SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1980
Bis 1981
Bestätigte Opfer 11
Aktionsradius vor allem Lower Mainland und weitere Gebiete in British Columbia
Opfergruppen Alter der Opfer: 9 bis 18 Jahre

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Olson nahm überwiegend junge Menschen über persönliche Kontakte beziehungsweise Mitfahrgelegenheiten an sich, brachte sie an abgelegene Orte, tötete sie auf unterschiedliche Weise und versteckte ihre Leichen anschließend
Hauptmotive Ein eindeutig belegtes Motiv für die Morde von Clifford Olson konnte nicht festgestellt werden; seine Taten richteten sich überwiegend gegen Kinder und Jugendliche, wobei persönliche und sexuelle Motive in den Ermittlungen eine Rolle spielten

Rechtliches

Festnahmejahr 1981
Urteil 11-mal lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes ersten Grades
Haftform Gefängnis
Bild 1
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Clifford Robert Olson Jr.
Clifford Robert Olson, Jr. wurde am 1. Januar 1940 in Vancouver, British Columbia, geboren. Er war das älteste von vier Kindern von Clifford Olson Sr. und Leona Olson. Die Familie lebte zunächst in Vancouver. Während seiner frühen Kindheit zog sie zeitweise nach Edmonton in Alberta, bevor sie nach dem Zweiten Weltkrieg nach British Columbia zurückkehrte. Olson wuchs anschließend in Richmond, einem Vorort von Vancouver, auf. Sein Vater arbeitete als Milchfahrer, seine Mutter unter anderem in einer Fischkonservenfabrik.

Bereits während seiner Schulzeit fiel Olson durch problematisches Verhalten auf. Der ehemalige Schuldirektor Bob Simpson erinnerte sich später an ihn als einen Jungen, der als Schläger und Kleinkrimineller bekannt war. Simpson berichtete, dass Olson bereits damals viel Aufmerksamkeit beanspruchte und häufig Schwierigkeiten verursachte. Auch seine schulische Laufbahn verlief problematisch. Er schwänzte den Unterricht und verließ schließlich nach der achten Klasse die Schule. Einzelne spätere Darstellungen berichten zudem von wiederholten Problemen mit Lehrern und Mitschülern. Diese Schilderungen stammen überwiegend aus späteren Rückblicken und sollten deshalb nicht überbewertet werden.

Eine Besonderheit seiner Jugend war sein Interesse am Boxsport. Quellen zufolge trainierte er als Jugendlicher und nahm an Amateurwettkämpfen teil. Die Erinnerungen an diese Zeit sind dabei nicht ausschließlich negativ: Sein früherer Boxtrainer beschrieb ihn später sogar teilweise positiv. Das zeigt, dass Olsons Jugend nicht nur aus auffälligem oder kriminellem Verhalten bestand.

Mit 17 Jahren begann schließlich seine langjährige Karriere als Straftäter. Im Jahr 1957 wurde er wegen eines Einbruchs zu neun Monaten Haft verurteilt. Kurz darauf gelang ihm die Flucht, er wurde jedoch wieder gefasst und verbrachte anschließend weitere Jahre in Haft. Dieser erste Gefängnisaufenthalt markierte den Beginn einer jahrzehntelangen kriminellen Vorgeschichte, die später einen wichtigen Hintergrund für den Fall der elf Morde bilden sollte.

Über Olsons Kindheit und Jugend existieren zahlreiche spätere Darstellungen, die ihn als besonders grausam oder als zukünftigen Serienmörder beschreiben. Einige dieser Berichte enthalten Erzählungen über angebliche Tierquälerei oder andere frühe Verhaltensauffälligkeiten. Solche Angaben sind jedoch nicht in gleicher Weise belastbar dokumentiert wie seine späteren, strafrechtlich belegten Verurteilungen. Olson zeigte bereits als Jugendlicher deutliche Verhaltens- und Schulprobleme und geriet früh mit dem Gesetz in Konflikt. Eine rückwirkende Erklärung seiner späteren Mordserie allein aus diesen Kindheitserfahrungen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Seine erste Haftstrafe im Alter von 17 Jahren markiert somit den Übergang von einer auffälligen Jugend zu einer langjährigen kriminellen Laufbahn. Diese Entwicklung wird im nächsten Kapitel separat betrachtet. In den folgenden Jahren entwickelte sich Clifford Robert Olson zu einem notorischen Wiederholungstäter. Haftstrafen und erneute Straftaten wechselten sich ab. Dabei zeigte sich früh ein Muster: Gerichtliche Sanktionen beendeten seine kriminelle Laufbahn nicht dauerhaft. Olson wurde wegen unterschiedlicher Delikte verurteilt, darunter Einbruch, Diebstahl, Betrug und weitere Eigentums- und Vermögensdelikte. Wiederholt kam es außerdem zu Verstößen gegen Auflagen, die mit seiner Entlassung oder Bewährung verbunden waren. Mehrfach gelang es ihm, sich einer Inhaftierung oder behördlichen Kontrolle durch Flucht zu entziehen. Diese Fluchten waren kein kurzer Abschnitt seiner Biografie, sondern wiederkehrender Bestandteil seiner kriminellen Laufbahn. Nach seiner Ergreifung kehrte er jeweils in den Strafvollzug zurück.

Mit zunehmendem Alter füllte sich seine Strafakte immer weiter. Die zahlreichen Verurteilungen führten dazu, dass er über Jahre hinweg immer wieder zwischen Haft und Freiheit wechselte. Gleichzeitig eignete er sich umfassende Erfahrungen im Umgang mit Polizei, Justiz und Strafvollzug an. Seine Fähigkeit, sich an unterschiedliche Situationen anzupassen, sollte später eine wichtige Rolle spielen. Er konnte gegenüber verschiedenen Personen unterschiedliche Seiten seiner Persönlichkeit zeigen und versuchte wiederholt, aus seinen Beziehungen zu Behörden oder anderen Menschen Vorteile für sich zu gewinnen.

Bis zum Beginn der 1980er-Jahre hatte er sich dadurch eine außergewöhnlich umfangreiche kriminelle Vorgeschichte angeeignet. Spätere Zusammenstellungen seiner Strafakte nennen Dutzende Festnahmen und zahlreiche Verurteilungen. Die häufig genannte Zahl von 83 Verurteilungen bezieht sich dabei auf Olsons gesamte dokumentierte kriminelle Vorgeschichte vor seiner Verurteilung wegen der elf Morde. Diese lange Vorgeschichte ist für die spätere Entwicklung des Falls von Bedeutung, da Olson nicht erst durch die Mordserie mit den Strafverfolgungsbehörden in Berührung kam. Polizei und Justiz kannten ihn bereits seit vielen Jahren. Die wiederholten Haftstrafen hatten seine kriminelle Laufbahn jedoch nicht beendet. Als er in die frühen 1980er-Jahre eintrat, war er ein erfahrener Wiederholungstäter, der umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Strafverfolgungsbehörden und dem Justizsystem gesammelt hatte.

Während seiner kriminellen Laufbahn lernte Clifford Robert Olson die verschiedenen Bereiche des Strafvollzugs sowie die Arbeitsweise der Strafverfolgungsbehörden kennen. Eine besondere Rolle spielte dabei seine Tätigkeit als Informant. Olson bot den Behörden wiederholt Informationen über andere Straftäter an. Für ihn konnte diese Zusammenarbeit einen praktischen Vorteil darstellen. Als Informant erhielt er Zugang zu Ermittlern und konnte sich ihnen gegenüber als jemand präsentieren, der bei der Aufklärung anderer Straftaten hilfreich sein konnte. Eine seiner bekanntesten Verbindungen zu den Behörden entstand im Zusammenhang mit dem später verurteilten Mörder Gary Francis Marcoux. Olson lieferte den Ermittlern Informationen über Marcoux und dessen Fall. Dadurch festigte sich sein Ruf als Quelle, die für die Polizei gelegentlich von Nutzen sein konnte.

Diese Stellung war für Olson besonders wertvoll, da sie ihm eine andere Position gegenüber den Behörden verschaffte. Er war nicht nur der Beschuldigte oder Gefangene, sondern konnte auch als Informant auftreten. So entstanden Kontakte zu Ermittlern, die später im Zusammenhang mit den gegen ihn geführten Ermittlungen eine besondere Bedeutung erhielten.

