SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1955
Bis 1976
Bestätigte Opfer 8
Vermutete Opfer 14
Aktionsradius NRW, Deutschland
Opfergruppen Kinder, jugendliche Mädchen, junge Frauen

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Sexualmord durch Erdrosseln/Erwürgen, Kannibalismus
Hauptmotive Sexuelle Befriedigung

Rechtliches

Festnahmejahr 1976
Urteil Lebenslange Freiheitsstrafe
Haftform Gefängnis
Bild 1
Zu diesem Täter gibt es leider kein gemeinfreies Foto.


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Joachim Georg Kroll – Der „Ruhrkanibale“
Mehr als zwei Jahrzehnte lang bewegte sich ein unscheinbarer Mann durch das Ruhrgebiet, ohne dass jemand ahnte, welches dunkles Geheimnis er verbarg. Er lebte in einfachen Verhältnissen, arbeitete gelegentlich als Hilfsarbeiter und fiel seinen Nachbarn kaum auf. Doch hinter der Fassade des stillen Einzelgängers verbarg sich einer der berüchtigtsten Serienmörder der deutschen Nachkriegsgeschichte: Joachim Georg Kroll.

In den 1950er- und 1970er-Jahren verschwanden Kinder, junge Frauen und Mädchen. Einige wurden tot aufgefunden, andere Fälle blieben jahrelang ungelöst. Zunächst erkannte niemand einen Zusammenhang. Die Taten lagen räumlich und zeitlich weit auseinander. Erst nach seiner Festnahme offenbarte sich das Ausmaß seiner Verbrechen.

Kroll wurde am 17. April 1933 in Hindenburg in Oberschlesien geboren. Seine Kindheit war geprägt von Armut, Krieg und sozialer Verwahrlosung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde seine Familie vertrieben und ließ sich schließlich im Ruhrgebiet nieder. Spätere psychiatrische Gutachten beschrieben ihn als intelligenzgemindert, sozial unbeholfen und emotional unreif. Bereits in jungen Jahren entwickelte er sexuelle Fantasien, die zunehmend mit Gewalt verbunden waren.

Sein erster nachweisbarer Mord ereignete sich Mitte der 1950er-Jahre. Die Tat folgte einem Muster, das sich in den kommenden Jahrzehnten immer wiederholen sollte: Kroll suchte sich ein Opfer, das sich allein befand, überwältigte es sexuell und tötete es anschließend durch Erdrosseln oder Erwürgen. Die Tötung selbst war den Ermittlungen zufolge häufig Teil seiner sexuellen Erregung.

Im Gegensatz zu vielen anderen Serienmördern plante Kroll seine Taten nicht langfristig. Er führte keine Listen, entwickelte keine komplexen Strategien und hinterließ keine Botschaften. Seine Opfer wählte er meist zufällig aus, sobald sich eine Gelegenheit bot. Gerade diese Unberechenbarkeit erschwerte es den Ermittlern über Jahre hinweg, die Taten aufzuklären.

Im Laufe der Zeit steigerte sich seine Gewalt. Nach mehreren Taten begann er, Leichen zu verstümmeln. Später gestand er, bei einigen Opfern Körperteile entfernt und verzehrt zu haben. Diese Aussagen wurden teilweise durch kriminaltechnische Befunde bestätigt. Sein späterer Medienbeiname „Ruhrkanibale“ geht auf diese nachgewiesenen Handlungen zurück.

Während sich die ungelösten Mordfälle über ganz Nordrhein-Westfalen verteilten, führte Kroll nach außen hin ein unauffälliges Leben. Niemand in seinem Umfeld brachte ihn ernsthaft mit den Verbrechen in Verbindung. Die Ermittlungen verliefen über Jahre hinweg ergebnislos. Das Ende seiner Mordserie kam schließlich nicht durch eine gezielte Fahndung, sondern durch einen außergewöhnlichen Zufall.

Am 3. Juli 1976 lockte Kroll die vierjährige Marion Ketter in seine Wohnung in Duisburg-Laar. Dort missbrauchte und tötete er das Kind. Anschließend begann er, Teile der Leiche zu zerstückeln. Er wollte das Fleisch des Opfers später zubereiten.

