SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1983
Bestätigte Opfer 3
Aktionsradius Wien
Opfergruppen Mann/Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Erschießen, Gewehr mit Explosivmunition, Sprenggeschossen.
Hauptmotive Ein klar nachvollziehbares Motiv konnte nie festgestellt werden

Rechtliches

Festnahmejahr 1983
Urteil 20 Jahre Freiheitsstrafe, Unterbringung im Maßnahmenvollzug / psychiatrischer Verwahrung
Haftform Gefängnis
Bild 1
Dieses Werk wurde von seinem Autor, MoserB auf der deutschen Wikipedia, in die Gemeinfreiheit entlassen. Dies gilt weltweit.


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Günter Lorenz – Der Dreifachmörder von Wien
Im Februar 1983 erschütterte ein Verbrechen Österreich bis ins Mark. Drei Menschen starben. Einer von ihnen wurde nach seinem Tod selbst zum Hauptverdächtigen gemacht. Der Täter war Günter Lorenz, ein damals 18-jähriger Österreicher aus Wels, der später als einer der berüchtigtsten Mörder der österreichischen Kriminalgeschichte gelten sollte. Was diesen Fall bis heute so verstörend macht, ist nicht nur die extreme Brutalität, sondern vor allem das fast vollständige Fehlen eines nachvollziehbaren Motivs. Diese True-Crime-Geschichte über Günter Lorenz, den „Dreifachmörder von Wien”, basiert ausschließlich auf belegbaren Fakten. Wo Ermittler oder Psychologen Schlussfolgerungen zogen, wird dies klar kenntlich gemacht.

Als Günter Lorenz Anfang der 1980er Jahre durch Wien ging, sah man in ihm kaum einen künftigen Mehrfachmörder. Er war jung, äußerlich unscheinbar und wirkte auf viele fast harmlos. Später bezeichneten Medien ihn als den „Killer mit dem Milchgesicht“ – ein Spitzname, der den Kontrast zwischen seinem jugendlichen Aussehen und seinen grausamen Taten beschrieb. Doch hinter der Fassade verbarg sich offenbar ein tief gestörter Geist. Bereits damals beschrieben Menschen aus seinem Umfeld ihn als emotional distanziert, schwer einschätzbar, kontrolliert und sozial auffällig. Später sollten psychiatrische Gutachten schwere Persönlichkeitsstörungen feststellen.

Das erste Opfer war Peter Daubinger, ein Jugendlicher im Alter von 16 bis 17 Jahren – je nach Quelle. Er war ein Cousin oder enger Bekannter von Lorenz. Am 9. Februar 1983 lockte Günter Lorenz ihn an ein abgelegenes Gelände nahe der Reichsbrücke in Wien. Dort erschoss er Peter mit drei Schüssen. Es handelte sich weder um einen spontanen Streit noch um ein Affektdelikt. Alles deutet auf ein kontrolliertes Vorgehen hin. Nachdem Peter tot war, schleifte Lorenz die Leiche in den Schnee und vergrub sie auf der Donauinsel beziehungsweise am Entlastungsgerinne. Damit hatte er seinen ersten Mord begangen. Doch das Grauen sollte noch weitergehen.

In den Tagen nach der Tat kehrte Lorenz zur Leiche zurück. Was dann geschah, gehört zu den verstörendsten Details des Falls. Er grub Peters Leiche wieder aus. Dann enthauptete er den Toten. Der Zweck war offenbar nicht allein Sadismus. Ermittler kamen später zu dem Schluss, dass Lorenz die spätere Identifizierung dadurch erschweren wollte. Vor allem aber verfolgte er einen perfiden Plan. Peter Daubinger sollte als Täter weiterer Morde erscheinen. Ein toter Junge sollte zum Sündenbock werden.