Olson verstand es, Informationen gezielt einzusetzen. Er wusste, dass Wissen über andere Straftäter für die Polizei interessant sein konnte und er damit Aufmerksamkeit sowie persönliche Vorteile erlangen konnte. Seine Zusammenarbeit mit den Behörden bedeutete jedoch nicht, dass er seine eigene kriminelle Tätigkeit aufgegeben hatte.

Rückblickend wurde gerade diese Beziehung zu einem problematischen Bestandteil des späteren Falls. Die Ermittler kannten ihn bereits, hatten Erfahrungen mit ihm gemacht und wussten, dass er Informationen liefern konnte. Gleichzeitig unterschätzten sie offenbar, wie gefährlich der Mann war, mit dem sie es zu tun hatten.

Olsons Rolle als Informant zeigt eine weitere Seite seiner Persönlichkeit: Er konnte nicht nur Beziehungen zu Autoritäten vermeiden, sondern sie auch gezielt für seine eigenen Interessen nutzen. Diese Fähigkeit, sich in unterschiedlichen Rollen zu präsentieren und andere Menschen zu beeinflussen, sollte bei den späteren Ermittlungen gegen ihn erneut eine zentrale Rolle spielen.

Zu Beginn der 1980er-Jahre war Clifford Robert Olson ein mehrfach vorbestrafter Mann, der umfangreiche Erfahrungen mit Haft, Bewährungsauflagen und dem Umgang mit Strafverfolgungsbehörden gesammelt hatte. Gleichzeitig war er nicht dauerhaft inhaftiert, sondern bewegte sich in Freiheit. Sein Leben außerhalb des Gefängnisses war geprägt von wechselnden Beschäftigungen und finanziellen Schwierigkeiten. Olson versuchte auf unterschiedliche Weise, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und nutzte dabei auch seine Fähigkeit, andere Menschen für seine Vorhaben zu gewinnen. In dieser Zeit lebte er mit seiner Ehefrau Joanne zusammen. Die Ehe bestand bereits seit mehreren Jahren. Gemeinsam hatten sie Kinder. Nach außen hin konnte er damit zeitweise den Eindruck eines gewöhnlichen Familienlebens vermitteln, obwohl er eine kriminelle Vergangenheit hatte. Seine finanzielle Situation blieb jedoch schwierig. Er war immer wieder auf der Suche nach Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Dabei spielte seine Bereitschaft, andere Menschen zu täuschen oder ihre Erwartungen auszunutzen, eine wichtige Rolle.

Auch sein Umgang mit Behörden war von seinen bisherigen kriminellen Erfahrungen geprägt. Er wusste, wie Ermittlungen abliefen und welche Bedeutung Aussagen, Beweise und Zeugenaussagen für die Polizei hatten. Gleichzeitig hatte er durch seine frühere Tätigkeit als Informant bereits persönliche Kontakte zu einzelnen Strafverfolgungsbehörden aufgebaut. Anfang der 1980er-Jahre befand sich Olson somit in einer besonderen Ausgangssituation: Er war ein erfahrener Wiederholungstäter, kannte die Mechanismen des Justizsystems und konnte sich gegenüber seiner Umwelt unterschiedlich präsentieren. Gleichzeitig lebte er in Freiheit und hatte die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen.

Wenige Monate später begann eine Serie von Vermisstenfällen, die zunächst nicht als zusammenhängende Mordserie erkannt wurde. Die erste dieser Taten sollte den Ausgangspunkt für einen der später bekanntesten Kriminalfälle Kanadas bilden.

Das erste Opfer – Christine Anne Weller
Am 17. November 1980 verschwand die zwölfjährige Christine Anne Weller aus Surrey in British Columbia. Sie wurde an diesem Tag von Clifford Robert Olson mitgenommen. Laut Olsons späterem, von der Polizei aufgezeichnetem Geständnis brachte er das Mädchen nach Richmond, wo er ihren Tod verursachte. Anschließend blieb Christine verschwunden. Mehr als einen Monat später, am 25. Dezember 1980, wurden ihre sterblichen Überreste gefunden. Die gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass sie mehrere Stichverletzungen erlitten hatte. Der Mord an Christine Weller war somit der erste der elf Tötungsfälle, für die Olson später strafrechtlich verantwortlich gemacht wurde. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht erkennbar, dass dies den Beginn einer Mordserie darstellen würde. Der Fall blieb zunächst ein einzelnes Tötungsdelikt. Erst als in den folgenden Monaten weitere Kinder und Jugendliche verschwanden, entstand allmählich ein Zusammenhang zwischen den Fällen. Christine Weller war zwölf Jahre alt. Sie war das erste Opfer einer Serie, deren Ausmaß sich erst Monate später zeigen sollte.

Das zweite Opfer – Colleen Marian Daignault
Am 16. April 1981 verschwand die 13-jährige Colleen Marian Daignault in British Columbia. Sie wurde später mit Clifford Robert Olson in Verbindung gebracht. Dieser gab später zu, für ihren Tod verantwortlich zu sein. Ihre sterblichen Überreste wurden nach ihrem Verschwinden gefunden. Die Ermittlungen ergaben, dass Colleen Marian Daignault Opfer eines Tötungsdelikts geworden war. Der Fall wurde später Bestandteil des Strafverfahrens gegen Olson. Er bekannte sich schuldig, sie getötet zu haben, und wurde wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Der Tod von Colleen Daignault ereignete sich nur wenige Monate nach dem Mord an Christine Weller. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht erkennbar, dass beide Fälle Teil einer zusammenhängenden Mordserie waren. Mit Colleens Tod setzte sich die Reihe der Tötungsdelikte fort. Bereits wenige Tage später verschwand mit Daryn Todd Johnsrud ein weiterer Jugendlicher.

Das dritte Opfer – Daryn Todd Johnsrude
Im April 1981 verschwand der damals 16-jährige Daryn Todd Johnsrud in British Columbia. Sein Verschwinden fiel in eine Zeit, in der innerhalb kurzer Zeit mehrere Jugendliche nicht nach Hause zurückgekehrt waren. Die Suche nach Daryn führte zunächst zu einem weiteren Vermisstenfall. Wie in anderen Fällen dieser Zeit mussten die Ermittler rekonstruieren, wann und wo der Jugendliche zuletzt gesehen worden war und mit welchen Personen er zuvor Kontakt gehabt hatte. Später wurde Daryn Johnsrude tot aufgefunden. Die Ermittlungen ergaben, dass er einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen war. Nach seiner Festnahme gestand Clifford Robert Olson auch die Tötung von Daryn Johnsrude. Dieser Mord wurde später Bestandteil des Strafverfahrens gegen Olson. Wie bei den anderen zehn Fällen wurde er wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Damit war der Fall Johnsrude ein weiterer Baustein in einer Serie von Tötungsdelikten, deren Zusammenhänge erst im weiteren Verlauf der Ermittlungen deutlich wurden. Mit dem Tod von Daryn Johnsrude setzte sich die Reihe der verschwundenen und getöteten Jugendlichen fort. Bereits wenige Wochen später sollte ein weiterer Vermisstenfall hinzukommen.

