, in der medizinische Untersuchungen noch begrenzt waren, nicht ungewöhnlich war.
Doch die Serie setzte sich fort. Im Jahr 1889 starb Marthas Bruder Douglas Francis Needle nach kurzer Krankheit. Zwei Jahre später, im Jahr 1891, traf es ihren jungen Neffen Louisa Spicer. Auch hier schien zunächst nichts Ungewöhnliches vorzuliegen. Erst später stellte sich heraus, dass alle Opfer eines gemeinsam hatten: Sie waren mit Martha verwandt und mit Arsen vergiftet worden.
Arsen war im 19. Jahrhundert vergleichsweise leicht erhältlich. Es wurde häufig als Ratten- oder Schädlingsbekämpfungsmittel verkauft und galt als schwer nachweisbar. Für eine Täterin, die ihre Opfer unauffällig töten wollte, war es somit das perfekte Mittel. Der entscheidende Wendepunkt kam im Jahr 1894: Martha Needle hatte eine Beziehung mit einem Mann namens Louis Juncken, der bereits verheiratet war. Um mit ihm zusammenleben zu können, beschloss sie offenbar, seine Ehefrau aus dem Weg zu räumen.
Sie vergiftete Bertha Juncken, indem sie ihr Arsen verabreichte. Doch diesmal lief nicht alles nach Plan. Die Frau wurde schwer krank und die Ärzte wurden misstrauisch. Bei medizinischen Untersuchungen entdeckten sie Arsen in ihrem Körper. Die Polizei begann zu ermitteln und geriet schnell ins Visier.
Als die Ermittler den Hintergrund der Verdächtigen überprüften, stießen sie auf eine auffällige Häufung von Todesfällen in deren Umfeld. Mehrere frühere Opfer wurden exhumiert. Die forensischen Untersuchungen ergaben ein eindeutiges Ergebnis: In den Leichen befanden sich deutliche Spuren von Arsen.
Der Fall entwickelte sich rasch zu einem der aufsehenerregendsten Mordprozesse Australiens im 19. Jahrhundert. Die Staatsanwaltschaft präsentierte zahlreiche Beweise: Zeugenaussagen, Giftkäufe, Versicherungsunterlagen und medizinische Gutachten. Besonders verdächtig war, dass Martha in mehreren Fällen finanzielle Vorteile nach den Todesfällen erhielt, etwa durch Versicherungen oder Erbschaften.
Im Jahr 1894 wurde Martha Needle schließlich vor Gericht gestellt. Die Presse verfolgte den Prozess mit großem Interesse und bezeichnete sie als eine der gefährlichsten Giftmörderinnen des Landes. Das Urteil fiel eindeutig aus: Martha Needle wurde des Mordes für schuldig befunden. Am 22. Oktober 1894 wurde Martha Needle im Adelaide Gaol in South Australia gehängt. Sie war 31 Jahre alt. Damit gehört sie zu den wenigen Frauen in der australischen Geschichte, die wegen Mordes hingerichtet wurden.
Der Fall Martha Needle gilt heute als eines der frühesten dokumentierten Beispiele für Serienmord durch Gift in Australien. Ihre Opfer stammten überwiegend aus ihrem engsten Umfeld – ein Muster, das Kriminologen heute häufig bei sogenannten „Profit-Killern” oder „Black Widow”-Tätern beobachten.
Mehr als ein Jahrhundert später ist ihr Name noch immer ein düsteres Kapitel der australischen Kriminalgeschichte und ein Beispiel dafür, wie tödlich Misstrauen, Gier und Gift sein können.