Sechs Tage später eskalierte die Gewalt schließlich. Tatort war eine Wohnung in der Ungargasse 12 im Wiener Bezirk Landstraße. Dort lebten Ursula Eckert (18), Lorenz’ Ex-Freundin, und Sieglinde Eckert (42/43), Ursulas Mutter. Lorenz betrat die Wohnung bewaffnet. Es handelte sich um einen umgebauten Karabiner 98k, ursprünglich ein deutsches Militärgewehr aus dem Zweiten Weltkrieg. Doch das allein war nicht erschreckend genug. Lorenz hatte den Schaft gekürzt, eine improvisierte Schalldämmung angebracht und Explosivmunition bzw. Sprenggeschosse geladen. Diese Munition war so zerstörerisch, dass sie schwere Gewebeschäden verursachte. Dann schoss er beiden Frauen in den Kopf. Die Einschläge waren so verheerend, dass die Körper zunächst kaum unterscheidbar waren, wie Gerichtsmediziner später berichteten. Es war ein Massaker.

Nach den Morden präsentierte Lorenz den Ermittlern eine Geschichte. Demnach habe Peter Daubinger Ursula und Sieglinde getötet und sei dann geflohen. Peter habe Geld und die Tatwaffe mitgenommen. Zunächst glaubte die Polizei ihm. Die Folgen waren dramatisch. Österreichische Medien veröffentlichten Peters Bild. Zeitungen bezeichneten ihn als Mörder, Doppelmörder und Killer. Die Öffentlichkeit jagte einen Täter, der bereits tot im Schnee lag. Dieser Teil des Falls gilt bis heute als eines der gravierendsten Beispiele für mediale Vorverurteilung in Österreich.

Doch Lorenz beging Fehler. Die Ermittler bemerkten Widersprüche in seinen Aussagen, unstimmige Zeitangaben, verdächtiges Verhalten sowie den Besitz persönlicher Gegenstände der Opfer. Je länger die Verhöre dauerten, desto instabiler wurde seine Geschichte. Sein Alibi zerfiel. Schließlich brach er zusammen. Günter Lorenz gestand. Nicht nur den Doppelmord, sondern auch den Mord an Peter. Danach führte er die Ermittler zu der Leiche. Damit wurde klar. Der angebliche Täter war in Wahrheit das erste Opfer.

Die zentrale Frage bleibt bis heute unbeantwortet. Warum hat Günter Lorenz getötet? Ein klares Motiv konnte nie nachgewiesen werden. Es gab kein klassisches Raubmotiv, keinen finanziellen Nutzen, keinen akuten Streit als Auslöser und auch keinen eindeutigen Rachegrund. Lorenz selbst gab sinngemäß an, er habe die Opfer nicht gemocht und geglaubt, sie würden gegen ihn arbeiten. Ermittler interpretierten sein Handeln später als eine mögliche Mischung aus Kontrollbedürfnis, Machtfantasien, Paranoia und Lust am perfekten Verbrechen. All dies sind psychologische Deutungen, keine bewiesenen Tatsachen. Gerade das macht den Fall so unheimlich. Es scheint, als habe Lorenz nicht aus Not, Wut oder Habgier getötet. Sondern möglicherweise, weil er töten wollte.

Noch verstörender als die Taten selbst war Lorenz’ Verhalten danach. Zeugen, Ermittler und Gutachter beschrieben ihn als ruhig, kalt, kontrolliert und nahezu emotionslos. Reue? Kaum erkennbar. Eines der bekanntesten ihm zugeschriebenen Zitate lautet: „Was soll mir schon leidtun, wenn ich drei Leute umgebracht habe?“ Kurz vor seinem Geständnis soll er sich lächelnd für banale Dinge interessiert haben. Kann man im Gefängnis studieren? Gibt es dort Bücher? Kann man Sport treiben? Für die Ermittler wirkte dieses Verhalten erschreckend. Es wirkte, als existiere keine emotionale Verbindung zwischen Tat und Gewissen.

