SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1986
Bis 1989
Bestätigte Opfer 5
Opfergruppen Frauen, Männer

Modus Operandi & Motive

Hauptmotive (Wahrscheinlich) Macht und Kontrolle

Rechtliches

Festnahmejahr 1989
Urteil Mehrere lebenslange Freiheitsstrafen
Haftform Gefängnis
Bild 1
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Allan Legere – Das Monster von Miramichi
Die Bewohner der kanadischen Provinz New Brunswick glaubten im Frühjahr 1989, dass Allan Joseph Legere für immer hinter Gittern sitzen würde. Der Mann, der bereits wegen eines brutalen Raubüberfalls, einer Vergewaltigung und eines Mordes verurteilt worden war, saß eine lebenslange Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis ab. Doch niemand konnte ahnen, dass seine Flucht eine monatelange Terrorserie auslösen würde, die eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzte und ihn als „Monster of the Miramichi“ in die kanadische Kriminalgeschichte eingehen lassen würde.

Die Geschichte hatte jedoch schon Jahre zuvor begonnen. Am 21. Juni 1986 drangen Legere und seine Komplizen in das Haus des älteren Ehepaars John und Mary Glendenning in Black River Bridge ein. Was als Raubüberfall begann, entwickelte sich zu einem beispiellosen Gewaltexzess. John Glendenning wurde so schwer misshandelt, dass er an seinen Verletzungen starb. Seine Ehefrau Mary wurde brutal geschlagen und sexuell missbraucht, überlebte jedoch schwer traumatisiert. Die Ermittlungen führten schließlich zu Legere, der für seine Beteiligung an dem Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Doch die Gefängnismauern konnten ihn nicht lange festhalten. Am 3. Mai 1989 wurde Legere wegen einer Ohrenentzündung aus der Atlantic Institution in ein Krankenhaus in Moncton gebracht. Dort nutzte er eine sich bietende Gelegenheit. Mit einem versteckten Metallstück befreite er sich von seinen Fesseln, überwältigte seine Bewacher und verschwand. Innerhalb weniger Stunden war einer der gefährlichsten Straftäter Kanadas wieder auf freiem Fuß.

Es folgte eine der größten Fahndungen in der Geschichte der Provinz. Während die Polizei fieberhaft nach dem Flüchtigen suchte, bewegte sich Legere unbemerkt durch die Region Miramichi. Die Menschen ahnten nicht, dass ihr wahrer Albtraum erst beginnen würde.

Nur wenige Wochen nach seiner Flucht schlug er erneut zu. Am 28. Mai 1989 drang er in das Haus der Schwestern Annie und Nina Flam ein. Die Tat war von einer solchen Brutalität geprägt, dass sie selbst erfahrene Ermittler erschütterte. Annie Flam wurde grausam ermordet. Ihre Schwester Nina überlebte nur knapp. Sie wurde gefesselt, misshandelt, vergewaltigt und beinahe erwürgt. Anschließend legte der Täter am Tatort Feuer, offenbar um Spuren zu vernichten. Nina Flam wurde später eine der wichtigsten Zeuginnen gegen Legere.

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Bewohner von Miramichi begannen, ihre Türen zu verriegeln, ihre Fenster zu sichern und nachts das Licht brennen zu lassen. Viele kauften Waffen zur Selbstverteidigung. Die Angst war allgegenwärtig. Niemand wusste, wo sich Legere aufhielt oder wann er wieder zuschlagen würde.

Monate vergingen, ohne dass die Polizei den Flüchtigen fassen konnte. Dann eskalierte die Gewalt erneut. Am 13. Oktober 1989 wurden die Schwestern Donna und Linda Daughney in ihrem Haus angegriffen. Beide Frauen starben einen gewaltsamen Tod. Die Tatorte wiesen ein erschreckendes Muster auf: extreme Gewalt, Würgeversuche, Messerattacken und anschließend gelegte Brände. Die Ermittler waren überzeugt, dass Legere erneut zugeschlagen hatte.

Die Bevölkerung geriet zunehmend in Panik. Nachbarschaftswachen patrouillierten durch die Straßen. Eltern ließen ihre Kinder nicht mehr allein das Haus verlassen. Jede unbekannte Person wurde misstrauisch beobachtet. Die Medien berichteten beinahe täglich über die Jagd auf den flüchtigen Mörder. Doch Legere war noch nicht fertig.

