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Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann
Der Vampir, Der Schlächter, Der Kannibale, Der Werwolf von Hannover
Geboren: 25.08.1879 in Hannover
Gestorben: 15.04.1925 Nationalität: Deutsch Land: Deutschland
Tatzeitraum & Opfer
Aktiv von1918
Bis1924
Bestätigte Opfer27
AktionsradiusHannover
OpfergruppenSozial schwache Menschen, meist junge Männer
Modus Operandi & Motive
Modus OperandiErwürgen, Beißen
Hauptmotivesexuell motivierter Serienmörder
Rechtliches
Festnahmejahr1924
Hinrichtungsjahr1925
Dieses Werk ist in seinem Herkunftsland, in anderen Ländern und Gebieten, in denen die Schutzdauer des Urheberrechts auf die Lebenszeit des Urhebers plus 70 Jahre oder weniger begrenzt ist, gemeinfrei
Fritz Haarmann nach Urteilsverkündung (Bundesarchiv, Bild 102-06186 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0)
Wohnstube Fritz Haarmann (Bundesarchiv, Bild 102-00882 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0)
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Fritz Haarmann – Der Schlächter von Hannover
Hannover nach dem Ersten Weltkrieg. Eine Stadt voller Hunger, Kälte und verlorener Jungen. Im Wartesaal des Hauptbahnhofs schlafen Ausreißer, Heimkinder und Arbeitslose. Niemand fragt nach Namen. Niemand fragt nach ihrer Herkunft. In diese Welt taucht ein Mann auf, den sie „Onkel Fritze“ nennen. Freundlich. Hilfsbereit. Er hat ein Lächeln, das Sicherheit verspricht.
Fritz Haarmann. Er bietet ein Bett, etwas zu essen und Schutz vor der Nacht. Und er sucht sich aus, wer mitkommt. Was kaum jemand weiß: Hinter der Fassade verbirgt sich ein Mann mit einer langen Geschichte aus Gewalt, Wahn und Begierde. Halluzinationen, Klinikaufenthalte, Sexualdelikte. Ein Leben, das nie Halt fand. In Hannover wird er Kleinkrimineller und zugleich Polizeispitzel. Mit amtlichem Ausweis bewegt er sich frei durch den Bahnhof. Dort sucht er sich seine Opfer.
Zwischen 1918 und 1924 verschwinden Jungen. Sie sind zwischen zehn und zwanzig Jahre alt. Sie folgen ihm in seine engen Wohnungen in der Altstadt. Die Türen schließen sich. Niemand hört ihre Schreie – oder will es nicht. Haarmann tötet mit bloßen Händen. Er würgt. Er beißt. Er hält so lange fest, bis der Körper erschlafft. Später wird er behaupten, dabei die Kontrolle verloren zu haben. Ein Rausch. Ein Moment ohne Denken.
Nach der Tat bleibt er oft neben der Leiche liegen. Er schläft ein. Dann beginnt die zweite, grausamere Arbeit. Er zerteilt die Körper in seiner Wohnung. In einem Wandschrank, den er „Butzenklappe“ nennt, lagert er zeitweise Leichenteile – neben Käse, Wurst und Süßigkeiten. Innereien spült er durch das Klosett. Knochen wirft er nachts in die Leine. Fleisch verbrennt er im Ofen.
Am nächsten Tag steht er wieder am Bahnhof. Lächelnd. Wartend. Die Nachbarn hören Sägen, Hämmern und dumpfe Schläge. Sie sehen nackte Jungen am Fenster. Sie sehen blutige Eimer im Hof. Doch es ist Inflationszeit. Jeder kämpft ums Überleben. Man fragt nicht zu viel. Viele profitieren. Billige Kleidung. Geschenkte Mäntel. Niemand will wissen, woher sie stammen.
Im Juni 1924 ändert sich alles. Kinder finden einen Schädel in der Leine. Dann noch einen. Dann noch einen. Die Polizei begreift: In Hannover arbeitet ein Serienmörder. Haarmann wird observiert. Er wird festgenommen. In seiner Wohnung finden sich Blutspuren und die Kleidung Vermisster. Nach tagelangen Verhören bricht er zusammen. Er gesteht.
Als der Wasserstand der Leine gesenkt wird, tauchen Hunderte Knochenstücke auf. Es sind die Reste von mindestens 22 jungen Männern. Angehörige aus dem ganzen Reich reisen an, um die Kleidungsstücke ihrer verschwundenen Söhne zu identifizieren.
Der Prozess wird zum Skandal. Nicht nur wegen der Morde. Sondern auch, weil die Polizei Haarmann jahrelang als Spitzel geschützt hat. Sie ignorierte Hinweise. Durchsuchungen abbrach. Sie kostete Leben.
