SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1989
Bis 1992
Bestätigte Opfer 7
Aktionsradius Belanglo State Forest, Australien
Opfergruppen Rucksacktouristen, Wanderer

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Bot Mitfahrgelegenheiten an, bedrohen, fesseln, erschießen
Hauptmotive Kein eindeutig bewiesenes Motiv, Wahrscheinlich Macht- und Kontrollbedürfnis über die Opfer

Rechtliches

Festnahmejahr 1994
Urteil 7-mal lebenslange Haft, zusätzlich 18 Jahre ohne Bewährung
Haftform Gefängnis, Goulburn Correctional Centre
Bild 1
Foto: Polizei Foto, Belanglo Backpacker Murders investigation - Mordermittlungen
Bild 2
Foto: Ajayvius, via Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 (CC BY-SA 3.0) - https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/


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Ivan Milat – Der „Backpacker-Mörder“ aus dem Belanglo Forest
Ende der 1980er-Jahre erschütterte eine Serie brutaler Morde Australien. Entlang einer der wichtigsten Fernstraßen des Landes verschwanden junge Reisende aus verschiedenen Ländern spurlos. Die Opfer waren Backpacker, also Rucksacktouristen, die per Anhalter durch Australien reisten. Erst Jahre später wurde klar, dass sich hinter diesen Vermisstenfällen eine der grausamsten Mordserien der australischen Kriminalgeschichte verbarg. Verantwortlich dafür war Ivan Milat, der später als „Backpacker-Mörder” weltweite Bekanntheit erlangte.

Ivan Robert Marko Milat wurde am 27. Dezember 1944 in Sydney geboren. Seine Eltern waren kroatische Einwanderer und er wuchs in einer großen Familie mit insgesamt dreizehn Kindern auf. Die Kindheit der Milat-Geschwister galt als schwierig. Schon früh fiel Ivan durch aggressives Verhalten, kleinere Diebstähle und Gewalt auf. In seiner Jugend kam er mehrfach mit der Polizei in Konflikt, unter anderem wegen Einbrüchen und Autodiebstahls. Später arbeitete er zeitweise als Straßenbauarbeiter und führte ein unauffälliges Leben am Rande Sydneys. Doch hinter dieser scheinbar gewöhnlichen Fassade verbarg sich ein Mann, der über Jahre hinweg Jagd auf junge Reisende machte.

Zwischen 1989 und 1992 verschwanden mehrere Backpacker, die entlang des Hume Highways, einer der wichtigsten Verbindungsstraßen zwischen Sydney und Melbourne, unterwegs waren. Viele Reisende trampen auf dieser Strecke, was Milat ausnutzte. Er hielt mit seinem Fahrzeug an, bot Mitfahrgelegenheiten an und gewann so das Vertrauen seiner Opfer. Was sie nicht wussten: Die Fahrt würde für sie tödlich enden. Milat brachte seine Opfer in ein abgelegenes Waldgebiet südwestlich von Sydney: den Belanglo State Forest. Das dichte Waldgebiet mit seinen Forstwegen bot ideale Bedingungen, um unbemerkt zu töten und Leichen zu verstecken. Dort misshandelte er sie, fesselte sie und ermordete sie schließlich mit Messern, Seilen oder Schusswaffen.

Die Mordserie begann am 24. Dezember 1989, als die beiden 19-jährigen australischen Backpacker Deborah Everist und James Gibson verschwanden. Sie waren per Anhalter von Sydney nach Melbourne unterwegs. Ihre sterblichen Überreste wurden erst Jahre später im Belanglo Forest entdeckt. Gibson war erschossen worden, Everist brutal erstochen. Nur wenige Monate später, im April 1990, verschwanden die beiden britischen Touristinnen Joanne Walters und Caroline Clarke. Joanne Walters und Caroline Clarke. Auch sie waren auf dem Hume Highway unterwegs gewesen. Walters wurde mehrfach mit einem Messer attackiert, Clarke wurde erschossen. Ihre Skelette wurden ebenfalls im Waldgebiet von Belanglo gefunden. Im Jahr 1991 verschwand die deutsche Rucksacktouristin Simone Schmidl. Sie war 21 Jahre alt und wollte von Sydney nach Melbourne reisen. Auch sie wurde Opfer Milats. Ihre sterblichen Überreste wurden später im selben Waldgebiet entdeckt. Sie war mehrfach erstochen worden. Die letzten bekannten Opfer waren das deutsche Paar Gabor Neugebauer und Anja Habschied. Sie verschwanden Ende Dezember 1991, Neugebauer wurde erschossen und Habschied enthauptet – ein Detail, das selbst erfahrene Ermittler schockierte. Zwischen 1992 und 1993 wurden mehrere Leichen im Belanglo State Forest von Spaziergängern und Forstarbeitern entdeckt. Die Funde lösten eine der größten Mordermittlungen in der Geschichte Australiens aus, die von der New South Wales Police Force durchgeführt wurde.