Am 15. November 1989 drang er in das Pfarrhaus von Pfarrer James Smith in Chatham Head ein. Der beliebte katholische Priester wurde brutal ermordet. Die Nachricht schockierte ganz Kanada. Wenn nicht einmal ein Geistlicher in seinem eigenen Pfarrhaus sicher war, schien niemand mehr geschützt zu sein. Der Mord markierte einen weiteren Höhepunkt des Terrors, der die Region seit Monaten lähmte.

Währenddessen intensivierten die Behörden ihre Bemühungen. Hunderte Beamte der Royal Canadian Mounted Police sowie örtliche Polizeikräfte und Spezialisten arbeiteten rund um die Uhr an dem Fall. Es wurden Straßenkontrollen eingerichtet und Suchtrupps durchkämmten Wälder und abgelegene Gebiete. Es gingen Tausende Hinweise ein.

Die monatelange Jagd endete schließlich am 24. November 1989. In der Nähe von Nelson-Miramichi wurde Allan Legere von Polizeikräften gestellt und festgenommen. Die Erleichterung in der Bevölkerung war enorm. Die Menschen, die monatelang in Angst gelebt hatten, konnten nun erstmals wieder aufatmen.

Doch die juristische Aufarbeitung sollte noch Geschichte schreiben. Während des anschließenden Prozesses kam eine damals noch relativ neue Technik zum Einsatz: die DNA-Analyse. Die wissenschaftlichen Beweise verknüpften Legere eindeutig mit mehreren Tatorten. Der Fall wurde zu einem Meilenstein der kanadischen Kriminalgeschichte und gilt als einer der ersten bedeutenden Prozesse des Landes, in dem DNA-Beweise eine entscheidende Rolle bei der Verurteilung eines Serienmörders spielten.

Allan Legere wurde 1991 wegen der vier während seiner Flucht begangenen Morde schuldig gesprochen. Zusammen mit seiner früheren Verurteilung für den Mord an John Glendenning war er somit für insgesamt fünf nachweislich belegte Tötungsdelikte verantwortlich. Er erhielt mehrere lebenslange Freiheitsstrafen und verbrachte den Rest seines Lebens in Kanadas strengsten Haftanstalten.

Jahrzehntelang war sein Name in New Brunswick ein Synonym für Angst und Gewalt. Für die Menschen von Miramichi war Allan Legère nicht einfach nur ein Mörder. Er war der Mann, der eine ganze Region in einen Zustand permanenter Furcht versetzte und dessen Taten bis heute zu den berüchtigtsten Verbrechen der kanadischen Geschichte zählen.

Allan Legere starb am 9. März 2026 im Alter von 78 Jahren in einem Gefängnis in Alberta. Seine Opfer jedoch bleiben unvergessen. Die Erinnerung an die Ereignisse von 1989 ist bis heute präsent – als düsteres Kapitel der kanadischen Kriminalgeschichte und als Mahnung, welche Spuren ein einzelner Täter in einer ganzen Gesellschaft hinterlassen kann.


Weitere dokumentierte Hinweise

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Allan Legere - Opferchronologie

1. John Glendenning – Der Beginn der Gewalt
21. Juni 1986 – Black River Bridge, New Brunswick
Die Geschichte der bekannten Opfer von Allan Legere begann nicht erst während seiner späteren Flucht, sondern bereits drei Jahre zuvor. Am Abend des 21. Juni 1986 drangen er und zwei Komplizen in das abgelegene Haus des älteren Ehepaars John und Mary Glendenning ein. Was als Raubüberfall begann, entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einem brutalen Gewaltverbrechen. Der damals 68-jährige John Glendenning wurde von den Eindringlingen schwer misshandelt. Die Täter schlugen ihn wiederholt und fügten ihm schwere Verletzungen zu. Seine Ehefrau Mary musste die Gewalt mitansehen und wurde selbst Opfer schwerer Misshandlungen und eines sexuellen Übergriffs. Für John Glendenning endete die Nacht tödlich. Er erlag den schweren Verletzungen, die ihm während des Überfalls zugefügt worden waren. Mary Glendenning überlebte schwer traumatisiert und wurde später eine wichtige Zeugin gegen die Täter. Legere wurde für seine Beteiligung an dem Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch die Geschichte war noch lange nicht vorbei.