Das vierte Opfer – Sandra Lynn Wolfsteiner
Am 19. Mai 1981 verschwand die 16-jährige Sandra Lynn Wolfsteiner aus Langley in British Columbia. Sie hatte zuvor ihren Freund besucht. Anschließend wollte sie nach Hause beziehungsweise zu einem nahegelegenen Ziel zurückkehren und versuchte, eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Dabei wurde sie von Clifford Robert Olson in seinem Fahrzeug aufgenommen. Olson fuhr mit ihr in Richtung Chilliwack Lake, der etwa 65 Kilometer östlich von Vancouver liegt. In einem abgelegenen Waldgebiet griff er die Jugendliche an und schlug sie so schwer auf den Kopf, dass sie an den Verletzungen starb. Sandra wurde zunächst als vermisst gesucht. Da ihr Aufenthaltsort unbekannt blieb, dauerte es mehrere Monate, bis die Ermittler Hinweise auf ihren möglichen Verbleib erhielten. Nach seiner Festnahme gab Olson an, Sandra in einem abgelegenen Gebiet nahe des Chilliwack Lake getötet zu haben. Er führte die Ermittler zu dem Ort, an dem er ihre Leiche zurückgelassen hatte. Die dort gefundenen Überreste waren jedoch aufgrund der langen Liegezeit und ihres Zustands stark beeinträchtigt. Deshalb konnte der zuständige Coroner später nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen, dass es sich um Sandra Wolfsteiner handelte. Er erklärte, er halte die Zuordnung für wahrscheinlich, könne sie jedoch nicht endgültig beweisen. Trotz dieser besonderen forensischen Unsicherheit gestand Olson die Tötung Sandra Wolfsteiners. Der Mord wurde Bestandteil des Strafverfahrens gegen ihn und er wurde schließlich auch für diesen Fall wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Der Fall Sandra Wolfsteiner war damit der vierte der später elf gerichtlich anerkannten Tötungsfälle. Ihr Verschwinden und die Suche nach ihren sterblichen Überresten gehörten zu den Fällen, bei denen die Ermittler zunehmend mit einer wachsenden Zahl vermisster Kinder und Jugendlicher konfrontiert waren. Nur wenige Wochen später verschwand mit Ada Anita Court erneut ein 13-jähriges Mädchen.

Das fünfte Opfer – Ada Anita Court
Am 21. Juni 1981 verschwand die 13-jährige Ada Anita Court in British Columbia spurlos. Sie wurde als vermisst gemeldet, da sie nicht an den erwarteten Ort zurückgekehrt war. Die Polizei leitete daraufhin eine Suche nach dem Mädchen ein. Später stellte sich heraus, dass Ada Court Opfer eines Tötungsdelikts geworden war. Nach seiner Festnahme übernahm Clifford Robert Olson die Verantwortung für ihren Tod. Sie wurde schließlich als eines der elf Opfer anerkannt, für deren Tötung er strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurde. Auch in ihrem Fall bekannte er sich des Mordes ersten Grades schuldig. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Ada erst 13 Jahre alt. Damit gehörte sie zu den jüngsten Opfern der später festgestellten Mordserie. Ihr Fall ereignete sich nur wenige Wochen nach dem Verschwinden von Sandra Wolfsteiner. Innerhalb weniger Monate waren damit bereits mehrere Kinder und Jugendliche verschwunden. Die Häufung der Fälle erhöhte den Ermittlungsdruck auf die Behörden. Gleichzeitig blieb die Verbindung zwischen den einzelnen Fällen zunächst schwer erkennbar. Mit dem Verschwinden von Ada Court setzte sich die Serie in immer kürzeren Abständen fort. Bereits elf Tage später, am 2. Juli 1981, verschwand der 16-jährige Simon John Partington.

Das sechste Opfer – Simon Patrick Partington
Am 2. Juli 1981 verschwand der neunjährige Simon Patrick Partington in Richmond, British Columbia. Der Junge war mit dem Fahrrad unterwegs und kehrte anschließend nicht nach Hause zurück. Sein Verschwinden löste eine umfangreiche Suche aus. Seine Familie, die Polizei und freiwillige Helfer beteiligten sich daran, Hinweise auf seinen Aufenthaltsort zu finden. Simon wurde später tot aufgefunden. Die Ermittlungen ergaben, dass er Opfer eines Tötungsdelikts geworden war. Nach seiner Festnahme gestand Clifford Robert Olson auch die Tötung von Simon Partington. Er gab an, den Jungen am Tag seines Verschwindens angesprochen und mitgenommen zu haben. Mit neun Jahren war Simon das jüngste der elf späteren Opfer, für deren Tötung Olson verurteilt wurde. Der Mord an dem Kind war ein besonders schwerwiegender Fall innerhalb der später bekannt gewordenen Serie. Zu diesem Zeitpunkt lagen den Ermittlern jedoch noch nicht alle Informationen vor, die später den Zusammenhang zwischen den einzelnen Vermisstenfällen und Olson erkennen ließen. Mit Simons Tod setzte sich die Serie der Tötungsdelikte im Sommer 1981 fort. Bereits wenige Tage später verschwand mit Judy Elizabeth Kozma erneut eine Jugendliche.

Das siebte Opfer – Judy Elizabeth Kozma
Am 19. Juli 1981 verschwand die 14-jährige Judy Elizabeth Kozma in British Columbia. Sie war als vermisst gemeldet worden, da sie nicht an den Ort zurückgekehrt war, an dem man sie erwartet hatte. Wie bei den vorherigen Fällen begann daraufhin eine Suche nach dem Mädchen. Später wurde bekannt, dass Judy Opfer von Clifford Robert Olson geworden war. Laut seiner späteren Aussage hatte er sie am Tag ihres Verschwindens getroffen und in sein Fahrzeug aufgenommen. Olson brachte die Jugendliche in ein abgelegenes Gebiet. Dort wurde sie getötet. Nach den späteren Ermittlungen und Olsons Geständnis wurde ihr Tod als Teil der Mordserie eingeordnet. Olson wurde wegen Mordes ersten Grades verurteilt. Judy Kozma war das siebte der elf Opfer, für deren Tötung Olson strafrechtlich verantwortlich gemacht wurde. Mit ihrem Verschwinden setzte sich die Serie im Juli 1981 innerhalb kurzer Zeit fort. Bereits wenige Tage später verschwand der 15-jährige Raymond Lawrence King Jr.

Das achte Opfer – Raymond Lawrence King Jr.
Am 23. Juli 1981 verschwand der 15-jährige Raymond Lawrence King Jr. in British Columbia. Er verbrachte seine Sommerferien damit, nach einer ersten Arbeitsstelle zu suchen. Am Tag seines Verschwindens hielt er sich im Canada Manpower Youth Employment Centre in New Westminster auf, einer Anlaufstelle für arbeitsuchende Jugendliche. Er war dort bereits mehrfach gewesen und den Mitarbeitern bekannt. Raymond hatte sein Fahrrad am Gebäude zurückgelassen. Er kehrte jedoch nicht mehr zurück, um es abzuholen. Sein Vater ging von Anfang an nicht davon aus, dass sein Sohn freiwillig verschwunden sein könnte. Raymond habe sein Leben genossen und sei kein Junge gewesen, der einfach weglaufen würde. Im Verlauf der späteren Ermittlungen wurde bekannt, dass Raymond an diesem Tag Clifford Robert Olson begegnet war. Olson sprach ihn unter dem Vorwand einer möglichen Arbeitsgelegenheit an. Raymond, der tatsächlich auf der Suche nach Arbeit war, ließ sich darauf ein und stieg zu ihm ins Fahrzeug. Olson fuhr mit dem Jugendlichen aus dem dicht besiedelten Gebiet hinaus in Richtung Harrison Mills und Weaver Lake. Die Fahrt führte schließlich in eine abgelegene Gegend. Dort wurde Raymond von Olson getötet. Den späteren Ermittlungsergebnissen und Olsons Geständnis zufolge wurde der Jugendliche mit schweren Schlägen gegen den Kopf getötet. Anschließend wurde sein Leichnam in einem abgelegenen Waldgebiet zurückgelassen. Die Suche nach ihm endete erst, nachdem die Ermittler seinen Verbleib rekonstruieren konnten. Sein Fahrrad, das er im Arbeitsplatzvermittlungszentrum zurückgelassen hatte, war ein wichtiger Hinweis darauf, dass er nicht freiwillig verschwunden war. Raymond King Jr. war das achte Opfer, für dessen Tötung Clifford Robert Olson später verurteilt wurde. Mit ihm hatte die Zahl der Jugendlichen, die innerhalb weniger Monate verschwunden und getötet worden waren, ein Ausmaß erreicht, das die Ermittler zunehmend vor eine gemeinsame Frage stellte: Wer war für diese Fälle verantwortlich? Nur zwei Tage später sollte mit der 18-jährigen Sigrun Charlotte Elisabeth Arnd ein weiteres Opfer hinzukommen.