Währenddessen bemerkten Nachbarn, dass die Abflussrohre des Hauses verstopft waren. Ein herbeigerufener Installateur untersuchte die Leitungen und stieß dabei auf menschliche Gewebereste. Die Polizei wurde alarmiert. Als die Beamten die Wohnung durchsuchten, fanden sie Hinweise auf das Verbrechen und nahmen Joachim Kroll noch am selben Tag fest.

In den folgenden Vernehmungen geschah etwas, das selbst die erfahrenen Kriminalbeamten erschütterte. Kroll begann, über zahlreiche weitere Taten zu sprechen. Nach und nach gestand er eine lange Reihe von Morden, die teilweise Jahrzehnte zurücklagen. Viele Details konnten mit alten Ermittlungsakten abgeglichen werden. Einige dieser Fälle galten bis dahin als ungelöst.

Nun ergab sich das Bild eines Serienmörders, der über mehr als zwanzig Jahre hinweg immer wieder getötet hatte, ohne entdeckt zu werden.

Im Jahr 1981 begann vor dem Landgericht Duisburg der Prozess gegen Joachim Kroll. Zahlreiche Sachverständige untersuchten seine Persönlichkeit und seinen geistigen Zustand. Obwohl die Gutachter eine deutliche Intelligenzminderung sowie schwere sexuelle Abweichungen feststellten, kamen sie übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass Kroll schuldfähig war. Er habe gewusst, dass seine Taten Unrecht waren, und sei grundsätzlich in der Lage gewesen, sein Verhalten zu kontrollieren.

Joachim Georg Kroll wurde am 8. April 1982 wegen mehrfachen Mordes und weiterer schwerer Straftaten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Neun Jahre später, am 1. Juli 1991, starb Kroll im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg an einem Herzinfarkt.

Bis heute gilt sein Fall als einer der verstörendsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Die Kombination aus Sexualmorden, jahrzehntelanger Unentdecktheit, nachgewiesenem Kannibalismus und der zufälligen Aufdeckung seiner letzten Tat macht ihn zu einer der berüchtigtsten Figuren der deutschen True-Crime-Geschichte.


Weitere dokumentierte Hinweise

1

Die Opferchronologie
Bei nicht allen Taten konnten die Ermittler jedes Detail zweifelsfrei rekonstruieren. Die folgende Chronologie orientiert sich an den Opfern, die Kroll gestanden hat und die von den Ermittlungsbehörden als ganz oder teilweise glaubhaft eingestuft wurden.

1955 – Die erste bekannte Tat
An einem Sommertag des Jahres 1955 verschwand eine junge Frau in Nordrhein-Westfalen spurlos. Damals ahnte niemand, dass dieser Fall den Beginn einer jahrzehntelangen Mordserie markieren würde. Kroll näherte sich seinem Opfer, überwältigte es und tötete es schließlich durch Würgen. Die Ermittlungen führten damals zu keinem Ergebnis.

Ende der 1950er-Jahre
In den folgenden Jahren wiederholte sich dieses Muster. Immer wieder verschwanden Frauen oder wurden tot aufgefunden. Die Fälle wirkten isoliert. Unterschiedliche Tatorte und große zeitliche Abstände verhinderten die Erkenntnis, dass möglicherweise ein Serienmörder aktiv war.

Die 1960er-Jahre
Während das Wirtschaftswunder Deutschland veränderte, setzte Kroll seine Mordserie fort. Besonders Kinder und junge Mädchen gerieten nun in sein Visier. Er suchte gezielt Situationen, in denen seine Opfer allein und schutzlos waren. Bei mehreren Leichen fanden sich Hinweise auf sexuelle Gewalt. In einigen Fällen fanden Ermittler Spuren von Strangulation. Dennoch gelang es nicht, die Taten miteinander zu verbinden.

Anfang der 1970er-Jahre
Mit zunehmendem Alter wurde Kroll nicht weniger gefährlich. Seine Taten wurden brutaler. Laut späteren Geständnissen begann er nun häufiger damit, Leichen zu verstümmeln. Die sexuelle Komponente blieb dabei das zentrale Motiv. Die Polizei arbeitete weiterhin an einzelnen Fällen, ohne den Täter zu identifizieren.

