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Jürgen Bartsch
Kirmesmörder (geb. Karl-Heinz Sadrozinski)
Geboren: 06.11.1946 in Essen
Gestorben: 28.04.1976 Nationalität: Deutsch Land: Deutschland
Jürgen Bartsch: Selbstbildnis eines Kindermörders (🇩🇪)
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Jürgen Bartsch
Jürgen Bartsch (geboren als Karl-Heinz Sadrozinski) wurde am 6. November 1946 in Essen geboren. Seine frühe Kindheit war geprägt von schwierigen Startbedingungen: Er verlor früh seine leibliche Mutter, wuchs in wechselnden Pflegeverhältnissen auf und wurde später von der Familie Bartsch adoptiert. Schon in seiner Jugend traten bei ihm auffällige Verhaltensweisen auf. Zeitzeugen und Gutachten berichten von sexuellen Neigungen und einer auffälligen Entwicklung während seiner Aufenthalte in Internaten und Heimen.
Zwischen 1962 und 1966 verübte Bartsch eine Serie von Übergriffen und Tötungen an Jungen im Alter von etwa 8 bis 13 Jahren im Raum Essen/Velbert-Langenberg. Nach kriminalistischen Rekonstruktionen und späteren Ermittlungen werden vier Jungen als seine getöteten Opfer gezählt. Zudem gibt es dokumentierte Versuche und schwere Misshandlungen. Diese Taten machten ihn in der Öffentlichkeit schnell als den sogenannten „Kirmesmörder“ bekannt.
Am 21. Juni 1966 wurde er nach Zeugenhinweisen und Ermittlungsergebnissen von der Polizei festgenommen. Er gestand die Taten und gab in Vernehmungen sowie in umfangreichen Briefen und Interviews weitreichende Informationen über seine Motive und den Tathergang preis.
Der Prozess begann am 27. November 1967 vor dem Landgericht Wuppertal. Das Verfahren zog große mediale Aufmerksamkeit auf sich. Zunächst wurde Bartsch im Jahr 1967 zu einer langjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde später aufgehoben. In der Folge kam es zu einer Neuverhandlung vor einer Jugendkammer, da Aspekte der Verfahrensführung und der rechtlichen Einstufung (Jugendlicher vs. Erwachsener, Schuldfähigkeit) rechtlich umstritten waren.
In den 1970er-Jahren wurden psychologische Gutachten sowie Bartschs eigene Briefe und Aussagen zum Gegenstand intensiver Debatten über Ursachen, Verantwortung und die Rolle von Erziehung und Missbrauch. Bartsch selbst gab Einblick in seine Motive. Die Gutachter stellten später einen starken sadistischen Zug und paraphile Neigungen fest.
Um seine sexual-sadistischen Triebe zu unterdrücken bzw. die Gefährdung zu mindern, wurde 1976 in der forensischen Anstalt Eickelborn (Landeskrankenhaus) letztlich eine operative Maßnahme geplant: eine Kastration. Während dieses Eingriffs kam es jedoch zu einem schwerwiegenden Narkosezwischenfall durch die Überdosierung eines Inhalationsanästhetikums, in dessen Folge Bartsch am 28. April 1976 verstarb. Die Umstände dieses Narkosefehlers wurden später strafrechtlich aufgearbeitet. Die Verantwortlichen wurden wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Der Fall Bartsch hat in Deutschland nachhaltige Diskussionen über das Jugendstrafrecht, die Behandlung sexualstrafender Straftäter, die Rolle von Kindesmissbrauch bei der Entstehung gewalttätiger Pädophilie sowie über die mediale Berichterstattung in Strafverfahren ausgelöst. Zahlreiche Bücher, Dokumentationen und wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich mit seinen Briefen, Gutachten und der gesellschaftlichen Reaktion darauf.
Weitere dokumentierte Hinweise
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Fallchronik 1946 – Geburt
Jürgen Bartsch wurde am 6. November 1946 in Essen als Karl-Heinz Sadrozinski geboren. Seine leibliche Mutter stirbt kurz nach seiner Geburt. Er wächst zunächst in Pflegefamilien auf und wird später vom Ehepaar Bartsch adoptiert. Seine frühe Kindheit ist von Bindungsabbrüchen und emotionaler Vernachlässigung geprägt.
1950er–frühe 1960er – Auffällige Entwicklung
Bartsch zeigt bereits in jungen Jahren soziale Isolation, Ängste sowie eine starke sexuelle Fixierung auf jüngere Jungen. Er lebt zurückgezogen und entwickelt Fantasien, die sich in der Pubertät intensivieren.
1962–1966 – Mordserie
Bartsch begeht im Raum Essen und Velbert-Langenberg zwischen seinem 15. und 19. Lebensjahr eine Serie schwerer Sexualverbrechen. Dabei tötet er vier Jungen im Alter von etwa 8 bis 13 Jahren und misshandelt weitere Kinder schwer. Er lockt seine Opfer von Spielplätzen, Kirmesplätzen oder der Straße in Schrebergartenlauben, Kellerräume, Waldgebiete oder verlassene Gebäude. Dort fesselt, misshandelt und tötet er sie.
21. Juni 1966 – Festnahme
Aufgrund von Zeugenaussagen und Ermittlungen wird Bartsch festgenommen. Er legt ein umfassendes Geständnis ab und schildert die Tatabläufe sowie seine Fantasien detailliert.