Das neunte Opfer – Sigrun Charlotte Elisabeth Arnd
Die 18-jährige Sigrun Charlotte Elisabeth Arnd war 1981 als Austauschstudentin in British Columbia. Sie stammte aus Deutschland und hielt sich im Rahmen ihres Aufenthalts in der Region Vancouver auf. Am 24. Juli 1981 verschwand sie. Sie war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und damit das älteste der später zehn weiblichen Opfer Olsons. Nach späteren Ermittlungen geriet sie in die Gewalt von Clifford Robert Olson. Er nahm die junge Frau in sein Fahrzeug auf und brachte sie in ein abgelegenes Gebiet, wo er sie tötete. Dort wurde Sigrun getötet. Olson gestand nach seiner Festnahme auch diese Tat und führte die Ermittler zu dem Ort, an dem er die sterblichen Überreste zurückgelassen hatte. Die Umstände ihres Todes wurden Bestandteil des Strafverfahrens gegen ihn. Wie in den übrigen zehn Fällen bekannte er sich auch in diesem Fall des Mordes ersten Grades schuldig. Sigrun Arnd gehörte somit zu den Opfern, deren Verschwinden innerhalb weniger Tage auf weitere Tötungsdelikte folgte. Die Ereignisse im Juli 1981 entwickelten sich zu einer besonders dichten Folge von Vermisstenfällen. Nur kurze Zeit später verschwand die 15-jährige Terri-Lynn Carson.

Das zehnte Opfer – Terri-Lynn Carson
Am 27. Juli 1981 verschwand die 15-jährige Terri-Lynn Carson aus Surrey in British Columbia. Sie hatte an diesem Tag ihr Zuhause verlassen. Kurz darauf verlor sich ihre Spur. Ihre Familie meldete sie als vermisst und die Suche nach dem Mädchen begann. Im Verlauf der späteren Ermittlungen wurde bekannt, dass Terri-Lynn an diesem Tag Clifford Robert Olson begegnet war. Er nahm sie mit und fuhr mit ihr in Richtung Agassiz, das etwa 100 Kilometer östlich von Vancouver liegt. In einem abgelegenen Gebiet wurde Terri-Lynn getötet. Als Todesursache wurde später Strangulation festgestellt. Ihre sterblichen Überreste wurden am 27. August 1981, also einen Monat nach ihrem Verschwinden, gefunden. Sie befanden sich in einem Waldgebiet im Raum Agassiz. Zu diesem Zeitpunkt war Olson bereits festgenommen worden. Die Ermittler hatten deshalb die Möglichkeit, seine Angaben mit den Fundorten und den übrigen Ermittlungsergebnissen abzugleichen. Olson gestand, Terri-Lynn Carson getötet zu haben. Ihr Fall wurde Bestandteil des Strafverfahrens gegen ihn und er wurde auch für diesen Mord ersten Grades verurteilt. Terri-Lynn war das zehnte der elf Opfer, für deren Tötung Olson strafrechtlich verantwortlich gemacht wurde. Zwischen ihrem Tod und dem letzten Mord der Serie lagen nur drei Tage. Am 30. Juli 1981 verschwand schließlich die 17-jährige Louise Simonne Marie Evelyn Chartrand, das letzte Opfer der später gerichtlich anerkannten Mordserie.

Das elfte Opfer – Louise Simonne Marie Evelyn Chartrand
Am 30. Juli 1981 verschwand die 17-jährige Louise Simonne Marie Evelyn Chartrand in British Columbia. Sie war das letzte Opfer der später gerichtlich anerkannten Mordserie von Clifford Robert Olson. Ihr Verschwinden ereignete sich nur wenige Tage nach dem Tod von Terri-Lynn Carson. Auch in ihrem Fall begann die Suche zunächst mit einer Vermisstenmeldung. Die Ermittler versuchten, ihren letzten bekannten Aufenthaltsort und die Umstände ihres Verschwindens zu rekonstruieren. Nach späteren Ermittlungen geriet Louise in die Gewalt von Clifford Robert Olson. Er nahm sie mit und brachte sie in ein abgelegenes Gebiet, wo er sie tötete. Dort wurde die Jugendliche getötet. Olson gestand nach seiner Festnahme die Tat und machte Angaben zum Aufenthaltsort der Leiche. Die Ermittler konnten dadurch den Fundort lokalisieren. Die Überreste wurden später geborgen und als die von Louise Chartrand identifiziert. Ihr Fall wurde Bestandteil des Strafverfahrens gegen Olson. Olson bekannte sich auch in diesem Fall des Mordes ersten Grades schuldig. Mit ihrem Tod endete die Reihe der elf Tötungsdelikte, für die Olson später verurteilt wurde. Zwischen dem ersten bekannten Mord an Christine Weller im November 1980 und dem Verschwinden von Louise Chartrand lagen etwas mehr als acht Monate. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Ermittler noch nicht, dass sie es mit einem einzigen Täter zu tun hatten, der für alle elf Fälle verantwortlich war. Die Verbindung zwischen den einzelnen Vermisstenfällen und Tötungsdelikten wurde erst durch die weiteren Ermittlungen hergestellt.


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Die Ermittlungen
Mitte Juli 1981 verdichteten sich die Ermittlungen gegen Clifford Robert Olson. Bei einem Treffen von Polizeibeamten verschiedener Polizeibehörden im Großraum Vancouver wurde am 15. Juli sein Name als einer von drei möglichen Verdächtigen genannt. Kurz darauf entschieden die Ermittler, Olson zu überwachen.

Für die Ermittler war die Situation zu diesem Zeitpunkt schwierig. Zwar war Olson als Verdächtiger in den Mittelpunkt gerückt, es fehlten jedoch zunächst ausreichende direkte Beweise, die ihn eindeutig mit den Tötungsdelikten verbanden. Die Überwachung sollte deshalb vor allem Aufschluss darüber geben, wohin Olson fuhr, mit wem er Kontakt hatte und ob sich daraus eine Verbindung zu den Vermisstenfällen herstellen ließ. Olson bewegte sich dabei häufig mit Mietfahrzeugen durch British Columbia. Die Ermittler mussten seine Bewegungen deshalb aufmerksam verfolgen. Gleichzeitig durfte die Überwachung nicht auffliegen.

In den folgenden Wochen beobachteten die Ermittler Olsons Bewegungen und Kontakte. Dabei entstand zunehmend der Eindruck, dass er weiterhin Gelegenheiten suchte, um mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen. Am 12. August 1981 führte die Überwachung schließlich zu einer entscheidenden Situation. Olson befand sich auf Vancouver Island, wo er zwei junge Anhalterinnen in seinem Fahrzeug mitnahm. Die Polizei beobachtete seine Fahrt. Als er mit den beiden Frauen schließlich auf eine abgelegene Straße fuhr, griffen die Beamten ein. Olson wurde festgenommen.

Bei der anschließenden Durchsuchung seines Mietwagens fanden die Ermittler ein Adressbuch mit dem Namen der 14-jährigen Judy Kozma, die später als eines der bestätigten Opfer identifiziert wurde. Laut dem damaligen RCMP-Ermittler war dies das erste direkte Beweismittel, das Olson mit einem der Fälle in Verbindung brachte. Damit hatte die Polizei erstmals einen konkreten Gegenstand in der Hand, der eine unmittelbare Verbindung zwischen Olson und einem der verschwundenen Jugendlichen herstellte.

Die Festnahme am 12. August markierte deshalb einen entscheidenden Wendepunkt. Aus einem Verdächtigen, dessen Bewegungen die Polizei lediglich beobachtet hatte, war ein festgenommener Mann geworden, dessen persönliche Gegenstände einen direkten Bezug zu einem der Mordfälle aufwiesen. Die Ermittler konnten nun beginnen, Olson unmittelbar zu den Vermisstenfällen zu befragen. Die entscheidenden Aussagen, die später zur Auffindung mehrerer Opfer führen sollten, standen jedoch zu diesem Zeitpunkt noch aus.

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Die Festnahme
Clifford Robert Olson befand sich am 12. August 1981 auf Vancouver Island. Die Polizei hatte ihn im Rahmen der laufenden Ermittlungen bereits im Blick. Am Nachmittag nahm er zwei junge Frauen als Anhalterinnen in seinem Fahrzeug mit. Die beiden Frauen wurden misstrauisch, als er von der vorgesehenen Route abwich und mit ihnen in eine abgelegene Gegend fuhr. Den Frauen gelang es, das Fahrzeug zu verlassen und Hilfe zu holen. Anschließend wandten sie sich an die Polizei und schilderten, was geschehen war.