3. Juli 1976 – Das letzte Opfer
An diesem Sommertag begegnete die vierjährige Marion Ketter ihrem späteren Mörder. Kroll lockte das Kind in seine Duisburger Wohnung. Dort missbrauchte und tötete er sie. Anschließend begann er, den Leichnam zu zerstückeln. Doch diesmal sollte ihm das Schicksal nicht mehr helfen. Als Nachbarn sich über verstopfte Rohre beschwerten, fand ein Installateur menschliche Gewebereste im Abwassersystem. Die Polizei wurde alarmiert und durchsuchte die Wohnung. Wenige Stunden später endete die mehr als zwanzig Jahre andauernde Mordserie.

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Das Täterprofil
Joachim Kroll unterscheidet sich in mehreren Punkten von vielen anderen Serienmördern. Während Täter wie Ted Bundy oder John Wayne Gacy oft sozial angepasst wirkten und nach außen Charme oder Autorität ausstrahlten, zeigte Kroll nahezu das Gegenteil. Er war sozial isoliert, intellektuell eingeschränkt und wirkte auf seine Umgebung häufig unbeholfen.

In psychiatrischen Gutachten wurde er als emotional unreif und deutlich unterdurchschnittlich intelligent beschrieben. Dennoch war er nicht psychotisch. Es fanden sich keine Hinweise darauf, dass Halluzinationen oder Wahnvorstellungen seine Taten ausgelöst hätten. Vielmehr entsprangen seine Verbrechen sexuellen Bedürfnissen und Gewaltfantasien, die sich über viele Jahre verfestigt hatten.

Auffällig ist die starke Verbindung zwischen sexueller Erregung und der Tötungshandlung. Die Ermittlungen ergaben, dass das Erwürgen der Opfer Teil seiner sexuellen Befriedigung war. Damit entspricht sein Verhalten dem Muster eines sexuell motivierten Lustmörders. Der Tod der Opfer war nicht lediglich Mittel zum Zweck, sondern ein zentraler Bestandteil seiner Fantasien.

Die Auswahl seiner Opfer deutet auf einen Täter hin, der Kontrolle über körperlich unterlegene Personen suchte. Auf seiner Opferliste standen vor allem Kinder, Mädchen und junge Frauen. Diese Auswahl spricht für ein Bedürfnis nach absoluter Macht bei gleichzeitig geringer Gegenwehr.

Im Gegensatz zu vielen organisierten Serienmördern handelte Kroll überwiegend opportunistisch. Er plante seine Taten meist nicht langfristig. Stattdessen nutzte er günstige Gelegenheiten. Dieses Verhalten passt zu seiner begrenzten Intelligenz und seiner eher impulsiven Persönlichkeitsstruktur.

Die Verstümmelungen und die nachgewiesenen Fälle von Kannibalismus stellen eine weitere Eskalationsstufe dar. Aus kriminalpsychologischer Sicht deutet dies auf den Wunsch hin, vollständige Kontrolle über das Opfer auszuüben – sogar über dessen Tod hinaus. Es gibt allerdings keine belastbaren Hinweise darauf, dass ideologische, religiöse oder symbolische Motive eine Rolle spielten. Den verfügbaren Erkenntnissen zufolge standen die Handlungen im Zusammenhang mit seinen sexuellen Fantasien und seinem Bedürfnis nach Besitz und Kontrolle.

Bemerkenswert ist, dass Kroll trotz seiner kognitiven Einschränkungen mehr als zwanzig Jahre lang unentdeckt blieb. Dies lag weniger an seiner ausgeklügelten Planung als an der damaligen kriminalistischen Situation. Die Taten verteilten sich über Jahrzehnte und verschiedene Regionen, sodass Zusammenhänge kaum erkannt wurden.

Das Gesamtbild zeichnet den Umriss eines sexuell motivierten Serienmörders mit eingeschränkter Intelligenz, hoher Triebhaftigkeit, mangelnder Empathie, ausgeprägtem Kontrollbedürfnis sowie einer langfristig entwickelten Neigung zu gewalttätigen sexuellen Fantasien. Seine Taten gehören bis heute zu den erschütterndsten Fällen der deutschen Kriminalgeschichte.

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