Am 19. Dezember 1924 fällt das Urteil: Tod durch das Fallbeil. Am 15. April 1925 endet im Morgengrauen das Leben von Fritz Haarmann. Die Stadt atmet auf. Doch die Frage bleibt:
Wie viele hätte man retten können, wenn man früher hingesehen hätte?
In den ersten Verhören belastete Haarmann seinen langjährigen Partner Hans Grans als Mittäter. Grans hatte seit 1919 bei ihm gelebt und soll ihm gezielt Jungen zugeführt haben, um an deren Kleidung und Besitz zu gelangen. Im Dezember 1924 wurden beide zunächst zum Tode verurteilt. Nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens wurde Grans 1926 jedoch nur wegen Beihilfe zum Mord zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Gericht war überzeugt, dass er von den Morden wusste. Grans überlebte Haft und Konzentrationslager, kehrte nach dem Krieg nach Hannover zurück und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1975.
Ob es weitere Mitwisser gab, blieb ungeklärt. Zwar hörten Nachbarn nachts Sägen und Klopfen, sahen blutige Eimer und das Kommen und Gehen junger Männer, doch in der Not jener Zeit wollte niemand genau hinsehen.
Nach seiner Verurteilung wurde Fritz Haarmann am 15. April 1925 in Hannover mit dem Fallbeil hingerichtet. Sein Kopf wurde für medizinische Untersuchungen aufbewahrt und erst im Jahr 2014 anonym bestattet. Einzelne Hirnpräparate befinden sich bis heute in München.
Mordopfer:
September 1918 Friedel Rothe
Februar 1923 Fritz Franke
März 1923 Wilhelm Schulze
Mai 1923 Roland Huch
Mai 1923 Hans Sonnenfeld
Juni 1923 Ernst Ehrenberg
August 1923 Heinrich Struß
September 1923 Paul Bronischewski
Oktober 1923 Richard Gräf
Oktober 1923 Wilhelm Erdner
Oktober 1923 Hermann Wolf
Oktober 1923 Heinz Brinkmann
November 1923 Adolf Hannappel
Dezember 1923 Adolf Hennies
Januar 1924 Ernst Spicker
Januar 1924 Heinrich Koch
Februar 1924 Willi Senger
Februar 1924 Hermann Speichert
April 1924 Alfred Hogrefe
April 1924 Hermann Bock
April 1924 Wilhelm Apel
April 1924 Robert Witzel
Mai 1924 Heinz Martin
Mai 1924 Fritz Wittig
Mai 1924 Friedrich Abeling
Juni 1924 Friedrich Koch
Juni 1924 Erich de Vries
Weitere dokumentierte Hinweise
1
Der erste Mord geschah im September 1918, also noch während des Krieges. In den Städten herrschten Hunger und Chaos, Jugendliche verschwanden spurlos. Der 17-jährige Friedel Rothe wurde zuletzt in einem Café gesehen, in Begleitung eines „feinen Herrn“, den Zeugen für einen Kriminalbeamten hielten. Diese Beschreibung passte auf Fritz Haarmann. Die Polizei durchsuchte seine Wohnung. Sie fand nichts. Erst Jahre später gestand Haarmann, was damals verborgen blieb: Er hatte den Kopf des Jungen in Zeitungspapier gewickelt und hinter dem Ofen versteckt, während die Beamten im selben Raum suchten. Danach verliert sich seine Spur für mehrere Jahre. Vermutlich konnte er aufgrund seiner beengten Wohnverhältnisse keine Opfer mitnehmen. Zudem saß er zeitweise im Gefängnis. Die Mordserie begann erst später mit umso größerer Brutalität.
2
Nach fünf Jahren der Stille begann die Mordserie erneut. Im Jahr 1923 verlegte Fritz Haarmann seine Taten in ein kleines Zimmer in der Neuen Straße 8, das sich in einem dicht bewohnten Viertel befand. Seine Wohnung war eine Durchgangsstation für Strichjungen, Obdachlose, Arbeitslose und Kleinkriminelle aus dem Bahnhofsviertel – ein Ort, an dem ständig fremde Menschen ein und aus gingen. Wenn Haarmann tötete, war er allein mit seinem Opfer. Er verhängte die Fenster, verstopfte das Schlüsselloch und schloss die Welt aus. In einem Wandschrank, der sogenannten „Butzenklappe“, versteckte er die Leichenteile. Den Rest spülte er Stück für Stück durch das Gemeinschaftsklosett. Mitten in der Stadt. Mitten unter Nachbarn. Unentdeckt.