Für die bereits ermittelnden Beamten war dieser Vorfall von besonderer Bedeutung. Olson stand zu diesem Zeitpunkt ohnehin im Zusammenhang mit den Vermisstenfällen unter Beobachtung. Nun gab es einen aktuellen Vorfall, bei dem er zwei junge Frauen in seinem Fahrzeug mitgenommen und in eine abgelegene Gegend gebracht hatte. Die Polizei griff daraufhin ein und nahm Olson fest. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch noch nicht jedes Detail der späteren Mordserie aufgeklärt. Die Ermittler mussten weiterhin beweisen, dass Olson tatsächlich für die verschiedenen Vermisstenfälle und Tötungsdelikte verantwortlich war. Die Festnahme eröffnete ihnen erstmals die Möglichkeit, ihn unmittelbar zu verhören und seine Aussagen mit den bereits vorhandenen Ermittlungsergebnissen abzugleichen.

In den folgenden Vernehmungen begann Olson, Informationen über die verschwundenen Jugendlichen preiszugeben. Dabei zeigte sich schnell, dass er über Details verfügte, die nur der Täter oder jemand mit unmittelbarem Wissen über die Taten kennen konnte. Damit nahm der Fall eine entscheidende Wendung. Aus einem Verdächtigen wurde der Mann, dessen eigene Aussagen die Ermittler schließlich zu den sterblichen Überresten mehrerer Opfer führen sollten. Die folgenden Tage sollten jedoch noch eine weitere, bis heute umstrittene Entwicklung bringen. Olson machte seine Bereitschaft, weitere Informationen zu liefern, von einer finanziellen Gegenleistung abhängig.

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Geständnis und der umstrittene Deal
Nach seiner Festnahme begannen die Ermittler, Clifford Robert Olson intensiv zu den Vermisstenfällen und Tötungsdelikten zu befragen. Olson verfügte über Informationen, die für die Ermittlungen von großer Bedeutung waren. Er wusste, wo er mehrere seiner Opfer zurückgelassen hatte, und konnte Angaben zu einzelnen Taten machen. Die Ermittler standen dabei jedoch vor einem erheblichen Problem. Trotz intensiver Suche nach Beweisen war die Beweislage gegen ihn zunächst schwächer als es die später bekannte Zahl seiner Opfer vermuten lässt. Laut der RCMP gab es vor seiner Festnahme keine ausreichenden materiellen Beweise, die ihn eindeutig mit den Tötungsdelikten in Verbindung brachten.

Olson erkannte offenbar den Wert seiner Informationen für die Ermittler. Er sprach davon, die Informationen an Medien oder sogar an Angehörige der Opfer verkaufen zu können. Während seiner Haft nahm er laut der RCMP Kontakt zu einer Zeitung auf, um eine mögliche Bezahlung für Informationen zu erörtern. Die Behörden entschieden sich schließlich für eine außergewöhnliche Vorgehensweise. Ende August 1981 wurde eine Vereinbarung getroffen: Insgesamt sollten 100.000 kanadische Dollar in einen Treuhandfonds für Olsons Familie eingezahlt werden. Im Gegenzug sollte er die Ermittler zu den Fundorten mehrerer Opfer führen und Informationen über weitere Tötungsdelikte liefern.

Die Vereinbarung sah vor, dass er die Polizei zu den Gräbern von sieben seiner Opfer führen und Informationen über vier Morde liefern sollte. Die Auszahlung war dabei jeweils an die Erfüllung der Vereinbarung geknüpft. Das Geld wurde nicht einfach direkt an Olson übergeben. Es wurde in einem Treuhandfonds zugunsten seiner Ehefrau und seines Sohnes hinterlegt. Für jede erfolgreiche Information bzw. die Bergung eines Körpers konnten Teilbeträge freigegeben werden.

Tatsächlich wurden aus diesem Fonds schließlich 90.000 Dollar ausgezahlt. Die letzten 10.000 Dollar wurden zurückgehalten, da die von Olson gelieferten Informationen nicht zu einem eindeutig identifizierten Opfer führten. Olsons Bereitschaft, Informationen gegen Geld preiszugeben, löste in Kanada erhebliche Empörung aus. Besonders die Angehörigen der Opfer kritisierten, dass ein Mann, der für die Tötung ihrer Kinder verantwortlich war, ausgerechnet aus seinem Wissen über die eigenen Verbrechen einen finanziellen Vorteil für seine Familie ziehen konnte.

Auch innerhalb der Politik wurde die Entscheidung kontrovers diskutiert. Kritiker bezeichneten die Zahlung als gefährlichen Präzedenzfall und stellten die Frage, ob ein Täter finanziell von seinen eigenen Verbrechen profitieren dürfe. Die Verantwortlichen verteidigten die Zahlung hingegen mit der außergewöhnlichen Situation und dem Ziel, die sterblichen Überreste der vermissten Kinder zu finden und den Familien Gewissheit zu verschaffen.

Der Deal war für die Ermittlungen von entscheidender Bedeutung. Olson führte die Polizei zu mehreren Fundorten und lieferte Informationen, die zur Rekonstruktion einzelner Taten beitrugen. Gleichzeitig blieb die Vereinbarung wegen ihrer finanziellen Komponente eines der umstrittensten Kapitel des gesamten Falls. Olson hatte damit eine ungewöhnliche Machtposition geschaffen. Er verfügte über Informationen, die die Ermittler dringend benötigten, und versuchte, diesen Wissensvorsprung für seine Familie wirtschaftlich nutzbar zu machen.

Die Ermittlungen näherten sich nun ihrer entscheidenden Phase. Aus den Angaben Olsons entstand ein immer vollständigeres Bild der Taten und schließlich wurden auch die einzelnen Morde miteinander und mit seiner Person in Verbindung gebracht.

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Die Aufklärung der Morde und die Beweislage
Nach seiner Festnahme machte Clifford Robert Olson Angaben, die es den Ermittlern ermöglichten, die einzelnen Vermisstenfälle zunehmend mit konkreten Fundorten und Tathergängen zu verbinden.

Olson führte die Polizei zu den sterblichen Überresten mehrerer Opfer. Dadurch hatten die Ermittler die Möglichkeit, seine Aussagen mit den tatsächlichen Fundorten und den Ergebnissen der gerichtsmedizinischen Untersuchungen zu vergleichen. Insgesamt führte Olson die Ermittler zu den Fundorten von sieben seiner Opfer. Weitere Opfer waren bereits zuvor gefunden worden. Dadurch konnte die Polizei die Angaben des Verdächtigen mit den bekannten Fällen abgleichen.

Von besonderer Bedeutung war dabei, dass Olson über Details verfügte, die nicht ohne Weiteres öffentlich bekannt sein konnten. Seine Angaben zu den Verstecken der Leichen und zu einzelnen Tatabläufen stimmten mit den späteren Untersuchungsergebnissen überein. Auch bei den bereits aufgefundenen Opfern konnten die Ermittler weitere Zusammenhänge herstellen. Gegenstände und Informationen aus den Fällen lieferten zusätzliche Anhaltspunkte für Olsons Verbindung zu den Taten.

Eine besondere Herausforderung stellte der Fall von Sandra Lynn Wolfsteiner dar. Ihre sterblichen Überreste waren zwar gefunden worden, konnten aber zunächst nicht zweifelsfrei identifiziert werden. Olson gestand später auch diesen Mord. Damit wurde ihr Fall in das Verfahren gegen ihn aufgenommen. Die Ermittler konnten auf diese Weise ein Gesamtbild rekonstruieren, das sich aus mehreren unterschiedlichen Beweisarten zusammensetzte: Olsons eigenen Aussagen, den Fundorten der Opfer, gerichtsmedizinischen Untersuchungsergebnissen und weiteren Ermittlungsergebnissen. Dabei blieb die Beweislage unmittelbar nach seiner Festnahme außergewöhnlich dünn. Die RCMP räumte später ein, dass vor seiner Festnahme nur sehr wenig konkrete Beweismittel vorhanden gewesen waren, die Olson unmittelbar mit den Tötungsdelikten in Verbindung brachten.