Der entscheidende Durchbruch gelang durch einen Mann, der nur knapp dem Tod entkommen war: Paul Onions. Der britische Backpacker hatte im Jahr 1990 eine Mitfahrgelegenheit bei Milat angenommen. Während der Fahrt zog Milat plötzlich eine Waffe und bedrohte ihn. Onions gelang es jedoch, aus dem Fahrzeug zu fliehen und Hilfe zu holen. Damals konnte die Polizei den Täter noch nicht identifizieren, doch Jahre später erkannte Onions Milat anhand von Fotos wieder.

Am 22. Mai 1994 wurde Milat schließlich in seinem Haus im Vorort Eagle Vale festgenommen. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Ermittler zahlreiche belastende Beweise: Waffen, Munition sowie persönliche Gegenstände der Opfer, darunter Kleidung und Campingausrüstung. Der Prozess begann 1996 vor dem Supreme Court of New South Wales und dauerte mehrere Monate. Die Beweislast gegen Milat war erdrückend. Neben den Gegenständen der Opfer spielten ballistische Gutachten, Zeugenaussagen von Familienmitgliedern sowie die Aussage des überlebenden Zeugen Paul Onions eine entscheidende Rolle. Am 27. Juli 1996 wurde Ivan Milat schließlich für sieben Morde schuldig gesprochen. Das Gericht verhängte sieben lebenslange Haftstrafen sowie zusätzlich 18 Jahre Haft ohne Aussicht auf Bewährung.

Milat wurde in das Hochsicherheitsgefängnis „Goulburn Correctional Centre“, eines der strengsten Gefängnisse Australiens, verlegt. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens. Während dieser Zeit fiel er immer wieder durch extrem selbstzerstörerisches Verhalten auf. So verschluckte er mehrfach Rasierklingen oder Metallteile, verletzte sich selbst oder trat in Hungerstreik. Trotz der überwältigenden Beweise beteuerte Milat bis zu seinem Tod seine Unschuld.

Ivan Milat starb am 27. Oktober 2019 im Alter von 74 Jahren in einer Gefängnisklinik in Sydney. Er starb an den Folgen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung der Speiseröhre und des Magens. Bis heute glauben viele Ermittler, dass Milat möglicherweise noch weitere Opfer hatte. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren verschwanden mehrere Backpacker in Australien unter ungeklärten Umständen. Ein eindeutiger Zusammenhang zu Milat konnte jedoch nie bewiesen werden.

Die sogenannten Backpacker-Morde gehören zu den bekanntesten Serienmordfällen Australiens. Der Name Ivan Milat steht seither weltweit für eine der grausamsten Mordserien, die sich jemals gegen junge Reisende richtete.


Weitere dokumentierte Hinweise

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Die Taten von Ivan Milat – Rekonstruktion der Backpacker-Morde
Zwischen 1989 und 1992 verschwanden mehrere junge Reisende entlang der Fernstraße zwischen Sydney und Melbourne. Nachdem im abgelegenen Belanglo State Forest mehrere Leichen entdeckt worden waren, erkannten die Ermittler der New South Wales Police Force, dass ein Serienmörder für die Taten verantwortlich sein musste. Die Verurteilung von Ivan Milat basierte später auf einer Kombination aus Zeugenaussagen, ballistischen Gutachten, Tatortanalysen und persönlichen Gegenständen der Opfer, die sich in seinem Besitz befanden. Die folgenden Rekonstruktionen basieren auf den Erkenntnissen aus den Ermittlungen und der Gerichtsverhandlung.

Deborah Everist und James Gibson (1989)
Die beiden 19-jährigen Australier Deborah Everist und James Gibson machten sich am 24. Dezember 1989 per Anhalter von Sydney nach Melbourne auf den Weg. Ermittler gehen davon aus, dass sie entlang des Hume Highways von Ivan Milat aufgenommen wurden. Laut der Polizeirekonstruktion brachte Milat die beiden in den Belanglo State Forest. Dort wurden sie vermutlich zunächst gefesselt. Die Verletzungsmuster der Leichen deuten darauf hin, dass die beiden getrennt voneinander angegriffen wurden. James Gibson wurde mit mehreren Schüssen aus einer Waffe mit .22-Kaliber getötet. Deborah Everist wurde mit einem Messer angegriffen und mehrfach erstochen. Ihre sterblichen Überreste wurden erst im Oktober 1993 im Wald entdeckt. Die Leichen lagen teilweise unter Vegetation verborgen.