1967 – Prozess
Einer der aufsehenerregendsten Strafprozesse der Nachkriegszeit beginnt am 27. November 1967 vor dem Landgericht Wuppertal. Es werden mehrere psychiatrische Gutachten eingeholt. Das erste Urteil wird später aufgehoben und Bartsch kommt in den Maßregelvollzug.
1970er Jahre – Forensische Unterbringung
In forensischen Kliniken verfasste Bartsch hunderte Seiten mit Briefen und Protokollen über seine Taten, seine Kindheit und seine Triebe. Diese Texte zählen zu den umfangreichsten Täter-Selbstzeugnissen in Deutschland.
1976 – Medizinischer Eingriff
Nach Begutachtung und auf eigenen Wunsch wird eine operative Kastration zur Reduzierung seiner Triebe geplant. Der Eingriff findet im Landeskrankenhaus Eickelborn statt.
28. April 1976 – Tod
Während der Narkose kommt es zu einer Überdosierung eines Betäubungsmittels. Bartsch erlitt einen Atemstillstand und starb im Alter von 29 Jahren. Später wurden die beteiligten Mediziner wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.
Der Fall Bartsch prägte die deutsche Debatte über das Jugendstrafrecht, die Behandlung schwerer Sexualstraftäter sowie Schuld, Therapie und Sicherungsverwahrung. Bis heute gilt er als einer der am besten dokumentierten Serienmörderfälle der Bundesrepublik.
2
Opferprofil
Jürgen Bartsch richtete seine Taten ausschließlich gegen Jungen im Alter von etwa acht bis 13 Jahren. Die Kinder stammten meist aus einfachen Verhältnissen oder waren sich selbst überlassen und hielten sich häufig auf Spielplätzen, in Wohngebieten oder auf Jahrmärkten auf.
Gesicherte Opferzahl
Vier Jungen (Jahrgänge 1962–1966) wurden getötet, mehrere weitere Kinder schwer misshandelt, aber sie überlebten. In der damaligen Berichterstattung wurden die Namen der Opfer aus Jugendschutzgründen weitgehend anonymisiert.
Tatmotiv
Bartsch handelte aus einem sexuell-sadistischen Trieb mit starker pädophiler Fixierung. In seinen Geständnissen und Briefen beschrieb er, wie er sexuelle Erregung durch die Angst und den Schmerz seiner Opfer sowie den Wunsch nach vollständiger Kontrolle und Fantasien von Besitz und Macht empfand. Psychiatrische Gutachten stuften ihn als hochgradig gefährlichen, sadistischen Sexualstraftäter ein.
Modus Operandi
Bartsch folgte einem wiederkehrenden Muster.
Auswahl:
Jungen im Kindes- und frühen Jugendalter, häufig unbeaufsichtigt oder allein unterwegs.
Ansprechen:
Auf Kirmesplätzen, auf Spielplätzen, in Wohngebieten. Er bot Süßigkeiten, kleine Geldbeträge oder Geschenke an.
Isolation
Er führte die Kinder in Schrebergartenlauben, Kellerräume, Waldgebiete oder verlassene Gebäude.
Tatphase
Fesseln der Opfer, sexuelle Misshandlung, Zufügen von Schmerzen zur Steigerung der Erregung.
Tötungsweise
Die Kinder starben überwiegend durch:
Strangulation (Erwürgen), teils in Verbindung mit Erstickung oder schweren Verletzungen. Bartsch hielt die Opfer oft fest, bis sie aufhörten zu atmen – der Tod war Teil seines sadistischen Rituals.
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Opfer- & Tatortliste
Die Ermittlungsakten und späteren Urteile belegen bei Jürgen Bartsch vier vollendete Tötungsdelikte sowie mehrere schwere Sexualverbrechen. Die Namen der Opfer wurden aus Jugendschutzgründen nie öffentlich gemacht und sind bis heute amtlich anonymisiert.
1962 - ca. 9 Jahre, Essen, Kellerraum
1963 - ca. 10 Jahre, Velbert-Langenberg, Schrebergarten
1964 - ca. 13 Jahre, Essen, Waldgebiet
1966 - ca. 8 Jahre, Velbert-Langenberg, Laube
Diese vier Tötungen wurden von Bartsch selbst gestanden und durch Tatortfunde, Zeugenaussagen und Rekonstruktionen bestätigt.
Weitere belegte Tatorte (Überlebende Opfer)
Neben den vier Morden gab es mehrere schwere Sexualverbrechen, bei denen Kinder überlebten:
1962–1965, Essen, Missbrauch in Kellerräumen
1963–1965, Velbert-Langenberg, Locken in Schrebergärten
1964, Ruhrgebiet, Überfall auf Kind im Wald
Diese Taten waren entscheidend für die Identifizierung Bartschs als Serientäter.
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Filme & Dokumentationen
Der Fall Jürgen Bartsch wurde mehrfach filmisch und dokumentarisch aufgearbeitet:
„Der Totmacher“ (1995):
Zwar handelt der Film primär von Fritz Haarmann, doch Bartschs Selbstzeugnisse beeinflussten maßgeblich das Drehbuch und die Darstellung des psychologischen Täterprofils.
Dokumentationen:
ARD und WDR-Produktionen über den „Kirmesmörder“
ZDF-Reihe Aktenzeichen und Zeitgeschichte
Zudem existieren wissenschaftliche Verfilmungen und Theaterstücke, die auf Bartschs Briefen und Vernehmungsprotokollen basieren.