Deshalb waren Olsons eigene Angaben für die Aufklärung von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglichten es den Ermittlern, bereits bestehende Vermissten- und Mordfälle mit konkreten Informationen zu überprüfen und weitere sterbliche Überreste zu finden. Im Laufe der Ermittlungen wurden schließlich elf Tötungsdelikte mit Olson in Verbindung gebracht. Die Opfer waren zwischen neun und 18 Jahre alt. Damit war die Grundlage für das spätere Strafverfahren geschaffen. Olson wurde zunächst wegen einzelner Morde angeklagt. Im Verlauf der folgenden Monate wurde die Zahl der Anklagen schrittweise erweitert, bis schließlich elf Fälle Gegenstand des Verfahrens waren.

Im Januar 1982 kam es zu einer entscheidenden Wendung: Olson änderte seine Haltung und bekannte sich schuldig.

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Schuldbekenntnis und Urteil
Nach Abschluss der Ermittlungen wurde Clifford Robert Olson wegen der Tötung von insgesamt elf Menschen strafrechtlich verfolgt. Im Januar 1982 begann die gerichtliche Aufarbeitung der Fälle. Olson bekannte sich in den Mordfällen schuldig beziehungsweise wurde in einzelnen Fällen nach einem gerichtlichen Verfahren für schuldig befunden. Die genaue Abfolge der Schuldbekenntnisse und Verhandlungen ist dabei von Bedeutung, da die elf Fälle nicht auf dieselbe Weise abgeschlossen wurden.

In zehn Mordfällen kam es zu einem Verfahren vor einer zwölfköpfigen Jury. Die Jury befand ihn in diesen Fällen des Mordes für schuldig. Anschließend wurde ein elfter Mordfall separat behandelt. Auch in diesem Fall bekannte sich Olson schuldig. Damit war die strafrechtliche Verantwortung für alle elf Tötungsdelikte festgestellt.

Am 15. Januar 1982 wurde Olson zu elf lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. Für jeden Mord wurde eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt. Die Strafen liefen gleichzeitig und nicht nacheinander. Das Gericht legte eine Mindestverbüßungszeit von 25 Jahren fest, nach deren Ablauf Olson grundsätzlich für eine Bewährung in Betracht kam. Dies bedeutete, dass er für die elf Tötungsdelikte dauerhaft zu lebenslanger Haft verurteilt war, auch wenn er nach Ablauf der Mindestverbüßungszeit grundsätzlich die Möglichkeit hatte, einen Antrag auf Bewährung zu stellen. Mit dem Urteil endete die strafrechtliche Hauptphase des Falls. Die elf Tötungsdelikte waren nun gerichtlich festgestellt und Olson dafür rechtskräftig verurteilt.

Gleichzeitig blieb der Fall auch nach dem Urteil außergewöhnlich. Die Frage nach möglichen weiteren Opfern sowie Olsons späteren Behauptungen und Versuchen, eine vorzeitige Entlassung zu erreichen, sollte ihn noch über Jahrzehnte hinweg begleiten. Zwar hatte die strafrechtliche Aufarbeitung die Schuld in den elf Fällen festgestellt, doch die öffentliche Auseinandersetzung mit Clifford Olson war damit noch lange nicht beendet.

Für die Angehörigen der Opfer bedeutete das Urteil jedoch keinen einfachen Abschluss. Viele von ihnen mussten sich anschließend über Jahrzehnte hinweg mit der Frage auseinandersetzen, ob Olson jemals wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte. Die lebenslangen Freiheitsstrafen bedeuteten deshalb nicht, dass der Fall aus dem öffentlichen Interesse verschwand. Im Gegenteil: Olsons Haftzeit, seine späteren Bewährungsanträge und sein Verhalten im Gefängnis sollten den Fall noch viele Jahre begleiten.

Nach seiner Verurteilung verbrachte Clifford Robert Olson den Rest seines Lebens im kanadischen Strafvollzug. Seine Haftzeit erstreckte sich über fast drei Jahrzehnte und erregte wiederholt öffentliche Aufmerksamkeit.

Auch im Gefängnis blieb Olson eine umstrittene Persönlichkeit. Er suchte wiederholt den Kontakt zur Außenwelt und nutzte seine Bekanntheit, um Aufmerksamkeit zu erlangen. Dabei machte er unter anderem Aussagen über seine eigenen Verbrechen sowie über weitere angebliche Tötungsdelikte. Im Laufe der Jahre behauptete Olson mehrfach, für weitere Morde verantwortlich zu sein. Diese Behauptungen gingen teilweise weit über die elf Tötungsdelikte hinaus, für die er verurteilt worden war. Die Strafverfolgungsbehörden konnten diese zusätzlichen Behauptungen jedoch nicht bestätigen.

Dadurch entstand eine besondere Situation: Olson verfügte über Informationen zu seinen eigenen Taten und konnte zugleich durch neue Behauptungen die Aufmerksamkeit von Medien, Ermittlern und der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Auch gegenüber den Angehörigen seiner Opfer sorgte sein Verhalten wiederholt für Konflikte. Er schrieb Briefe und machte Äußerungen, die bei den Familien neue Belastungen auslösten. Deshalb wurden im Laufe seiner Haftzeit Einschränkungen hinsichtlich seiner öffentlichen Kommunikation angeordnet. Die Behörden wollten verhindern, dass er seine Stellung als verurteilter Serienmörder weiterhin dazu nutzen konnte, die Angehörigen der Opfer oder die Öffentlichkeit mit neuen Behauptungen zu konfrontieren.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil seiner Haftzeit waren seine Versuche, eine vorzeitige Entlassung zu erreichen. Nach Ablauf der gesetzlich vorgesehenen Mindestzeit erhielt er die Möglichkeit, einen Antrag auf Bewährung zu stellen. Sein erster Antrag, der besondere Aufmerksamkeit erhielt, wurde 1997 im Rahmen der sogenannten „Faint Hope“-Regelung behandelt. Olson hoffte, damit seine Mindestverbüßungszeit zu verkürzen. Die zuständige Jury lehnte den Antrag jedoch ab. Damit blieb er weiterhin in Haft. Später folgten weitere Bewährungsanträge. Auch diese führten nicht zu seiner Freilassung. Olson verbrachte seine letzten Lebensjahre deshalb weiterhin im Gefängnis. Trotz seiner wiederholten Versuche, eine Entlassung zu erreichen, blieb er bis zu seinem Tod in Haft.

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Bewährungsanträge und öffentliche Kontroverse
Nachdem Clifford Robert Olson die gesetzlich vorgesehene Mindestverbüßungszeit erreicht hatte, erhielt er die Möglichkeit, eine vorzeitige Entlassung beziehungsweise eine Verkürzung der Mindesthaftzeit zu beantragen. Seine Anträge stießen in Kanada auf große öffentliche Aufmerksamkeit.

Bereits 1997 beantragte Olson eine Überprüfung seiner Mindestverbüßungszeit gemäß der damaligen sogenannten „Faint Hope Clause“. Ziel des Verfahrens war es, eine frühere Möglichkeit zur Bewährung zu erhalten. Die Anhörung dauerte mehrere Tage. Olson trat dabei selbst auf und versuchte, seine Situation darzustellen. Die Entscheidung fiel jedoch eindeutig gegen ihn aus. Die zuständige Jury lehnte seinen Antrag nach kurzer Beratung ab. Damit blieb die ursprüngliche Mindestverbüßungszeit bestehen.

Ein weiterer bedeutender Antrag folgte im Jahr 2006: Zu diesem Zeitpunkt hatte Olson bereits 25 Jahre seiner lebenslangen Freiheitsstrafe verbüßt und konnte somit regulär Bewährung beantragen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Das zuständige Gremium sah weiterhin Gründe, Olson nicht auf freien Fuß zu setzen. Besonders stark war bei den Anhörungen die Beteiligung der Angehörigen seiner Opfer. Familienmitglieder äußerten wiederholt ihre Ablehnung einer Freilassung und machten deutlich, dass sie Olson weiterhin als Gefahr betrachteten.