Im Verlauf des Verfahrens wurde Lorenz umfassend psychiatrisch untersucht. Dabei wurden unter anderem schwere Persönlichkeitsstörungen, eine emotionale Dysfunktion sowie psychische Auffälligkeiten festgestellt. Spätere Gutachten erwähnten zudem Hinweise auf paranoide Symptome, mögliche schizophrene Anteile sowie das Hören von Stimmen und Verfolgungsideen. Trotzdem galt er im Jahr 1984 als zurechnungsfähig. Das bedeutet, dass er das Unrecht seiner Taten verstand.

Im März 1984 musste sich Günter Lorenz in Wien vor Gericht verantworten. Aufgrund seines Alters war der Prozess juristisch besonders. Lorenz war zur Tatzeit erst 18 Jahre alt. Am 14./15. März 1984 wurde er zu 20 Jahren Freiheitsstrafe plus Unterbringung im Maßnahmenvollzug verurteilt. Viele wunderten sich über die scheinbar niedrige Strafe. Grund dafür war das österreichische Jugendstrafrecht. Sein Auftreten vor Gericht schockierte erneut. Er wirkte arrogant, spöttisch und überheblich. Ein berüchtigter Satz aus dem Verfahren war: „Mein Verteidiger ist psychotisch.“ Dieser Ausspruch wurde in Österreich jahrelang zitiert.

Lorenz hätte nach 20 Jahren eigentlich frei sein können. Doch dazu kam es nicht. Psychiatrische Gutachten stuften ihn wiederholt als gefährlich ein. Deshalb blieb er im Maßnahmenvollzug. Jahr für Jahr. Jahrzehnt für Jahrzehnt. Als ein neues Gutachten zu einem negativen Ergebnis kam und seine Entlassung erneut scheiterte, eskalierte die Situation. Lorenz schrie, randalierte, bedrohte eine Psychologin und zerstörte Mobiliar. Laut Berichten brauchte es sieben Justizbeamte, um ihn zu überwältigen. Danach wurde er in die Hochsicherheitsabteilung der Justizanstalt Stein verlegt. Dieses Ereignis verstärkte die Zweifel an seiner Entlassungsfähigkeit.

Im Jahr 2017 zog Lorenz vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Er argumentierte, dass Österreich seine fortgesetzte Unterbringung rechtswidrig prüfe. Später stellte der Gerichtshof Verfahrensmängel nach Artikel 5 EMRK fest. Das bedeutete jedoch nicht, dass Lorenz ungefährlich war. Es bedeutete lediglich, dass die rechtliche Prüfung seiner Unterbringung nicht in allen Punkten korrekt abgelaufen war.

Günter Lorenz wurde im Oktober 2022 bedingt entlassen. Dies wurde 2023 öffentlich bekannt.
Seine Auflagen umfassten eine engmaschige Betreuung, Psychotherapie, psychiatrische Kontrollen, die Einnahme von Medikamenten und ein Alkohol- und Drogenverbot. Nach rund 39 Jahren im Gefängnis war der Dreifachmörder wieder auf freiem Fuß.

Aus vier Gründen gilt der Fall als einer der schlimmsten der österreichischen Kriminalgeschichte. Erstens die extreme Brutalität (Kopfschüsse, Sprengmunition, Enthauptung, massive Zerstörung der Körper). 2. Es gibt kein klares Motiv (die Morde wirken bis heute beinahe sinnlos). 3. Der tote Sündenbock: Ein Mordopfer wurde posthum als Täter diffamiert. 4. Der Täter selbst: Günter Lorenz blieb für viele Ermittler ein Rätsel. War er paranoid, sadistisch, psychotisch oder emotionslos? Oder alles zugleich?

