SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1980
Bis 1988
Bestätigte Opfer 2
Vermutete Opfer 6
Aktionsradius Südfrankreich
Opfergruppen Junge Männer

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Opferansprache, Isolation, Gewalt & sexuelle Übergriffe
Hauptmotive Macht und Kontrolle, sexuelle Gewalt, Gelegenheitstäter mit Planung

Rechtliches

Festnahmejahr 1988
Haftform Gefängnis
Bild 1
Zu diesem Täter gibt es leider kein gemeinfreies Foto.


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Pierre Chanal
Pierre Chanal wurde am 18. November 1946 in Saint-Étienne, Frankreich, geboren. Sein Leben nahm eine dunkle Wendung, als sich aus militärischer Disziplin höchste Gewalt entwickelte. Chanal war kein gewöhnlicher Soldat: Er war ein körperlich starker und sportlicher Mann, der sich im französischen Heer hocharbeitete. Doch hinter der Fassade des vorbildlichen Militärs verbarg sich ein Verbrechen, das ganz Frankreich in den 1980er Jahren erschütterte.

Tatzeitraum und Verdachtsfälle
Zwischen 1980 und 1987 verschwanden in der Region um den Truppenübungsplatz Mourmelon-le-Grand im Nordosten Frankreichs mehrere junge Männer. Insgesamt wurden acht junge Männer vermisst oder tot aufgefunden, die alle ähnliche Hintergründe hatten. Meist waren sie als Wehrpflichtige unterwegs oder als Reisende auf dem Weg zu oder von einem Militärlager. Die Polizei klassifizierte diese Fälle zunächst als Desertionen, bis ein Zusammenhang immer wahrscheinlicher wurde.

Laut Ermittlungen und Ermittlermeinungen ist Pierre Chanal der Verdächtige für all diese verschwundenen und getöteten Männer, auch wenn nicht alle Fälle vor Gericht abgeschlossen wurden.

Die Opfer und Fallübersicht
Patrick Dubois – verschwunden am 4. Januar 1980
Ein 19-jähriger Soldat, der das Lager verließ und nie zurückkehrte. Zunächst als Desertion abgetan, wird sein Verschwinden heute im Kontext des Chanal-Falls betrachtet.

Serge Havet – Verschwunden am 20. Februar 1981
Ein 20-jähriger Artilleriesoldat. Es gab nur Spuren, die zu Vermisstenmeldungen führten; eine Leiche wurde nie gefunden.

Manuel Carvalho – Verschwunden am 7. August 1981
Ein weiterer 19-jähriger Soldat, dessen Spur abrupt endet. Auch hier gibt es keine eindeutigen Rückfunde.

Pascal Sergent – Verschwunden am 20. August 1981
Ein weiterer 19-jähriger Wehrpflichtiger, der nie heimkehrte.

Olivier Donner – Verschwunden, Leichenfund 1982
Der Schlüsselpunkt der Serie. Seine Leiche wurde am 31. Oktober 1982 bei Mailly-le-Camp gefunden. Die Todesumstände waren gewaltsam und dieser Fund brachte erstmals eine offizielle Mordermittlung ins Rollen.

Patrice Denis – verschwunden im August 1985
Ein Zivilist, der in der Region unterwegs war und später nicht wieder gesehen wurde. DNA-Spuren aus Chanals Besitz wurden später mit Denis in Verbindung gebracht.

Patrick Gache – Verschwunden am 30. April 1987
Ein weiterer junger Mann, dessen Verschwinden zu den sogenannten „Mourmelon-Fällen” gerechnet wird. Spurenvergleiche deuteten auf Chanal als Verdächtigen hin.

Trevor O’Keeffe – tot aufgefunden am 8. August 1987
Ein 19-jähriger irischer Tramper, dessen Leiche halb verscharrt aufgefunden wurde. Er gilt als offiziell bestätigter Mordfall, der Chanal angelastet wurde.