Im Jahr 2010 stellte Olson einen weiteren Bewährungsantrag. Auch diesmal wurde ihm die Freilassung verweigert. Nach dieser Entscheidung kündigte Olson an, keinen weiteren Antrag auf Bewährung stellen zu wollen. Damit endeten seine öffentlich bekannten Versuche, eine Entlassung aus dem Gefängnis zu erreichen. Die Bewährungsanhörungen machten zugleich deutlich, wie stark der Fall Jahrzehnte nach den Morden noch immer nachwirkte. Für die Angehörigen bedeutete jede neue Anhörung eine erneute Auseinandersetzung mit den Taten und mit der Möglichkeit, dass der Täter eines Tages wieder auf freien Fuß gesetzt werden könnte.

Olson blieb jedoch bis zu seinem Tod in Haft. Keine seiner Bemühungen um eine vorzeitige Entlassung war erfolgreich. Die öffentliche Kontroverse beschränkte sich dabei nicht nur auf die Frage seiner möglichen Freilassung. Auch Olsons Auftreten während der Anhörungen und seine wiederholten Behauptungen über weitere Tötungsdelikte sorgten für Aufmerksamkeit.

Damit blieb der Fall auch Jahrzehnte nach seiner Verurteilung ein Thema, das über die eigentlichen Morde hinausging und Fragen nach Strafvollzug, Bewährung, Opferschutz und dem Umgang mit besonders gefährlichen Mehrfachmördern aufwarf.

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Behauptungen über weitere Opfer
Clifford Robert Olson wurde wegen der Tötung von elf Menschen verurteilt. Diese elf Fälle bilden den gesicherten Kern des Falls. Darüber hinaus machte Olson im Laufe seines Lebens wiederholt Angaben, aus denen hervorgeht, dass er für weitere Tötungsdelikte verantwortlich gewesen sein will.

Besonders während seiner späteren Haftzeit behauptete er, noch zahlreiche weitere Menschen getötet zu haben. Die Zahl der von ihm selbst genannten Opfer ging dabei weit über die elf Fälle hinaus, für die er verurteilt wurde. Diese Angaben wurden von den Behörden jedoch nicht automatisch als wahr übernommen. Bei einem Täter wie Olson musste berücksichtigt werden, dass Behauptungen über zusätzliche Morde auch dazu dienen konnten, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Ermittler zu beschäftigen oder die eigene Bedeutung zu steigern.

Einige seiner Aussagen führten dennoch zu Überprüfungen möglicher Zusammenhänge mit ungeklärten Vermissten- und Todesfällen. So untersuchten Ermittler beispielsweise, ob bestimmte ungeklärte Fälle zeitlich und örtlich mit Olsons Angaben vereinbar waren. Ein Beispiel dafür war der Fall der 17-jährigen Marnie Jamieson, deren Leichnam 1980 gefunden worden war. Aufgrund von zeitlichen und örtlichen Überschneidungen wurde später auch geprüft, ob ein Zusammenhang mit Olson bestehen könnte. Ein entsprechender Nachweis konnte jedoch nicht erbracht werden. Somit darf dieser Fall nicht als weiterer Mord Olsons dargestellt werden.

Auch bei anderen von Olson behaupteten Tötungen fehlten ausreichende Beweise, um sie ihm strafrechtlich zuzuordnen. Die Behörden konnten seine Aussagen deshalb nicht als Beweis für eine größere Zahl von Opfern verwenden. Für die Einordnung des Falles ist diese Unterscheidung entscheidend: Gesichert sind elf Morde, für die Olson rechtskräftig verurteilt wurde. Nicht gesichert sind die darüber hinausgehenden Tötungen, die er selbst behauptete oder die aufgrund seiner Aussagen untersucht wurden.

Es gibt deshalb keine belastbare Grundlage, um Olson als Täter von beispielsweise 20, 50 oder gar mehr als 100 Morden darzustellen. Solche Zahlen beruhen auf seinen eigenen Behauptungen oder späteren Spekulationen und stellen keine festgestellte Opferzahl dar. Die ungeklärten Fälle sind zwar Bestandteil der historischen Aufarbeitung, müssen aber deutlich von den elf gerichtlich festgestellten Morden getrennt werden.

8

Psychologisches Profil und Täterpersönlichkeit
Clifford Robert Olson wurde im Laufe seines Lebens wiederholt psychologisch und psychiatrisch beurteilt. Dabei wurden nicht nur seine Straftaten, sondern auch sein Verhalten gegenüber anderen Menschen und seine Fähigkeit, sich an unterschiedliche Situationen anzupassen, beurteilt.

Spätere fachliche Einschätzungen beschrieben Olson als hochgradig manipulativ und narzisstisch. Besonders auffällig waren sein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle und Aufmerksamkeit. Olson verstand es, unterschiedliche Rollen einzunehmen. So konnte er gegenüber Behörden als Informant auftreten und sich gegenüber anderen Menschen hilfsbereit oder freundlich präsentieren. Gleichzeitig nutzte er Informationen gezielt, wenn er sich davon einen persönlichen Vorteil versprach. Ein wiederkehrendes Merkmal seines Verhaltens war sein Umgang mit Informationen über seine eigenen Straftaten. Er wusste, dass diese für Ermittler und Angehörige von großer Bedeutung waren, und versuchte wiederholt, daraus Einfluss und Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Auch nach seiner Verurteilung setzte er dieses Verhalten fort. Seine Aussagen zu weiteren angeblichen Tötungsdelikten sowie seine Versuche, mit Informationen Aufmerksamkeit zu erregen, wurden von Fachleuten und Behörden entsprechend kritisch bewertet. Einige Experten beschrieben ihn als Psychopathen beziehungsweise als Persönlichkeit mit ausgeprägten psychopathischen Eigenschaften. Dabei wurden insbesondere fehlendes Mitgefühl, mangelnde Reue, Manipulationsfähigkeit und ein stark ausgeprägtes Eigeninteresse hervorgehoben. Eine solche Einschätzung darf jedoch nicht mit einer einfachen psychiatrischen Diagnose gleichgesetzt werden. Begriffe wie „Psychopath” stammen nicht automatisch aus einer standardisierten klinischen Diagnose und sollten deshalb im historischen Kontext vorsichtig verwendet werden.

Ebenso wenig lässt sich aus einer psychologischen Beschreibung ableiten, warum Olson seine Verbrechen beging. Es gibt keine wissenschaftlich belastbare Grundlage, um seine späteren Taten allein auf bestimmte Erlebnisse in seiner Kindheit oder Jugend zurückzuführen. Auffällig war vielmehr die Kombination verschiedener Eigenschaften: eine lange kriminelle Vorgeschichte, die Fähigkeit zur Täuschung, ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle und Aufmerksamkeit sowie die Bereitschaft, andere Menschen für die eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Besonders deutlich zeigte sich diese Persönlichkeitsstruktur nach seiner Festnahme. Olson verfügte über Informationen, die für die Ermittler von großem Wert waren, und er erkannte den persönlichen Einfluss, den er dadurch ausüben konnte. Auch seine späteren Bewährungsanträge und öffentlichen Äußerungen zeigen, dass er selbst Jahrzehnte nach den Morden versuchte, seine Situation zu beeinflussen.

Eine abschließende psychologische Erklärung seiner Persönlichkeit ist dennoch nicht möglich. Die vorhandenen Einschätzungen können zwar bestimmte Verhaltensmuster beschreiben, nicht aber vollständig erklären, weshalb Olson zum mehrfachen Mörder wurde.

9

Modus Operandi und Vorgehensweise
Die elf Morde, für die Clifford Robert Olson verurteilt wurde, weisen mehrere wiederkehrende Merkmale auf. Gleichzeitig unterscheiden sich die einzelnen Taten in ihren konkreten Abläufen. Deshalb lässt sich kein vollständig identischer Tatablauf für alle Fälle feststellen.

Ein wiederkehrendes Element war der Kontakt zu den Opfern außerhalb geschützter privater Räume. Olson begegnete seinen späteren Opfern in Situationen, in denen ein persönlicher Kontakt relativ leicht hergestellt werden konnte. In mehreren Fällen spielte dabei sein Fahrzeug eine wichtige Rolle. So konnte er Personen ansprechen, ihnen eine Mitfahrgelegenheit anbieten oder sie unter einem anderen Vorwand dazu bringen, in sein Fahrzeug einzusteigen.

Die Opfer waren überwiegend Kinder und Jugendliche. Die elf später gerichtlich anerkannten Opfer waren zwischen neun und 18 Jahre alt. Sowohl Jungen als auch Mädchen gehörten zur Opfergruppe.