Selbst Jahrzehnte später sind zentrale Fragen noch immer unbeantwortet. Was war sein wahres Motiv? Waren alle drei Morde lange geplant? Wie stark war seine psychische Erkrankung ausgeprägt? Empfand er jemals echte Reue? Vielleicht wird niemand diese Fragen je endgültig beantworten können. Sicher ist nur, dass Günter Lorenz im Februar 1983 Wien in den Schauplatz eines Albtraums verwandelte – eines Verbrechens, dessen Kälte und Grausamkeit Österreich bis heute nicht vergessen hat.


Weitere dokumentierte Hinweise

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Dieses Profil stellt keine klinische Diagnose dar und ersetzt kein psychiatrisches Gutachten. Es handelt sich um eine forensisch-psychologische Verhaltensanalyse im Stil des FBI/Behavioral Analysis Program, die auf belegbaren Tatfakten, dokumentierten Aussagen, Gerichtsunterlagen und öffentlich bekannten Gutachten basiert. Wo Schlussfolgerungen gezogen werden, sind diese als Analyse/Ableitung gekennzeichnet.

Executive Summary
Anhand der bekannten Fakten zeichnet Günter Lorenz ein Täterprofil, das in der forensischen Psychologie als ungewöhnlich gilt, da mehrere Hochrisikomerkmale gleichzeitig auftreten. Dazu gehören instrumentelle Gewalt, außergewöhnliche emotionale Kälte, hohe Planungsfähigkeit, Manipulationsverhalten, fehlende erkennbare Reue, mögliche paranoide Denkstrukturen, potenziell sadistische Elemente und stark gestörte Affektregulation. Im FBI-Kontext würde Lorenz sehr wahrscheinlich als organisierter, kontrollierter Mehrfachtäter eingeordnet werden, dessen Gewalt nicht primär impulsiv, sondern zielgerichtet und kognitiv gesteuert war.

Das vermutlich auffälligste Merkmal:
Die Taten wirken nicht wie emotionale Eskalationen, sondern wie Handlungen eines Täters, der Menschen wie Objekte in einem inneren Plan benutzt.

Organisiert vs. desorganisiert
Das klassische FBI-Modell unterscheidet zwischen organisierten, desorganisierten Tätern und Mischformen. Lorenz war eindeutig organisiert. Dafür spricht seine Tatvorbereitung. Er beschaffte eine Waffe, modifizierte sie, nutzte Spezialmunition und eine improvisierte Schalldämpfung. Dies zeugt von Vorausplanung, technischer Kompetenz und zielorientiertem Denken. Ein impulsiver Täter hätte sich kaum die Mühe gemacht, Explosivmunition vorzubereiten, eine Schalldämpfung zu bauen und ein Ablenkungsszenario zu konstruieren.

Tatortkontrolle
Bei allen drei Morden hatte Lorenz die Situation unter Kontrolle. Merkmale:
- Überraschungsmoment genutzt
- Schüsse auf den Kopf
- Schnelle Ausschaltung der Opfer
- Kaum Raum für Gegenwehr Dies spricht im Behavioral-Profil für einen Täter mit starkem Bedürfnis nach Dominanz, Kontrolle und Überlegenheit.

Nachbereitung der Tat
Besonders wichtig. Nach dem ersten Mord kehrte Lorenz zurück. Er exhumierte die Leiche, enthauptete sie und nutzte den Kopf, um die Ermittler in die Irre zu führen. Dies zeugt von extremer Emotionskontrolle, Distanzierung und kognitiver Planung. Viele Täter brechen psychisch nach dem ersten Mord ein. Lorenz jedoch nicht. Er wurde strategischer.

Gewaltmotiv: Affekt oder Instrument?
Dies ist kein typisches Affektdelikt. Affekttäter zeigen oft chaotische Gewalt, Kontrollverlust und emotionale Eskalation. All diese Marker fehlen bei Lorenz. Seine Gewalt wirkt präzise, kalkuliert und funktional. Das deutet auf instrumentelle Aggression hin.