Joanne Walters und Caroline Clarke (1990)
Am 18. April 1990 verschwanden die britischen Touristinnen Joanne Walters und Caroline Clarke. Die beiden Backpackerinnen waren ebenfalls entlang des Hume Highways unterwegs. Im September 1992 entdeckte ein Orientierungsläufer im Belanglo State Forest menschliche Knochen. Die Ermittlungen ergaben, dass es sich dabei um Walters und Clarke handelte. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergaben unterschiedliche Todesarten. Joanne Walters wurde mehrfach erstochen, Caroline Clarke erschossen. Die Leichen lagen in kurzer Entfernung voneinander, was darauf hindeutete, dass sie am selben Ort getötet worden waren. Dieser Fund war der erste Hinweis darauf, dass sich im Belanglo State Forest möglicherweise eine Serie von Backpacker-Morden ereignet hatte.

Simone Schmidl (1991)
Am 20. Januar 1991 verschwand die deutsche Studentin Simone Schmidl spurlos. Sie war allein unterwegs und wollte von Sydney nach Melbourne reisen. Zeugen sahen sie zuletzt, als sie entlang des Hume Highways trampte. Ermittler gehen davon aus, dass Milat sie dort aufnahm. Im November 1993 wurden ihre sterblichen Überreste im Belanglo State Forest entdeckt. Die forensische Untersuchung ergab, dass Schmidl mehrfach mit einem Messer attackiert worden war. Ihr Körper war im Wald versteckt worden. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Ermittler bereits mehrere Leichen in derselben Region gefunden, was die Theorie eines Serienmörders bestätigte.

Gabor Neugebauer und Anja Habschied (1991)
Ende Dezember 1991 verschwanden die deutschen Backpacker Gabor Neugebauer (21) und Anja Habschied (20). Das Paar war gemeinsam unterwegs und wollte ebenfalls nach Melbourne reisen. Im November 1993 wurden ihre sterblichen Überreste im Belanglo State Forest entdeckt. Die Ermittlungen ergaben, dass Gabor Neugebauer durch mehrere Schüsse aus einer Waffe des Kalibers .22 getötet wurde. Anja Habschied wurde enthauptet. Ihr Schädel wurde erst Monate später in der Nähe des Tatorts gefunden. Dieser Mordfall gilt als einer der brutalsten der gesamten Serie.

Die überlebende Begegnung mit Milat
Ein entscheidender Durchbruch gelang durch den britischen Backpacker Paul Onions. Im Januar 1990 nahm er eine Mitfahrgelegenheit bei Ivan Milat an. Während der Fahrt zog Milat plötzlich eine Pistole und versuchte, ihn mit Seilen zu fesseln. Onions gelang es jedoch, aus dem Fahrzeug zu fliehen und vorbeifahrende Autofahrer zu stoppen. Der Vorfall wurde der Polizei gemeldet, doch Milat konnte damals noch nicht identifiziert werden. Erst Jahre später erkannte Onions Milat eindeutig wieder.

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Bekannte Ermittlungsdetails
Neben den bekannten Fakten gibt es jedoch auch zahlreiche weniger bekannte Details aus Polizeiberichten, Zeugenaussagen und der Gerichtsverhandlung. Sie zeigen, wie schwierig und komplex die Ermittlungen der New South Wales Police Force waren.

Der entscheidende Hinweis kam aus Großbritannien
Der wichtigste Zeuge in diesem Fall war der britische Backpacker Paul Onions. Seine Aussage wurde jedoch zunächst kaum beachtet. Erst vier Jahre nach dem Angriff, als die Backpacker-Morde international bekannt wurden, erkannte er den Verdächtigen in einer Fernsehsendung wieder und nahm erneut Kontakt zur australischen Polizei auf.

Die Polizei wusste zunächst nicht, dass ein Serienmörder aktiv war
Als 1992 die ersten menschlichen Überreste im Belanglo Forest entdeckt wurden, gingen die Ermittler zunächst von einem einzelnen Mordfall aus. Erst nachdem weitere Leichen im selben Gebiet gefunden wurden, entstand die Theorie eines Serienmörders.

