Tatzeitraum & Opfer
Modus Operandi & Motive
Rechtliches
Roger Andermatt
„In den stillen Fluren eines Schweizer Pflegeheims stirbt jemand. Niemand schlägt Alarm. Es ist ja nicht ungewöhnlich, wenn hochbetagte Menschen sterben. Doch was, wenn der Tod nicht natürlich ist, sondern geplant?“
Der Mann, dem man vertraute. Roger Andermatt arbeitet als Pflegehelfer. Er verteilt Medikamente, hilft beim Waschen und kennt die Gewohnheiten der Bewohner. Nach außen wirkt er freundlich und zuverlässig – ein Mensch, dem man nachts den Schlüssel zum ganzen Haus anvertraut.
Parallel führt er ein zweites Leben. Er tritt als DJ und Tanzlehrer auf. Zwei Welten, die nichts voneinander wissen.
Die Menschen, die Andermatt auswählt, sind alt, krank und oft dement. Viele von ihnen können nicht mehr sagen, was sie erleben. Wenn sie sterben, heißt es: Herzversagen. Altersschwäche. Komplikationen. Doch niemand ahnt, dass ein Pfleger den Zeitpunkt des Todes aktiv bestimmt.
Andermatt nutzt, was ihm sein Job bietet: Medikamente, Schlaf- und Beruhigungsmittel in tödlicher Dosis. Erstickung durch Tücher oder Plastiksäcke, lautlos und ohne Kampfspuren. Es sind Methoden, die wie ein natürlicher Tod aussehen. Genau deshalb bleibt er jahrelang unentdeckt.
In bestimmten Heimen häufen sich die Todesfälle. Und das immer dann, wenn Andermatt Dienst hat. Ein ungutes Gefühl breitet sich aus. Akten werden geprüft. Es werden Exhumierungen angeordnet. Die Ergebnisse sind eindeutig: Mehrere Bewohner sind nicht auf natürliche Weise gestorben.
Im Sommer 2001 schlagen die Ermittler zu. Andermatt wird festgenommen. In den Vernehmungen spricht er von „Erlösung” für die Kranken.
Die Staatsanwaltschaft sieht das jedoch anders: Mord. Serienmord. Vor Gericht werden 22 Todesfälle als Mord nachgewiesen. Die Betroffenen waren überwiegend zwischen 66 und über 90 Jahre alt, meist Frauen – Menschen, die ihren Lebensabend in Sicherheit verbringen sollten.
Ihre Namen bleiben oft anonym, doch ihr Schicksal ist erschütternd: Sie starben nicht, weil ihre Zeit gekommen war, sondern weil ein Pfleger es so entschied.
Das Gericht spricht das härteste Urteil aus: lebenslange Haft. Die Verteidigung spricht von Mitleid. Die Richter sagen jedoch, es handelte sich um Tötung aus Macht, nicht aus Barmherzigkeit.
Roger Andermatt gilt bis heute als der tödlichste Serienmörder der Schweiz. Sein Fall veränderte die Pflege: Es gibt strengere Kontrollen, mehr Dokumentation und das Vier-Augen-Prinzip wurde eingeführt. Doch für 22 Familien kommt jede Reform zu spät.