Am 9. August 1988 fiel Chanal schließlich auf, als er mit seinem grünen VW-Campingbus in der Nähe von Mâcon von Gendarmen kontrolliert wurde. Im Fahrzeug fand man den 20-jährigen ungarischen Tramper Palázs Falvay gefesselt und misshandelt vor. Dieser berichtete, er sei von Chanal vergewaltigt worden, nachdem er ihm als Anhalter mitfahren wollte. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs wurden außerdem Haare, Spermaspuren, Kleidung und pornografisches Material gefunden und als belastende Spuren sichergestellt. Chanal wurde daraufhin festgenommen und 1990 wegen der Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung von Palázs Falvay zu zehn Jahren Haft verurteilt.


DNA & erneute Ermittlungen
Nachdem Chanal im Fall Falvay im Gefängnis saß, entwickelte sich die Technik der DNA-Analyse rasant weiter. Spuren, die man zuvor nicht eindeutig zuordnen konnte, gelang es später, mit den vermissten Männern, insbesondere Patrick Gache und Patrice Denis, zu verbinden. Dies führte dazu, dass Chanal wegen Mordes an mehreren der „Mourmelon-Fälle“ offiziell erneut vor Gericht gestellt werden sollte.

Prozessbeginn und Tod 2003
Im Jahr 2003 begann endlich ein neuer Prozess, in dem sich Chanal für mehrere Verdachtsfälle verantworten sollte, darunter der Mord an Trevor O’Keeffe. Doch bevor der Prozess richtig beginnen konnte, schnitt sich Chanal in seiner Haft die Oberschenkelarterie auf, was zu seinem Tod führte. Damit endete das Verfahren und er blieb rechtlich für die Mehrzahl der Verdachtsfälle unschuldig, obwohl viele Strafrechtler und Ermittler davon überzeugt sind, dass er in alle acht Fälle verwickelt war.


Weitere dokumentierte Hinweise

1

Pierre Chanal - Die Mordfälle

Fall 1:
Patrick Dubois – Das erste Verschwinden (1980)
Patrick Dubois war 19 Jahre alt und leistete seinen Wehrdienst ab. Am 4. Januar 1980 verließ er das Militärlager Mourmelon-le-Grand. Er kam nie zurück. Zunächst glaubte man an Desertion – eine bequeme Erklärung, die den Fall schnell ad acta legte. Doch Dubois meldete sich nie bei seiner Familie oder seinen Freunden, er ließ keine Spur und auch kein Zeichen eines Neuanfangs zurück. Erst Jahre später, als weitere junge Männer unter ähnlichen Umständen verschwanden, wurde klar: Patrick Dubois war vermutlich nicht weggelaufen, sondern er war verschwunden worden.

Der Fall blieb ungeklärt und wurde später Chanal zugeordnet – der erste bekannte Fall im Mourmelon-Komplex.


Fall 2:
Serge Havet – Der zweite Soldat (1981)
Am 20. Februar 1981 verschwand der 20-jährige Serge Havet, ebenfalls Soldat. Wieder dasselbe Muster. Er war allein unterwegs und wurde zuletzt nahe des Militärlagers gesehen, dann fehlte jede Spur von ihm. Keine Leiche. Keine Tatwaffe. Es gab keine offizielle Mordermittlung. Mit jedem weiteren Vermissten wurde es schwieriger, an Zufall zu glauben. Doch die Armee hielt an der Desertions-These fest, denn die Wahrheit wäre zu heikel gewesen.

Ungeklärt, stark verdächtigt. Die Gemeinsamkeiten: Sie waren alle Wehrpflichtige und lebten in der Nähe von Mourmelon.


Fall 3:
Manuel Carvalho – Spurlos (1981)
Am 7. August 1981 verschwindet der 19-jährige Manuel Carvalho spurlos. Wieder ein junger Mann. Wieder Mourmelon. Wieder keine Leiche. Inzwischen waren es drei, doch offiziell gab es noch immer keinen Serienfall. Erst später ergaben Bewegungsprofile, dass Pierre Chanal zur selben Zeit regelmäßig in der Region unterwegs war.

Ungeklärt, Teil der Serie. Ermittlungsproblem: fehlende Tatorte.