3
Auch im Mordfall Wittig rückte Hans Grans ins Zentrum der Ermittlungen. Haarmann gab später an, unter dessen Einfluss gehandelt zu haben. Die beiden hatten sogar eine schriftliche Vereinbarung über die Kleidung der Opfer getroffen: „Hiermit gebe ich Herrn Hans Grans einen grauen Anzug in Kommission. Er muss bis Montag, den 26. Mai, zurückgebracht werden, sonst 40 Goldmark Strafe.“ Wittig wurde in der Nacht zum 26. Mai 1924 in Haarmanns Wohnung in der Roten Reihe Nr. 2 ermordet. Am nächsten Tag kam Grans pünktlich, um die Beute abzuholen. Haarmann war gerade mitten im Zerstückeln der Leiche, als Grans die Wohnung betrat. Er wunderte sich über den beißenden Gestank, stellte aber keine Fragen. Er schnappte sich die Kleidung und verschwand, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.
4
Im Mordfall Adolf Hannappel trat die Rolle von Hans Grans erstmals offen zutage. Zeugen hatten beobachtet, wie Haarmann und Grans den arbeitslosen Zimmermann am Café Kröpcke ansprachen. Grans soll Haarmann gezielt auf den jungen Mann aufmerksam gemacht haben. Später sagten Zeugen aus, Grans habe die Tötung aus einem banalen Motiv heraus sogar befohlen. Er wollte Hannappels Kleidung, eine Breecheshose. Eine Breecheshose. Eine Reisekiste. Für diese Gegenstände, so die Aussage, habe Grans über Leben und Tod entschieden.
5
Im Jahr 1923 tötete Haarmann den 17-jährigen Fritz Franke aus Berlin. Er hatte ihn im Hauptbahnhof angesprochen und ihm eine Unterkunft versprochen. Franke folgte ihm in die Neue Straße und verschwand. Kurz darauf machten die Prostituierten Elli Schulz und „Dörchen“ Mrutzek eine verstörende Entdeckung. In Haarmanns Wohnung fanden sie die Kleidung des vermissten Jungen. In der Butzenklappe lagen eine blutige Schürze und ein Eimer mit Fleischstücken. Sie brachten die Funde zur Polizei. Doch der Verdacht verlief im Sande. Das Fleisch wurde lediglich als Schweineschwarte eingestuft. Eine genauere Untersuchung unterblieb. In den Akten wurde vermerkt, Franke sei angeblich nach Hamburg weitergereist. Dies war eine fatale Fehleinschätzung. In den Monaten danach folgte eine Serie weiterer Morde: Wilhelm Schulze, Roland Huch, Hans Sonnenfeld und andere Jugendliche. Haarmann verkaufte die Kleidung der Getöteten auf dem Schwarzmarkt. Mit jedem weiterverkauften Mantel, mit jeder verschwundenen Jacke gingen entscheidende Spuren für immer verloren. In der damaligen Presse kursierten Spekulationen über weitere Opfer Haarmanns, insbesondere für die Jahre 1918 bis 1923, in denen ihm keine Taten offiziell nachgewiesen werden konnten. So verschwand beispielsweise im Mai 1918 der 17-jährige Heinrich Teuteberg spurlos in Hannover. Seine Mutter erkannte später Gegenstände ihres Sohnes bei der Polizei, doch ein Mord ließ sich nie belegen. Trotz teilweise übertriebener Opferzahlen ist es gut möglich, dass Haarmann weitere junge Männer ermordet hat. Viele seiner Opfer lebten am Rand der Gesellschaft, gestrandet in Hannover, abgeschnitten von Familie und Freunden. In der wirtschaftlichen Not nach dem Ersten Weltkrieg blieben viele Vermisste unbemerkt oder wurden gar nicht erst gesucht. So verschwand eine ganze Generation lautlos und vergessen.
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In der zeitgenössischen Presse kursierten Spekulationen über weitere Opfer Haarmanns, insbesondere für die Jahre 1918 bis 1923, in denen ihm keine Taten offiziell nachgewiesen werden konnten. So verschwand beispielsweise im Mai 1918 der 17-jährige Heinrich Teuteberg spurlos in Hannover. Seine Mutter erkannte später Gegenstände ihres Sohnes bei der Polizei, doch ein Mord ließ sich nie belegen. Trotz teilweise übertriebener Opferzahlen ist es gut möglich, dass Haarmann weitere junge Männer ermordet hat. Viele seiner Opfer lebten am Rand der Gesellschaft, gestrandet in Hannover, abgeschnitten von Familie und Freunden. In der wirtschaftlichen Not nach dem Ersten Weltkrieg blieben viele Vermisste unbemerkt oder wurden gar nicht erst gesucht. So verschwand eine ganze Generation lautlos und vergessen.