2. Annie Flam – Das erste Mordopfer nach der Flucht
28. Mai 1989 – Newcastle, New Brunswick
Knapp drei Wochen nach seiner spektakulären Flucht aus dem Krankenhaus von Moncton suchte Allan Legère erneut nach Opfern. Dieses Mal hatte er das Haus der Schwestern Annie und Nina Flam ins Visier genommen. Die beiden Frauen lebten gemeinsam und ahnten nicht, dass sich einer der meistgesuchten Männer Kanadas in ihrer Nähe befand. In der Nacht drang Legere in das Haus ein. Annie Flam wurde von dem Angreifer brutal attackiert. Die Gewalt war außergewöhnlich. Sie erlitt schwerste Verletzungen und starb noch am Tatort. Die Ermittler stellten später fest, dass ihr Kiefer bei den Angriffen gebrochen worden war. Doch die Tat war noch nicht beendet. Nachdem er Annie getötet hatte, wandte sich Legere ihrer Schwester Nina zu. Er fesselte sie, misshandelte sie und vergewaltigte sie. Anschließend versuchte er, auch sie zu töten. Nina überlebte jedoch wie durch ein Wunder. Bevor Legere das Haus verließ, legte er Feuer, offenbar um Spuren zu vernichten. Trotz ihrer schweren Verletzungen gelang es Nina Flam, Hilfe zu erhalten. Ihre Aussagen wurden später zu einem wichtigen Baustein der Ermittlungen. Mit dem Mord an Annie Flam begann offiziell die Terrorserie, die New Brunswick monatelang lähmen sollte.

3. Donna Daughney – Die Angst kehrt zurück
13. Oktober 1989 – Newcastle, New Brunswick
Nach dem Mord an Annie Flam vergingen mehrere Monate, in denen es zu keinen weiteren bekannten Tötungsdelikten kam. Viele hofften, Legere habe die Region verlassen. Doch diese Hoffnung zerplatzte am 13. Oktober 1989, als Legere in das Haus der Schwestern Donna und Linda Daughney eindrang. Was sich dort abspielte, gehört zu den brutalsten Verbrechen der gesamten Mordserie. Donna Daughney wurde Opfer eines gewaltsamen Angriffs. Die Ermittler fanden Hinweise auf massive körperliche Gewalt, Messerverletzungen und Würgeversuche. Die Tat wies dieselben Merkmale wie frühere Angriffe Legeres auf: extreme Brutalität und völlige Rücksichtslosigkeit. Donna überlebte den Angriff nicht. Als die Polizei den Tatort später untersuchte, wurde deutlich, dass sich dort ein regelrechter Gewaltexzess abgespielt hatte.

4. Linda Daughney – Ein Doppelmord erschüttert die Region
13. Oktober 1989 – Newcastle, New Brunswick
Im selben Haus wurde auch Donna Daughneys Schwester Linda Opfer des Angreifers. Die Schwestern hatten keine Chance gegen den bewaffneten Täter. Linda wurde ebenfalls brutal misshandelt und getötet. Die Ermittler fanden zahlreiche Spuren schwerer Gewaltanwendung. Anschließend legte Legere Feuer im Haus. Als diese Nachricht bekannt wurde, erreichte die Angst in der Miramichi-Region einen neuen Höhepunkt. Viele Bewohner begannen, sich nachts zu bewaffnen. Es wurden Nachbarschaftswachen gegründet. Niemand fühlte sich mehr sicher. Der Doppelmord machte deutlich, dass Legere weiterhin in der Region aktiv war und jederzeit erneut zuschlagen könnte.

5. Father James Smith – Das letzte bekannte Mordopfer
15. November 1989 – Chatham Head, New Brunswick
Einen Monat nach den Daughney-Morden traf die Gewalt einen Mann, der in der Gemeinde hohes Ansehen genoss. Pater James Smith war katholischer Priester und bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Region beliebt. Sein Pfarrhaus galt als Ort der Sicherheit und des Vertrauens. Doch auch dort erschien Allan Legere. Am 15. November 1989 drang er in das Pfarrhaus ein. Father Smith wurde Opfer eines besonders brutalen Angriffs. Die Ermittlungen ergaben, dass der Geistliche massiv misshandelt worden war. Sein Tod löste weit über New Brunswick hinaus Entsetzen aus. Die Ermordung des Priesters zeigte, dass Legere wahllos vorging und keinerlei Mitgefühl für seine Opfer besaß. Für viele Bewohner war dies der Moment, in dem die Angst ihren Höhepunkt erreichte.

Die Überlebenden
Mary Glendenning
Mary Glendenning überlebte den Überfall im Jahr 1986, bei dem ihr Ehemann John getötet wurde. Sie erlitt dabei schwere körperliche und psychische Traumata. Ihre Aussagen waren später entscheidend für die Verurteilung der Täter.

Nina Flam
Nina Flam wurde während des Angriffs am 28. Mai 1989 gefesselt, schwer misshandelt, vergewaltigt und beinahe getötet. Trotz ihrer schweren Verletzungen überlebte sie. Ihre Aussage war von großer Bedeutung für die Ermittlungen gegen Legere.