Fall 4:
Pascal Sergent – Der vierte Name (1981)
Nur wenige Wochen später, am 20. August 1981, verschwand der ebenfalls 19-jährige Pascal Sergent. Für die Ermittler war spätestens jetzt klar: Dies war kein Zufall. Vier junge Männer, dieselbe Region, derselbe Kontext. Doch ohne Leichen blieb alles hypothetisch. Die Wahrheit lag buchstäblich im Boden verborgen.

Der Fall blieb ungeklärt, der Verdacht gegen ihn verdichtete sich.


Fall 5:
Olivier Donner – Der Tote im Wald (1982)
Der Wendepunkt kam am 31. Oktober 1982, als im Wald nahe Mailly-le-Camp eine Leiche gefunden wurde. Olivier Donner, 23 Jahre alt. Zum ersten Mal hatte der Mourmelon-Fall ein Gesicht und einen Körper. Donner war gewaltsam getötet worden. Der Fund bewies, was lange verdrängt worden war. Mindestens einer der Vermissten war ermordet worden. Die Ermittlungen begannen von Neuem, doch der Täter blieb im Schatten.

Mord belegt, Täter nicht verurteilt – es war der erste Leichenfund der Serie.


Fall 6: Patrice Denis – Spuren ohne Körper (1985)
August 1985: Patrice Denis verschwindet. Jahre später fanden Ermittler DNA-Spuren von Denis im Besitz von Pierre Chanal. Dies war ein schwer belastendes Indiz, doch Denis’ Leiche wurde nie gefunden. Juristisch reichte es nicht für eine Verurteilung. Kriminalistisch war die Sache klarer.

Es gab stark belastende Indizien, aber keine Verurteilung. Beweisart: DNA-Spuren.


Fall 7: Patrick Gache – Der letzte Vermisste (1987)
Patrick Gache verschwand am 30. April 1987. Wieder jung. Wieder allein. Wieder im Einflussbereich Chanals. Die Ermittler zogen nun erstmals den Begriff „Serienverbrechen” in Betracht. Doch erneut fehlte der entscheidende Beweis.

Der Fall blieb ungeklärt und ist Teil der Mourmelon-Fälle – das letzte Verschwinden vor Chanals Festnahme.


Fall 8: Trevor O’Keeffe – Der irische Tramper (1987)
Am 8. August 1987 wurde die Leiche des 19-jährigen Trevor O’Keeffe aus Irland gefunden. Er war getötet und halb verscharrt worden. Dieser Fall bildete den zentralen Mordvorwurf gegen Pierre Chanal. Die Ermittler bereiteten die Anklage vor. Zeugen, Spuren und Bewegungsprofile belasteten Chanal schwer. Doch es kam nie zu einem Urteil.

Er wurde zwar angeklagt, aber nicht verurteilt. Der Hauptmord im geplanten Prozess.


Der überlebte Fall: Palázs Falvay (1988) – der Mann, der alles stoppte
Am 9. August 1988 kontrollierten Gendarmen Pierre Chanal. In seinem VW-Bus fanden sie den 20-jährigen Palázs Falvay, der gefesselt, misshandelt und vergewaltigt worden war, aber noch lebte. Falvay überlebte. Und weil er überlebte, konnte er aussagen. Chanal wurde 1990 wegen Entführung, Vergewaltigung und Freiheitsberaubung verurteilt. Ohne Falvay hätte es diesen Schuldspruch nie gegeben.

Es ist der einzige vollständig aufgeklärte Fall, der gerichtlich bestätigt wurde.


Das Ende: Tod vor dem Urteil (2003)
Im Jahr 2003 begann der große Prozess zu den Mourmelon-Morden. Doch Pierre Chanal entzog sich der Aufklärung. Er öffnete sich in der Haft die Oberschenkelarterie und verblutete. Mit seinem Tod endeten alle Verfahren. Die Wahrheit, wie viele Menschen er tatsächlich getötet hat, starb mit ihm.


Gesamtübersicht
Bestätigt: Vergewaltigung und Entführung von Palázs Falvay

Mord belegt, Täter nicht verurteilt: Olivier Donner und Trevor O’Keeffe.

Stark verdächtigt (Serie Mourmelon): Patrick Dubois, Serge Havet, Manuel Carvalho, Pascal Sergent, Patrice Denis und Patrick Gache.

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