Die Opfer wurden an verschiedenen Stellen im Wald abgelegt
Obwohl alle Opfer im Belanglo State Forest gefunden wurden, lagen die Leichen nicht an derselben Stelle. Sie waren über mehrere hundert Meter entlang verschiedener Forstwege verteilt. Die Ermittler gehen davon aus, dass Milat seine Ablageorte bewusst variierte, um die Zusammenhänge zu verschleiern.

Ein Opfer wurde gefesselt gefunden
Bei der Untersuchung der Überreste eines Opfers fanden die Ermittler Hinweise darauf, dass das Opfer mit Seilen oder Kabeln gefesselt gewesen war. Diese Information deckte sich mit der Aussage von Paul Onions, der berichtet hatte, dass Milat während seines Angriffs Seile im Auto bereithielt.

Milat sammelte Erinnerungsstücke seiner Opfer
Bei der Durchsuchung seines Hauses in Eagle Vale fanden die Ermittler mehrere Gegenstände der Opfer. Darunter befanden sich Kleidung, Schlafsäcke, Rucksäcke und Campingausrüstung. Die Ermittler vermuten, dass Milat diese Gegenstände als Trophäen behalten hat.

Ein Bruder von Milat wurde zeitweise verdächtigt
Während der Ermittlungen gerieten auch mehrere Familienmitglieder von Milat ins Visier der Polizei. Besonders sein Bruder Richard Milat wurde von einigen Ermittlern als möglicher Komplize betrachtet. Beweise dafür konnten jedoch nie erbracht werden.

Die Mordwaffe wurde nie eindeutig gefunden
Ballistische Gutachten zeigten, dass mehrere Opfer mit einer Waffe des Kalibers .22 erschossen worden waren. Zwar wurde eine Waffe dieses Typs bei Milat sichergestellt, doch es war nie zweifelsfrei bewiesen, dass genau diese Waffe für alle Schüsse verwendet wurde.

Ein Opfer wurde erst Monate später vollständig gefunden
Im Fall der deutschen Backpackerin Anja Habschied fehlte zunächst der Schädel. Dieser wurde erst Monate nach dem Fund der übrigen sterblichen Überreste in der Nähe entdeckt.

Milat kannte das Waldgebiet sehr gut
Milat hatte zuvor als Straßenbauarbeiter gearbeitet und war dabei häufig in ländlichen Regionen von New South Wales unterwegs gewesen. Die Ermittler gehen davon aus, dass er den Belanglo State Forest sehr gut kannte und genau wusste, welche Wege abgelegen genug waren, um ungestört zu agieren.

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Mythen und Fakten über Ivan Milat
Der australische Serienmörder Ivan Milat wurde 1996 wegen siebenfachen Mordes verurteilt. Seine Taten im Belanglo State Forest machten weltweit Schlagzeilen und führten zu zahlreichen Spekulationen, Gerüchten und Fehlinterpretationen. Im Laufe der Jahre entstanden viele Mythen rund um den sogenannten „Backpacker-Mörder“. Einige davon wurden durch Medienberichte verstärkt, andere entstanden durch Vermutungen über mögliche weitere Opfer. Im Folgenden werden einige der häufigsten Mythen aufgeführt und den belegbaren Fakten aus Ermittlungen und Gerichtsverfahren gegenübergestellt.

Ivan Milat hat dutzende Menschen ermordet
Fakt:
Milat wurde offiziell für sieben Morde verurteilt. Zwar vermuten Ermittler, dass es weitere Opfer geben könnte, doch für zusätzliche Morde existieren keine gerichtsfesten Beweise.

Milat arbeitete mit mehreren Komplizen
Fakt:
Im Prozess konnte kein Mittäter nachgewiesen werden. Einige Ermittler hielten es zeitweise für möglich, dass Familienmitglieder beteiligt gewesen sein könnten. Beweise dafür wurden jedoch nie gefunden. Milat wurde daher als Einzeltäter verurteilt.

Milat hat alle Opfer auf dieselbe Weise getötet
Fakt:
Die Opfer starben auf unterschiedliche Weise. Forensische Untersuchungen ergaben, dass einige Opfer erschossen (Kaliber .22) wurden, andere erstickt oder erstochen. Diese Unterschiede erschwerten es den Ermittlern zunächst, einen Zusammenhang zwischen den Fällen herzustellen.