Instrumentelle Gewalt
In der forensischen Psychologie bedeutet dies, dass Gewalt einem psychologischen Zweck dient. Es geht nicht um Wutentladung, sondern darum, Kontrolle herzustellen, Macht zu erleben, Hindernisse zu beseitigen und innere Fantasien zu realisieren. Lorenz tötete nicht „zu viel“. Er tötete genau die Personen, die in seinem inneren Modell offenbar relevant waren. Das ist hochsignifikant.

Das verstörendste Merkmal: Der tote Sündenbock
Einer der wichtigsten Punkte im Profil ist Peters Rolle. Lorenz tötete Peter zuerst. Anschließend machte er ihn zum Täter. Das ist psychologisch außergewöhnlich. Denn es werden mehrere Ebenen der Täterkognition gleichzeitig sichtbar.

Ebene 1:
Manipulative Intelligenz. Lorenz verstand, wie die Polizei denkt, wie die Medien reagieren und wie Verdächtigungen funktionieren. Er nutzte diese Mechanismen aktiv. Das zeugt von einer hohen sozialen Beobachtungsgabe, manipulatorischer Kompetenz und strategischer Lügenfähigkeit.

Ebene 2:
Objektifizierung. Für Lorenz war Peter nicht mehr Mensch. Er wurde zu einem Werkzeug. Das ist im psychologischen Sinne hochgradig relevant. Viele schwere Gewalttäter zeigen einen Verlust empathischer Objektkonstanz. Andere Menschen existieren für sie nur in Bezug auf sich selbst. Als Helfer, Gegner oder Werkzeuge. Genau so behandelte Lorenz Peter.

Ebene 3:
Moralische Entkopplung. Um so zu handeln, muss der Täter über massive innere Rechtfertigungsmechanismen verfügen. Typische Mechanismen sind die Externalisierung von Schuld, die Entwertung von Opfern und die Verschiebung von Verantwortung. Lorenz’ Verhalten deutet stark darauf hin.

Emotionale Kälte
Dies ist einer der stärksten Marker. Laut Zeugenaussagen zeigte Lorenz nach den Taten kaum Angst, Schuld oder Reue und war auch nicht affektiv erschüttert. Stattdessen fragte er nach einem Studium, Büchern und Sportmöglichkeiten im Gefängnis. Dafür gibt es psychologisch mehrere Hypothesen.

Hypothese A:
Psychopathische Merkmale. Mögliche Anzeichen sind eine oberflächliche Ruhe, fehlende Empathie, instrumentelles Lügen und ein geringes Schuldempfinden. Das passt teilweise. Für eine klassische Psychopathie fehlen jedoch klare Hinweise auf Charme, soziales Dominanzspiel oder eine chronische Betrugskarriere. Daher sind psychopathische Züge möglich, aber nicht sicher belegbar.

Hypothese B:
Schizoide/affektive Abspaltung. Eine zweite Möglichkeit. Lorenz erlebte Gefühle intern stark reduziert oder abgespalten. Menschen mit schwerer affektiver Abspaltung wirken oft kalt, flach und emotional leer. Dies könnte sein Verhalten erklären.

Paranoide Kognition
Spätere Gutachten erwähnten Stimmenhören, paranoide Ideen und Verfolgungsgefühle. Das ist extrem wichtig. Denn paranoide Täter handeln oft nach einem bestimmten Weltmodell: „Andere bedrohen mich, manipulieren mich oder sprechen über mich.“ Selbst neutrale Situationen werden dann als Angriff, Verrat oder Demütigung interpretiert. Lorenz gab an, die Opfer hätten gegen ihn gearbeitet. Das passt auffällig gut zu paranoider Kognition.

Bedeutet das eine Psychose? Nicht zwingend. Paranoide Muster können bei Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, im schizophrenen Spektrum oder bei schweren Traumafolgen auftreten. Belegbar ist nur, dass seine Bedrohungswahrnehmung offenbar verzerrt war.