Nach aktuellem Stand der belegbaren Fakten werden Allan Legere fünf bestätigte Tötungsdelikte zugeschrieben. Die Mordserie von 1989 machte ihn zum berüchtigten „Monster of the Miramichi“ und führte zu einer der größten Fahndungen in der Geschichte Kanadas. Seine Verurteilung war zudem ein Meilenstein für die Forensik, da DNA-Beweise eine zentrale Rolle bei seiner Überführung spielten.

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Täterprofil mit psychologischer Tiefenanalyse
Dieses Profil basiert ausschließlich auf dokumentierten Taten, Gerichtsakten, bekannten Verhaltensmustern, Zeugenaussagen, kriminalistischen Erkenntnissen sowie öffentlich belegbaren Fakten. Wo keine offiziellen psychiatrischen Gutachten vorliegen, werden keine Diagnosen gestellt. Die Analyse beschreibt beobachtbares Verhalten und kriminalpsychologische Merkmale, jedoch keine gesicherten medizinischen Diagnosen.

Täterübersicht
Allan Joseph Legere gehört zu der seltenen Gruppe von Gewaltverbrechern, deren Gefährlichkeit nicht allein aus der Anzahl ihrer Opfer resultiert, sondern aus der außergewöhnlichen Brutalität, Unberechenbarkeit und Hartnäckigkeit ihres kriminellen Verhaltens. Die ihm zur Last gelegten Verbrechen zeigen einen Täter, der wiederholt extreme Gewalt gegen körperlich unterlegene Opfer einsetzte, dabei nur geringe Hemmungen erkennen ließ und selbst nach einer lebenslangen Haftstrafe nicht von weiteren Gewalttaten abgeschreckt wurde. Seine Taten reichen von einem tödlichen Raubüberfall im Jahr 1986 bis zu einer Mordserie während seiner Flucht im Jahr 1989 und weisen mehrere gemeinsame Merkmale auf: massive körperliche Gewalt, Kontrollverhalten gegenüber den Opfern, sexuelle Gewalt in einzelnen Fällen sowie Versuche, Tatorte durch Brandstiftung zu zerstören.

Persönlichkeitsmerkmale anhand des Tatverhaltens
Eines der auffälligsten Merkmale von Legeres Gewalt ist ihre Intensität. Bei mehreren Taten überschritt er das zur Tötung erforderliche Maß an Gewalt. Die Opfer wurden häufig schwer misshandelt, bevor sie starben. Ermittler beschrieben wiederholt erhebliche Gewalteinwirkungen auf die Körper der Opfer. Kriminalpsychologisch wird ein solches Verhalten häufig als Hinweis darauf gewertet, dass die Gewalt selbst eine zentrale Rolle innerhalb der Tat spielt und nicht lediglich ein Mittel zum Zweck darstellt. Bei Legere scheint die Kontrolle über das Opfer ebenso wichtig gewesen zu sein wie die Tötung selbst.

Dominanz- und Kontrollbedürfnis
Ein wiederkehrendes Muster in Legeres Verbrechen ist die vollständige Unterwerfung seiner Opfer. Mehrere Opfer wurden gefesselt, festgehalten, misshandelt, terrorisiert und über einen längeren Zeitraum hinweg kontrolliert. Besonders deutlich wird dies am Beispiel von Nina Flam, die den Überfall überlebte. Die Tat zeigt ein Verhalten, bei dem der Täter nicht ausschließlich auf die Tötung ausgerichtet war, sondern auf die vollständige physische und psychische Beherrschung des Opfers. Aus kriminalpsychologischer Sicht ist dies ein klassisches Merkmal eines kontrollorientierten Gewalttäters.

Mangel an Empathie
Bei allen bekannten Verbrechen fehlt jeglicher Hinweis auf Mitgefühl, Reue oder Rücksichtnahme gegenüber den Opfern. Die Opfergruppen waren äußerst unterschiedlich. Dazu zählen ältere Menschen, alleinlebende Frauen, Schwesternpaare und ein katholischer Priester. Zwischen den Opfern bestand kein erkennbarer persönlicher Zusammenhang. Dies spricht gegen eine persönliche Feindschaft und eher für eine Auswahl der Opfer nach Gelegenheit und Verwundbarkeit. Die Fähigkeit, völlig unterschiedliche Menschen ohne emotionale Hemmungen anzugreifen, deutet auf ein sehr niedriges Maß an Empathie hin.