Ein weiteres wiederkehrendes Merkmal war, dass sich die Taten in abgelegenen Gebieten abspielten. Olson fuhr seine Opfer häufig aus stärker besiedelten Gebieten heraus. Waldgebiete und abgelegene Regionen boten ihm dabei eine geringere Wahrscheinlichkeit, von zufälligen Zeugen beobachtet zu werden.

Die Tötungsarten waren nicht bei allen Opfern identisch. Zu den dokumentierten Todesursachen gehörten unter anderem schwere stumpfe Gewalteinwirkung und Strangulation. Daraus lässt sich kein einheitliches bevorzugtes Tatmittel ableiten.

Auch der Umgang mit den Leichen folgte einem wiederkehrenden Grundprinzip: Olson versuchte, die sterblichen Überreste an abgelegenen Orten zurückzulassen, um eine schnelle Entdeckung zu verhindern. Dadurch wurde die spätere Suche nach den Leichen erheblich erschwert. In mehreren Fällen lagen die Fundorte zudem weit von den letzten bekannten Aufenthaltsorten der Opfer entfernt.

Auffällig ist außerdem, dass Olson seine Opfer nicht ausschließlich anhand eines einzigen, äußerlich erkennbaren Merkmals auswählte. Die Opfer unterschieden sich in Bezug auf Alter und Geschlecht. Ihnen allen war vor allem ihre Verwundbarkeit gemein sowie die Tatsache, dass Olson relativ leicht Kontakt zu ihnen herstellen konnte. Sein Vorgehen beruhte somit weniger auf einem starren Tatmuster als auf einer Kombination aus Kontaktaufnahme, Kontrolle, Verlagerung des Tatorts und Beseitigung der Leiche.

Dabei darf zwischen dem Modus Operandi und einem möglichen persönlichen Tatmotiv unterschieden werden. Der Modus Operandi beschreibt, wie Olson vorging und welche Vorgehensweisen sich wiederholten. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, welche persönliche Motivation er für die einzelnen Taten hatte.

Die bekannten Fälle zeigen vielmehr einen Täter, der seine Vorgehensweise an die jeweilige Situation anpassen konnte. Gerade diese Anpassungsfähigkeit erschwert eine einfache Beschreibung seines Tatmusters.

Die Ermittlungen konnten jedoch genügend wiederkehrende Merkmale feststellen, um die einzelnen Fälle schließlich als zusammenhängende Mordserie einzuordnen.

Die elf Menschen, deren Tötung Clifford Robert Olson zur Last gelegt wurde, unterschieden sich in mehreren persönlichen Merkmalen voneinander. Dennoch lassen sich einige gemeinsame Charakteristika feststellen. Das auffälligste Merkmal ist das junge Alter der Opfer. Sie waren zwischen neun und 18 Jahren alt. Mehrere von ihnen waren Kinder oder Jugendliche im frühen Teenageralter. Unter den elf Opfern befanden sich acht Mädchen bzw. junge Frauen und drei Jungen. Damit waren weibliche Opfer deutlich häufiger vertreten, gleichzeitig gehörten aber auch männliche Jugendliche zur Opfergruppe. Die Opfer stammten überwiegend aus dem Großraum Vancouver und dem südwestlichen British Columbia. Ihre Lebenssituationen waren jedoch unterschiedlich. Einige lebten bei ihren Familien, andere befanden sich in einer Übergangs- oder Ausnahmesituation und standen nur eingeschränkt unter elterlicher Kontrolle. Ein gemeinsames Merkmal war ihre grundsätzliche Erreichbarkeit für einen erwachsenen Fremden. Mehrere Opfer waren allein unterwegs oder befanden sich außerhalb ihres unmittelbaren familiären Umfelds, als sie mit Olson in Kontakt kamen.

In einigen Fällen spielte auch die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit oder einer Arbeitsstelle eine Rolle. Solche Situationen konnten es Olson erleichtern, einen ersten Kontakt herzustellen. Es wäre jedoch falsch, daraus ein starres Auswahlkriterium abzuleiten. Die Opfer waren sich hinsichtlich Alter, Geschlecht und Lebensumständen nicht vollkommen ähnlich. Auch ein bestimmtes soziales oder ethnisches Merkmal lässt sich nicht als einheitliches Auswahlkriterium belegen. Ihre Gemeinsamkeit lag vielmehr in ihrer Verletzlichkeit und der Möglichkeit für Olson, kurzfristig Zugang zu ihnen zu erhalten.

Die Tatsache, dass zu seinen Opfern auch ein neunjähriges Kind und eine 18-jährige junge Frau gehörten, zeigt die relativ große Altersspanne. Ein enges biologisches oder altersbezogenes Beuteschema lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Ebenso gibt es keine belastbare Grundlage für die Behauptung, er habe seine Opfer nach einem bestimmten äußeren Erscheinungsbild ausgewählt. Solche späteren Spekulationen lassen sich aus den gerichtlich festgestellten Fakten nicht ableiten. Das Opferprofil beschreibt deshalb vor allem eine Situationsabhängigkeit: Olson traf auf Kinder und Jugendliche, die sich außerhalb ihres geschützten Umfelds befanden, und konnte diese Situationen für seine Zwecke ausnutzen.

Damit lässt sich zwar ein wiederkehrendes Muster erkennen, aber kein vollständig eindeutiges Auswahlkriterium. Die Opfer waren nicht deshalb gefährdet, weil sie einer bestimmten Gruppe angehörten, sondern weil Olson in bestimmten Situationen Zugang zu ihnen erhielt und ihre Verletzlichkeit ausnutzen konnte.

10

Die letzten Lebensjahre und sein Tod
Clifford Robert Olson verbrachte bis zu seinem Tod fast drei Jahrzehnte in kanadischer Haft. Auch in seinen letzten Jahren blieb er aufgrund seiner Verbrechen, früherer Bewährungsanträge und wiederholter öffentlicher Aufmerksamkeit ein bekannter Gefangener.

Im September 2011 wurde bekannt, dass er an einer unheilbaren Krebserkrankung litt. Laut Angaben des kanadischen Strafvollzugs war die Erkrankung zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschritten.

Olson starb am 30. September 2011 im Alter von 71 Jahren. Er befand sich zum Zeitpunkt seines Todes weiterhin in Haft. Sein Tod trat im Gesundheitszentrum der Archambault Institution in Sainte-Anne-des-Plaines, Québec, ein. Der kanadische Strafvollzug gab zunächst eine natürliche Todesursache an. Zeitgenössische Berichte nannten jedoch seine terminale Krebserkrankung als Todesursache. Mit seinem Tod endete die Möglichkeit weiterer Bewährungsanträge oder persönlicher Anhörungen. Olson hatte bis dahin keine vorzeitige Entlassung erreicht und war weiterhin zu elf lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt.

Für die Angehörigen der Opfer hatte Olsons Tod eine besondere Bedeutung. Einige von ihnen beschrieben die Nachricht als Erleichterung, da Olson nun keine weiteren Anträge mehr stellen und nicht mehr durch öffentliche Äußerungen oder Medienauftritte in ihr Leben treten konnte. Gleichzeitig änderte sein Tod nichts an dem Verlust ihrer Angehörigen.

Mit seinem Tod endete seine persönliche Geschichte im Strafvollzug, nicht jedoch die historische und gesellschaftliche Auseinandersetzung mit seinen Verbrechen. Der Fall blieb insbesondere wegen der elf Opfer, des umstrittenen Deals mit den Behörden sowie der späteren Diskussionen über Bewährung und Opferschutz im öffentlichen Gedächtnis haften.


Quellen und weiterführende Informationen
United Press International (UPI)
- The trial of Clifford Robert Olson on charges of… – 11. Januar 1982
- Clifford Robert Olson sentenced to 25 years without parole – 14. Januar 1982
- Olson wanted to sell information to media, parents of victims – 15. Januar 1982
- RCMP have revealed a deal made with convicted killer – 16. Januar 1982
- Clifford Olson has credited himself for being the only… – 18. Januar 1982

United Press International – Archivberichte zu Clifford Olson⁠, UPI – Bericht zur Identifizierung von Sandra Wolfsteiner⁠, Correctional Service Canada (CSC), Global News, CityNews.

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