Sadistische Komponenten?
Hier ist Vorsicht geboten. Sadismus bedeutet nicht automatisch Freude an Blut. Forensischer Sadismus umfasst häufig die Ausübung von Macht durch Leid, Kontrolle über Leben und Tod sowie psychische Dominanz. Ein Beispiel dafür ist die Enthauptung. Postmortale Enthauptung ist psychologisch hoch relevant. Sie kann für totale Dominanz, symbolische Auslöschung und Entmenschlichung stehen. Eine extreme Munitionswahl. Explosivmunition verursacht massive Zerstörung. Das allein beweist jedoch keinen Sadismus. In Kombination mit allem anderen fällt sie jedoch auf. Sadistische Elemente sind möglich, aber nicht beweisbar. Belegbarer ist, dass Lorenz ein starkes Bedürfnis nach absoluter Kontrolle zeigte.

Narzisstische Merkmale
Sein Prozessverhalten war auffällig. Es wurde von Arroganz, Spott und Überheblichkeit berichtet. Ein berühmtes Beispiel war die Aussage: „Mein Verteidiger ist psychotisch.“ Dies deutet auf mögliche narzisstische Muster wie Grandiosität, die Abwertung anderer und die Inszenierung intellektueller Überlegenheit hin. Solche Täter empfinden oft: „Niemand versteht mich, aber ich durchschaue alle.“ Lorenz zeigte dieses Muster mehrfach.

Kernantrieb des Täters
Die wichtigste Frage ist: Was befriedigte die Taten psychologisch? Auf Basis der Fakten erscheint es am plausibelsten, dass es nicht um Geld ging. Nicht Sexualität. Nicht spontane Wut. Sondern eine Kombination aus Kontrolle und die vollständige Beherrschung von Menschen. Macht über Leben, Tod und Wahrheit zu haben. Kognitive Überlegenheit durch Täuschung der Polizei und seines Umfelds. Die Eliminierung bedrohlicher Personen. Personen beseitigen, die im inneren Weltbild problematisch waren.

Gefährlichkeitsbewertung
Warum galt Lorenz jahrzehntelang als hochgefährlich? Weil mehrere Hochrisikofaktoren gleichzeitig vorlagen.

Statische Risikofaktoren: Mehrfachmord, extreme Gewalt, fehlendes Motiv und postmortale Manipulation. Diese Faktoren ändern sich nie.

Dynamische Risikofaktoren: paranoides Denken, emotionale Dysregulation, Aggressionsausbrüche und geringe Empathie. Diese können sich verändern, müssen aber therapeutisch kontrolliert werden.


Wenn man Lorenz in moderne forensische Kategorien einordnet, ergibt sich ungefähr folgendes Bild:

Tätertyp
Organisierter, kontrollierter Mehrfachtäter

Primäre Persönlichkeitseigenschaften
emotional kalt
kontrollorientiert
manipulativ
misstrauisch
sozial entfremdet

Wahrscheinliche psychologische Kernprobleme
schwere Persönlichkeitsstörung
paranoide Kognitionen
Affektverflachung
reduzierte Empathie

Gewaltfunktion
Nicht impulsiv.
Nicht chaotisch.
Sondern, instrumentell und psychologisch funktional


Günter Lorenz gehört zu der seltenen Tätergruppe, die die Ermittler besonders beunruhigt. Nicht wegen unkontrollierter Raserei. Sondern wegen etwas deutlich Gefährlicherem. Kalter, überlegter Gewalt ohne klar sichtbares Motiv. Der vielleicht beunruhigendste Aspekt seines Profils ist, dass er nicht nur Menschen tötete. Anschließend kontrollierte er auch die Realität anderer: der Polizei, der Medien und der Öffentlichkeit. Er bestimmte sogar zeitweise, wer als Täter galt. Das ist die Signatur eines Täters, dessen stärkstes psychologisches Bedürfnis offenbar nicht allein die Zerstörung war. Sondern absolute Kontrolle über Menschen, Wahrheit und Wahrnehmung.

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