Die Polizei wusste sofort, dass ein Serienmörder aktiv war
Fakt:
Als 1992 im Belanglo Forest die ersten menschlichen Überreste entdeckt wurden, ging die Polizei zunächst von einem einzelnen Mordfall aus. Erst nachdem weitere Leichen entdeckt wurden, erkannte die New South Wales Police Force, dass mehrere Fälle zusammenhingen.

Milat wurde durch moderne Forensik überführt
Fakt:
Die Verurteilung basierte hauptsächlich auf Zeugenaussagen sowie auf Beweismitteln, die in seinem Haus gefunden wurden. Bei der Durchsuchung seines Hauses in Eagle Vale fanden die Ermittler Kleidung der Opfer, persönliche Gegenstände, Campingausrüstung und Waffen. Diese Gegenstände waren ein zentraler Bestandteil der Anklage.

Milat gestand seine Taten
Fakt:
Milat bestritt seine Schuld bis zu seinem Tod. Selbst nach seiner Verurteilung beteuerte er immer wieder seine Unschuld.

Der Belanglo Forest war zufällig gewählt
Fakt:
Die Ermittler gehen davon aus, dass Milat das Gebiet sehr gut kannte. Der Belanglo State Forest liegt in der Nähe des Hume Highways, einer der wichtigsten Fernstraßen Australiens. Das Gebiet ist dicht bewaldet und abgelegen, was ideale Bedingungen schafft, um unentdeckt zu handeln.

Milat hörte nach den bekannten Morden einfach auf
Fakt:
Warum die Mordserie endete, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Einige Ermittler vermuten, dass verstärkte Polizeikontrollen, die zunehmende Aufmerksamkeit der Medien oder persönliche Veränderungen eine Rolle gespielt haben könnten. Beweise dafür gibt es jedoch nicht.

Milat starb kurz nach seiner Verurteilung
Fakt:
Milat verbrachte mehr als 23 Jahre im Gefängnis. Er saß im Hochsicherheitsgefängnis Goulburn Correctional Centre ein und starb am 27. Oktober 2019 im Alter von 74 Jahren an Krebs.

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Kriminalpsychologische Täteranalyse
Die Analyse seiner Persönlichkeit und seines Tatverhaltens stützt sich auf Ermittlungsakten, Zeugenaussagen, forensische Befunde und Erkenntnisse aus dem Gerichtsverfahren.

Ivan Milat wuchs als eines von dreizehn Kindern in einer großen Familie in der Region von Sydney auf. Schon in seiner Jugend fiel er durch kriminelles Verhalten auf. Er kam mehrfach mit der Polizei in Konflikt, unter anderem wegen Diebstahls, Einbrüchen und Autodiebstahls. In den folgenden Jahrzehnten wurde er wiederholt wegen verschiedener Delikte verurteilt. Diese frühe und wiederkehrende kriminelle Entwicklung gilt in der Kriminologie als Risikofaktor für spätere schwere Gewaltverbrechen.

Daraus lässt sich ableiten: Das Muster seiner frühen Delinquenz könnte auf eine antisoziale Persönlichkeitsstruktur hindeuten, bei der gesellschaftliche Normen und Empathie gegenüber anderen Menschen nur schwach ausgeprägt sind.



Ein auffälliges Merkmal der Milat-Fälle ist das Verhalten gegenüber den Opfern. Mehrere Beweise aus den Ermittlungen zeigen, dass er seine Opfer fesselte oder zumindest versuchte, sie zu kontrollieren. So berichtete der britische Backpacker Paul Onions, der 1990 einen Angriff überlebte, dass Milat während der Fahrt plötzlich eine Pistole zog und versuchte, ihn mit Seilen zu fesseln. Laut seiner Aussage befanden sich bereits vorbereitete Seile im Fahrzeug. Auch forensische Hinweise an einem der Tatorte deuteten darauf hin, dass ein Opfer gefesselt gewesen sein könnte. All dies spricht dafür, dass Milat seine Taten zumindest teilweise vorbereitete und gezielt Kontrolle über seine Opfer ausüben wollte.

Daraus lässt sich ableiten: Die Verwendung von Fesselmaterial bei der Vorbereitung deutet auf ein starkes Bedürfnis nach Dominanz und Kontrolle hin. Dieses Merkmal wurde bei vielen Serienmördern beobachtet.



