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Adnan Çolak
Geboren: 05.09.1967
Nationalität: Türkisch Land: Türkei
Tatzeitraum & Opfer
Aktiv von1992
Bis1995
Bestätigte Opfer7
Vermutete Opfer11
AktionsradiusIzmir, Türkei
OpfergruppenAlleinlebende Frauen
Modus Operandi & Motive
Modus OperandiSexualisierter Gewalt, anschließende Erdrosselung
Rechtliches
Festnahmejahr1995
UrteilMehrfach lebenslange Haft
HaftformGefängnis
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Adnan Çolak
Zwischen 1992 und 1995 versetzte ein Mann die Region um Izmir in Angst und Schrecken. Sein Name: Adnan Çolak. In den türkischen Medien wurde er als Serienmörder bezeichnet. Er wählte gezielt alleinstehende Frauen aus und tötete sie in ihren eigenen Wohnungen.
Die gerichtlich belegten Taten umfassen mindestens sieben Morde. Laut übereinstimmenden Presse- und Gerichtsberichten suchte Çolak bevorzugt allein lebende Frauen aus. Er verschaffte sich unter Vorwänden Zugang zu ihren Wohnungen, ohne dass massive Einbruchsspuren festgestellt wurden. Die Opfer wurden überwiegend erdrosselt. In mehreren Fällen kam es zu sexuellen Übergriffen. Nach den Taten entwendete er Wertgegenstände oder Bargeld. Das Tatbild zeigt demnach eine Mischung aus sexualisierter Gewalt und Raubmotiv.
Die Ermittlungen gestalteten sich zunächst schwierig. Die Morde wurden nicht sofort als Serie erkannt. Erst durch kriminalistische Verknüpfungen, Zeugenaussagen und Spurenanalysen verdichtete sich der Verdacht. Im Jahr 1995 wurde Çolak festgenommen. Im Rahmen der Verhöre legte er teilweise Geständnisse ab.
Ein türkisches Gericht verurteilte ihn wegen mehrfachen Mordes zu mehrfach lebenslanger Freiheitsstrafe. Da die Todesstrafe in der Türkei zu diesem Zeitpunkt bereits faktisch ausgesetzt war und später vollständig abgeschafft wurde, muss Çolak seine Haftstrafe verbüßen.
Gerichtlich nachgewiesen und abgeurteilt sind mindestens sieben Morde. In den Medien werden jedoch bis zu elf Opfer genannt. Die höhere Zahl basiert auf Ermittlungsannahmen und zusätzlichen Fällen, die Çolak zugeschrieben wurden, die jedoch nicht in allen Fällen rechtskräftig abgeurteilt oder vollständig bewiesen werden konnten. In der türkischen Berichterstattung wird daher teils von sieben, teils von elf Opfern gesprochen.
Weitere dokumentierte Hinweise
1
Adnan Çolak – Täteranalyse
Çolak suchte gezielt allein lebende Frauen aus und verschaffte sich Zugang zu ihren Wohnungen, ohne dabei massive Einbruchsspuren zu hinterlassen. Dieses Vorgehen spricht für seine soziale Anpassungsfähigkeit und sein kontrolliertes Auftreten. Er muss überzeugend genug aufgetreten sein, um Misstrauen zu überwinden. Die Tatorte zeigten kein chaotisches Bild, was in der Kriminalpsychologie auf einen organisierten Tätertyp hinweist. Organisierte Täter handeln planvoll, wählen ihre Opfer bewusst aus und versuchen, Spuren sowie Entdeckungsrisiken zu minimieren.
Die vorherrschende Tötungsmethode war das Erdrosseln – eine sehr persönliche und körpernahe Form der Gewalt. In mehreren Fällen kam es zu sexuellen Übergriffen, anschließend wurden Wertgegenstände entwendet. Diese Kombination deutet auf eine Motivstruktur hin, bei der sexualisierte Gewalt und das Bedürfnis nach Macht und Kontrolle im Vordergrund standen, während das Raubmotiv eher einen ergänzenden Charakter hatte. Ein rein materielles Motiv erscheint angesichts der Tatdynamik unwahrscheinlich.
Die Wahl des Tatortes – die Wohnung der Opfer – verstärkt das Bild eines Täters, der Kontrolle über Situation und Opfer ausüben wollte. Der private Raum wurde zum Tatort, was nicht nur physische, sondern auch psychologische Dominanz bedeutete. Die wiederholte Begehung ähnlicher Taten über mehrere Jahre hinweg spricht zudem für eine stabile Gewaltfantasie und einen Wiederholungszwang. Mit jeder Tat dürfte die Routine gewachsen und die Hemmschwelle weiter gesunken sein.
Aus kriminalpsychologischer Sicht lassen sich ohne klinische Diagnose Merkmale erkennen, die mit antisozialen Persönlichkeitszügen vereinbar sind: fehlende Empathie, ein instrumenteller Umgang mit Menschen, emotionale Kälte und manipulatives Verhalten. Hinzu kommt ein mögliches Doppelleben. Nach außen hin ist die Person unauffällig, im Verborgenen ist sie jedoch von Kontroll- und Dominanzfantasien geprägt.
Betrachtet man alle Taten zusammen, zeigt sich das Bild eines organisierten Serienmörders, für den sexualisierte Gewalt das Kernmotiv und sekundär der Raubaspekt war. Die systematische Auswahl verletzlicher Opfer, das kontrollierte Vorgehen und die wiederkehrende Erdrosselung als Tötungsart lassen eine klare Macht- und Kontrollstruktur erkennen, die das Zentrum seiner Taten bildete.
