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Jeffrey Dahmer
Jeffrey Lionel Dahmer wurde am 21. Mai 1960 in West Allis, Wisconsin, geboren. Nach außen hin wirkte seine Kindheit unspektakulär: Sein Vater Lionel Dahmer war von Beruf Chemiker, seine Mutter Joyce Flint psychisch labil und häufig krank. Die Ehe der Eltern war konfliktreich und von Streit, Medikamentenmissbrauch sowie zunehmender Entfremdung geprägt. 1978 ließen sie sich scheiden. In dieser Phase lebte der 17-jährige Jeffrey bereits weitgehend isoliert.
Schon als Kind zeigte er ein ungewöhnliches Interesse an toten Tieren. Er sammelte Kadaver am Straßenrand, sezierte sie und konservierte Knochen. Mitschüler beschrieben ihn später als sonderbar und zurückgezogen, aber nicht als gewalttätig. In der Highschool begann er, stark zu trinken. Alkohol wurde zu seinem ständigen Begleiter.
Nur wenige Wochen nach seinem Abschluss, am 18. Juni 1978, beging Dahmer seinen ersten Mord. Er nahm den 18-jährigen Steven Mark Hicks per Anhalter mit zu sich nach Hause in Bath Township, Ohio. Nach gemeinsamem Alkoholkonsum schlug er ihn mit einer Hantel nieder und strangulierte ihn. Anschließend zerstückelte er die Leiche im Keller des elterlichen Hauses. Die Überreste vergrub er zunächst, später zerkleinerte er die Knochen und verstreute sie im Wald. Die Tat blieb über ein Jahrzehnt unentdeckt.
Danach begann ein zielloses Erwachsenenleben. Dahmer verpflichtete sich bei der US-Armee und wurde in Westdeutschland stationiert. Auch dort fiel er durch massiven Alkoholmissbrauch auf und wurde 1981 unehrenhaft entlassen. Zurück in den USA lebte er zeitweise bei seiner Großmutter in West Allis, Wisconsin. In den folgenden Jahren wurde er mehrfach wegen Exhibitionismus verhaftet – ein frühes Zeichen seiner eskalierenden Sexualstörungen.
Die Mordserie, die ihn zu einem der berüchtigtsten Serienmörder der amerikanischen Kriminalgeschichte machen sollte, begann 1987. In Milwaukee sprach er in Bars oder Einkaufszentren junge Männer an, die häufig afroamerikanischer oder asiatischer Herkunft waren. Er bot ihnen Geld für Fotos oder Gesellschaft an und lockte sie in seine Wohnung. Dort mischte er ihnen Schlafmittel in die Getränke. Sobald sie bewusstlos waren, strangulierte er sie.
Mit Steven Tuomi begann eine Serie von 16 weiteren Morden zwischen 1987 und 1991, die einem zunehmend ritualisierten Muster folgten: Betäubung, Strangulation, sexuelle Handlungen an den Leichen und Zerstückelung. Dahmer bewahrte Schädel und andere Körperteile als „Erinnerungsstücke” auf. Er fotografierte viele seiner Opfer und dokumentierte die einzelnen Stadien der Zerstückelung. In seiner Wohnung in den Oxford Apartments errichtete er zeitweise eine makabere Sammlung menschlicher Überreste.
Ab 1990 eskalierte sein Verhalten weiter. Er begann, Teile von Leichen zu essen – einen Kannibalismus, den er später gestand. Zudem experimentierte er mit Säure und kochendem Wasser, die er lebenden Opfern in den Schädel injizierte, um sie willenlos zu machen und dauerhaft bei sich zu behalten. Mehrere Opfer starben qualvoll an diesen Eingriffen.
Im Mai 1991 gelang dem 14-jährigen Konerak Sinthasomphone die Flucht aus Dahmers Wohnung – nackt und verletzt. Zwei Nachbarinnen alarmierten die Polizei. Doch Dahmer überzeugte die Beamten, es handle sich um einen volljährigen Partner in einem privaten Streit. Trotz offensichtlicher Hinweise übergaben die Polizisten den Jungen wieder an ihn. Stunden später wurde Konerak ermordet. Dieser Vorfall gilt bis heute als schwerwiegendes Polizeiversagen und führte später zu internen Disziplinarmaßnahmen.
Am 22. Juli 1991 scheiterte Dahmer an Tracy Edwards. Nachdem er ihm Handschellen angelegt hatte, gelang Edwards die Flucht. Er stoppte eine Polizeistreife. Als die Beamten die Wohnung betraten, fanden sie Polaroidfotos von zerstückelten Leichen. Im Kühlschrank lag ein menschlicher Kopf. In einem Fass befanden sich in Säure aufgelöste Überreste. In Schränken und Schubladen waren mehrere Schädel, Knochen und Körperteile versteckt. Dahmer wurde noch vor Ort festgenommen.
In den folgenden Verhören gestand er detailliert 17 Morde zwischen 1978 und 1991.
Der Prozess begann im Januar 1992. Dahmer bekannte sich schuldig, plädierte jedoch auf nicht zurechnungsfähig aufgrund psychischer Erkrankungen. Mehrere Gutachter diagnostizierten bei ihm unter anderem eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine schizotype Störung sowie schwere paraphile Störungen, darunter Nekrophilie. Das Gericht befand ihn dennoch für voll schuldfähig.
Er wurde in Wisconsin zu 15 lebenslangen Haftstrafen – insgesamt 937 Jahre – verurteilt. Später folgte in Ohio eine weitere lebenslange Strafe für den Mord an Steven Hicks.
In der Columbia Correctional Institution in Portage zeigte sich Dahmer nach außen hin kooperativ. Er ließ sich taufen und gab an, zum Christentum konvertiert zu sein. Am 28. November 1994 wurde er gemeinsam mit zwei anderen Häftlingen zur Reinigung eingeteilt. Einer von ihnen, Christopher Scarver, erschlug Dahmer mit einer Metallstange. Dahmer erlag im Alter von 34 Jahren seinen schweren Kopfverletzungen.
Der Fall von Jeffrey Dahmer hinterließ tiefe Spuren in den USA. Er deckte Ermittlungsfehler, institutionelles Versagen und gesellschaftliche Vorurteile gegenüber Minderheiten auf. Kriminalpsychologisch steht er für eine extreme Form von Besitz- und Kontrollfantasien, kombiniert mit Nekrophilie und Kannibalismus. Seine Verbrechen waren weniger von Hass geprägt als von dem krankhaften Wunsch, einen Menschen vollständig zu kontrollieren – selbst über den Tod hinaus.
Bis heute gilt Dahmer als einer der bekanntesten Serienmörder der amerikanischen Geschichte – nicht nur wegen der Zahl seiner Opfer, sondern auch wegen der verstörenden Intimität und ritualisierten Grausamkeit seiner Taten.