Auch bei der Auswahl seiner Opfer folgte er einem erkennbaren Muster. Die meisten waren junge Backpacker aus dem Ausland, die allein oder zu zweit unterwegs waren. Viele von ihnen reisten per Anhalter entlang des Hume Highways zwischen Sydney und Melbourne. Diese Reisenden waren für Milat leicht anzusprechen und befanden sich häufig in einer besonders verletzlichen Situation. Sie waren fremd im Land, bewegten sich spontan und hinterließen oft nur wenige Spuren ihres Reiseplans.

Daraus lässt sich ableiten: Die Wahl dieser Opfergruppe könnte darauf hindeuten, dass Milat gezielt Menschen auswählte, deren Verschwinden erst spät bemerkt wurde und deren Identifizierung für die Ermittler schwieriger war.



Auch der Tatort selbst spielte eine wichtige Rolle. Alle bekannten Opfer wurden im Belanglo State Forest entdeckt. Das Gebiet ist dicht bewaldet, weitläufig und durch zahlreiche Forstwege erschlossen. Es liegt zudem in der Nähe des Hume Highways, wodurch es für einen Täter leicht erreichbar ist. Milat hatte als Straßenbauarbeiter gearbeitet und war häufig in ländlichen Regionen von New South Wales unterwegs.

Daraus lässt sich ableiten: In der kriminalpsychologischen Analyse spricht man in solchen Fällen häufig von einer sogenannten „Comfort Zone“. Das ist ein Gebiet, das der Täter gut kennt und in dem er sich sicher genug fühlt, um wiederholt Straftaten zu begehen.



Die Tötungsmethoden variierten von Fall zu Fall. Einige Opfer wurden mit einer Waffe des Kalibers .22 erschossen, andere wurden durch Messerangriffe getötet. Diese Unterschiede erschwerten es den Ermittlern anfangs, einen Zusammenhang zwischen den Fällen herzustellen.

Daraus lässt sich ableiten: Die unterschiedlichen Methoden könnten darauf hindeuten, dass Milat seine Taten nicht strikt nach einem festen Ritual ausführte, sondern die Gewalt je nach Situation eskalieren ließ.



Ein weiterer wichtiger Aspekt der Ermittlungen war der Fund von Gegenständen der Opfer im Besitz Milats. Bei der Durchsuchung seines Hauses im Vorort Eagle Vale fanden die Ermittler Kleidung, Campingausrüstung und andere persönliche Gegenstände mehrerer Opfer. In der Kriminalpsychologie wird dieses Verhalten häufig als Sammeln von „Trophäen” bezeichnet.

Daraus lässt sich ableiten: Die Aufbewahrung solcher Gegenstände könnte darauf hindeuten, dass Milat die Erinnerung an seine Taten bewusst konservierte, um so symbolisch weiterhin Kontrolle über seine Opfer auszuüben.



Auffällig ist auch das zunehmende Risikoverhalten, das er während seiner Mordserie an den Tag legte. Er sprach seine Opfer offen entlang einer stark frequentierten Fernstraße an und nahm sie in seinem Fahrzeug mit.

Daraus lässt sich ableiten: Serienmörder entwickeln mit zunehmender Erfolgsdauer oft ein Gefühl der Sicherheit oder Überlegenheit. Dadurch steigt das Risiko ihrer Taten.



Nach seiner Verhaftung im Jahr 1994 und der Verurteilung im Jahr 1996 wurde Milat in das Hochsicherheitsgefängnis Goulburn Correctional Centre überführt. Während seiner Haft zeigte er mehrfach selbstverletzendes Verhalten. So verschluckte er Berichten zufolge Rasierklingen oder Metallteile und trat wiederholt in Hungerstreiks. Gleichzeitig bestritt er bis zu seinem Tod im Jahr 2019 jede Schuld an den Morden.

Daraus lässt sich ableiten: Das konsequente Leugnen trotz umfangreicher Beweise könnte darauf hindeuten, dass Milat versuchte, die Kontrolle über seine eigene Darstellung und die öffentliche Wahrnehmung seiner Taten zu behalten.



Die kriminalpsychologische Betrachtung des Falls von Ivan Milat zeichnet ein Täterprofil, das durch Planung, Kontrolle über die Opfer, die gezielte Auswahl einer verletzlichen Opfergruppe sowie die Nutzung eines vertrauten Tatgebiets geprägt war. Zwar konnten viele Aspekte seiner Persönlichkeit und Motivation nicht vollständig geklärt werden, doch liefern die Ermittlungsakten und forensischen Befunde ein Bild eines Täters, der über Jahre hinweg unentdeckt agieren konnte und dessen Verbrechen zu den bekanntesten Serienmordfällen Australiens zählen.

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