2
Adnan Çolak – Victimology-Analyse
Die Frauen lebten allein. Dieser Umstand war kein Nebendetail, sondern zentraler Bestandteil der Tatstrategie. Aus Tätersicht bieten alleinlebende Personen ein geringeres Entdeckungsrisiko, weniger unmittelbare Zeugen und eine höhere Wahrscheinlichkeit, ungestört Kontrolle ausüben zu können. Es gibt keine Hinweise auf eine enge persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfern. Die Auswahl der Opfer erfolgte offenbar opportunistisch, aber nach klaren Kriterien: soziale Verwundbarkeit und räumliche Isolation.
Die Wohnungen der Frauen wurden zu Tatorten. Der private Raum, der normalerweise Schutz bietet, wurde so zum Ort maximaler Ausgeliefertheit. Aus victimologischer Sicht verstärkt dies die Machtasymmetrie: Der Täter dringt in den intimsten Lebensbereich ein, kontrolliert die Situation vollständig und entscheidet über Leben und Tod. Diese Konstellation spricht für ein ausgeprägtes Kontrollmotiv.
Ein weiteres belegbares Element ist die Kombination aus sexualisierter Gewalt und anschließender Erdrosselung. Das Erdrosseln ist eine sehr persönliche Tötungsart, die physischen Kontakt und Zeit erfordert. Aus victimologischer Sicht bedeutet dies eine verlängerte Phase der Dominanz. Die Opfer waren dem Täter unmittelbar und körperlich ausgeliefert.
Die Entwendung von Wertgegenständen deutet auf ein zusätzliches Raubelement hin, doch aus victimologischer Sicht erscheint dieses sekundär. Die Auswahl alleinstehender Frauen und das wiederkehrende Tatmuster legen nahe, dass nicht primär materieller Gewinn, sondern die gezielte Suche nach kontrollierbaren Opfern im Vordergrund stand.
Auffällig ist außerdem, dass die Opfer offenbar keinen Hochrisikolebensstil führten. Es handelte sich nicht um zufällige Begegnungen im öffentlichen Raum, sondern die Opfer wurden in ihrem Alltag, in ihrer Wohnung, überrascht. Dadurch verschiebt sich die Risikostruktur: Nicht das Verhalten der Opfer erhöhte das Risiko, sondern die strategische Auswahl durch den Täter.
Zusammenfassend zeigt die Victimologie in diesem Fall ein konsistentes Bild: Adnan Çolak suchte gezielt nach sozial isolierten, alleinlebenden Frauen, um bei minimalem Entdeckungsrisiko maximale Kontrolle zu gewährleisten. Die Opfer waren nicht durch individuelles Verhalten exponiert, sondern aufgrund struktureller Verwundbarkeit ausgewählt worden. Die Serie folgt somit einer klaren Macht- und Kontrolllogik, bei der die Auswahl der Opfer und die Wahl der Tatorte integraler Bestandteil der Täterstrategie waren.
3
Adnan Çolak – Die Mordserie
Die folgende Darstellung basiert auf belegten Tatmustern und rekonstruiert die Serie, ohne die einzelnen Opfer namentlich zu nennen.
1992 – Die erste Nacht
In den Wohnvierteln Izmirs ist es still. Eine Frau lebt allein, ihr Alltag ist unspektakulär und ihre Wohnung ihr Schutzraum. Irgendwann in dieser Nacht verschafft sich ein Mann Zugang zu ihrer Wohnung. Es gibt keine eingeschlagene Tür und auch kein gewaltsam zerstörtes Schloss. Der Täter wirkt kontrolliert und ruhig. Was folgt, ist ein Muster, das sich wiederholen wird: körperliche Nähe, Dominanz, schließlich Erdrosselung. Eine sehr persönliche Tötungsart. Danach verschwinden Wertgegenstände. Der Mord wird als Einzelfall behandelt.
1993 – Die zweite, dritte, vierte Nacht
Wieder wurde eine alleinlebende Frau tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Wieder Erdrosselung. Wieder gibt es kaum Spuren eines gewaltsamen Eindringens. Die Öffentlichkeit ahnt noch nicht, dass hier ein Serientäter am Werk ist. Doch die Ermittler beginnen, Parallelen zu erkennen:
- Opferstruktur identisch
- Tatort ist immer der private Wohnraum
- Hinweise auf sexuelle Übergriffe
- Mitnahme von Bargeld oder Schmuck
Die Angst wächst leise und schleichend. Ein unsichtbarer Täter bewegt sich durch die Stadt.
1994 – Die Serie nimmt Form an
Mit jedem weiteren Fall verdichtet sich das Bild. Der Täter wählt gezielt Frauen aus, die allein leben. Das ist kein Zufall und auch keine spontane Straßengewalt. Er sucht Verwundbarkeit, Isolation und geringe Entdeckungsgefahr. Die Wohnungen werden zu Tatorten maximaler Kontrolle. Erdrosseln bedeutet Nähe. Es dauert. Es ist kein schneller, distanzierter Akt. Es ist direkte, physische Dominanz. In der Presse taucht erstmals das Wort „Serienmörder” auf. Die Ermittlungen werden intensiviert.
1995 – Die letzte bekannte Nacht
Ein weiteres Opfer. Das Muster ist unverkennbar. Doch inzwischen arbeiten die Ermittler mit Hochdruck. Zeugenaussagen, Spurenverbindungen und Bewegungsprofile ergeben ein immer enger werdendes Netz. Im Jahr 1995 wird Adnan Çolak festgenommen. In Vernehmungen legt er teilweise Geständnisse ab. Ein Gericht verurteilte ihn später zu mehrfach lebenslanger Haft.
Die Serie folgt nicht einer chaotischen Eskalation, sondern einer kontrollierten, sich wiederholenden Handlung. Im Zentrum stehen Macht, Dominanz und Kontrolle – das Raubmotiv wirkt ergänzend.