Organisierte und desorganisierte Merkmale
Die organisierten Elemente der Taten zeigen mehrere Merkmale eines organisierten Täters. Dazu gehören eine erfolgreiche Flucht aus bewachter Haft, die Fähigkeit, monatelang einer Großfahndung zu entgehen, die Nutzung gestohlener Fahrzeuge, der Wechsel von Aufenthaltsorten, die Vermeidung unmittelbarer Entdeckung sowie die teilweise Beseitigung von Spuren durch Brandstiftung. Diese Verhaltensweisen deuten auf eine erhebliche Anpassungsfähigkeit und eine ausgeprägte Planungskompetenz hin. Er war keineswegs ein impulsiver Täter, der wahllos handelte. Seine Fähigkeit, fast sieben Monate auf der Flucht zu überleben, zeugt von praktischer Intelligenz und hoher krimineller Flexibilität.

Desorganisierte Elemente: Gleichzeitig weisen die Tatorte Merkmale extremer emotionaler Eskalation auf. Bei mehreren Verbrechen kam es zu übermäßiger Gewalt, chaotischen Tatbildern, massiven Verletzungen und spontanen Gewaltausbrüchen. Dadurch entsteht ein Mischprofil. Legere vereinte die Fähigkeit zur Planung mit einer enormen Gewaltbereitschaft während der eigentlichen Tat. In der modernen Fallanalyse würde man ihn wahrscheinlich als Täter mit sowohl organisierten als auch desorganisierten Merkmalen einstufen.

Sexualisierte Gewalt
Nicht alle bekannten Taten hatten einen sexuellen Hintergrund. Dennoch ist dokumentiert, dass sowohl Mary Glendenning als auch Nina Flam sexuelle Übergriffe durch Legere erlebten. Dies zeigt, dass Sexualität bei bestimmten Taten eine Rolle spielte. Wichtig ist jedoch, dass die bekannten Verbrechen nicht ausschließlich sexualmotiviert erscheinen. Vielmehr wirkt die sexuelle Gewalt eingebettet in ein allgemeines Muster von Dominanz, Macht und Kontrolle. Viele kriminalpsychologische Untersuchungen schwerer Gewalttäter zeigen, dass sexuelle Übergriffe häufig Teil eines umfassenderen Kontrollverhaltens sind. Die belegbaren Fakten bei Legere passen zu diesem Muster.

Verhalten nach der Flucht
Ein besonders aufschlussreicher Aspekt seiner Persönlichkeit zeigte sich nach seiner Flucht im Mai 1989: Legere wusste, dass er lebenslang inhaftiert werden würde, dass landesweit nach ihm gefahndet wurde und seine Chancen, dauerhaft zu entkommen, gering waren. Trotzdem setzte er seine Gewalttaten fort. Für Kriminalpsychologen ist dies ein Hinweis darauf, dass die Taten nicht primär aus rationalen Motiven wie finanzieller Bereicherung begangen wurden. Ein Täter, der trotz maximalen Fahndungsdrucks weiter mordet, handelt häufig aufgrund tief verwurzelter Verhaltensmuster, die sich selbst unter extremem Risiko fortsetzen.

Risikobewertung
Würde man Legere anhand moderner kriminalpsychologischer Gefährlichkeitsbewertungskriterien untersuchen, so würden mehrere Hochrisikofaktoren vorliegen: wiederholte schwere Gewaltstraftaten, darunter Tötungsdelikte über mehrere Jahre, sexuelle Gewalt, Rückfall trotz Inhaftierung, erfolgreiche Flucht aus Haft, fehlende Abschreckbarkeit durch frühere Verurteilungen, unterschiedliche Opfergruppen sowie eine hohe Brutalität. Diese Kombination gehört zu den stärksten bekannten Risikomustern für zukünftige schwere Gewalttaten.


Aus kriminalpsychologischer Sicht zeigt Allan Legere das Profil eines extrem gefährlichen, kontrollorientierten Gewalttäters mit hoher Anpassungsfähigkeit, erheblicher Brutalität und ausgeprägter Rückfallneigung. Seine Verbrechen weisen sowohl planende als auch impulsiv-eskalierende Elemente auf. Die bekannten Taten sprechen für einen Täter, der wiederholt Gewalt, Dominanz und Kontrolle über andere Menschen als Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele einsetzte und selbst unter massivem Fahndungsdruck nicht von weiteren schweren Straftaten abgehalten wurde. Gerade diese Kombination aus strategischer Handlungsfähigkeit, fehlender Abschreckbarkeit und extremer Gewaltbereitschaft machte ihn zu einem der berüchtigtsten Serienmörder der kanadischen Kriminalgeschichte und zum gefürchteten „Monster von Miramichi“.

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