SERIENKILLER

Tatzeitraum & Opfer

Aktiv von 1971
Bis 1983
Bestätigte Opfer 16
Vermutete Opfer 67
Opfergruppen Anhalter, Marinesoldaten, junge Reisende, Männer aus der homosexuellen Szene Südkaliforniens

Modus Operandi & Motive

Modus Operandi Opferauswahl, Betäubung, Folter und sexuelle Gewalt, Tötung
Hauptmotive Kontrolle als zentrales Tatmotiv

Rechtliches

Festnahmejahr 1983
Urteil 16-fachen Mordes ersten Grades, Todesurteil
Haftform Gefängnis
Bild 1
Mug Shot von Steven Kraft, da dieses öffentliche bild nicht von einer urheberrechtsberechtigten US-Behörde stammt, ist es gemeinfrei.


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Randy Steven Kraft – Der „Scorecard Killer“
Als Randy Steven Kraft am 14. Mai 1983 auf einer kalifornischen Autobahn von einer Streife der California Highway Patrol angehalten wurde, ahnten die Beamten nicht, dass sie einen der produktivsten Serienmörder der amerikanischen Kriminalgeschichte vor sich hatten. Der Wagen war durch seine unsichere Fahrweise aufgefallen. Als die Polizisten jedoch in das Fahrzeug blickten, fanden sie auf dem Beifahrersitz die Leiche eines jungen Marinesoldaten. Dieser Fund löste Ermittlungen aus, die ein erschütterndes Bild jahrelanger Gewalt, Folter und Mordtaten offenbaren sollten.

Randy Steven Kraft wurde am 19. März 1945 in Long Beach, Kalifornien, geboren. Er galt als intelligenter und gebildeter Mann. Nach dem Schulabschluss studierte er am Claremont Men’s College und diente anschließend in der US Air Force. Nach seiner Entlassung aus dem Militär lebte er überwiegend in Südkalifornien. Nach außen hin führte Kraft lange Zeit ein scheinbar geordnetes Leben. Hinter dieser Fassade vermuteten Ermittler jedoch die Aktivitäten eines Mannes, der über mehr als ein Jahrzehnt hinweg junge Männer tötete.

Die Mordserie, die später mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde, begann nach Erkenntnissen der Ermittler Anfang der 1970er Jahre. Die meisten Opfer waren junge Männer oder Jugendliche, darunter Anhalter, Marinesoldaten, Gelegenheitsarbeiter und Reisende. Viele von ihnen befanden sich in Lebenssituationen, in denen ihr Verschwinden nicht sofort bemerkt wurde. Kraft bewegte sich überwiegend entlang der großen Verkehrsadern Kaliforniens und anderer westlicher Bundesstaaten. Zahlreiche Opfer wurden später an Straßenrändern, auf Rastplätzen, in Schluchten oder in anderen abgelegenen Gebieten gefunden. Aufgrund dieser Ablageorte wurde er später neben anderen Tätern auch als „Freeway Killer“ bezeichnet.

Die Ermittlungen brachten ein erschreckendes Muster ans Licht. So hatten viele Opfer vor ihrem Tod erhebliche Mengen Alkohol oder Beruhigungsmittel im Blut. Forensische Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Kraft seine Opfer häufig zunächst betäubte oder handlungsunfähig machte. Anschließend wurden zahlreiche Opfer misshandelt, gefoltert und sexuell missbraucht. Die Leichen wiesen oftmals schwere Verletzungen, Fesselungsspuren und in einigen Fällen Verstümmelungen auf. Die genaue Tötungsmethode variierte, doch Strangulation, Erstickung, stumpfe Gewalt sowie tödliche Kombinationen aus Alkohol und Medikamenten gehörten zu den nachgewiesenen Todesursachen.

Besonders verstörend war die systematische Vorgehensweise, die Kraft offenbar an den Tag legte. Nach seiner Festnahme fanden Ermittler eine verschlüsselte Liste mit 61 kryptischen Einträgen. Auf dieser sogenannten „Scorecard“ standen kurze Begriffe, Spitznamen und Ortsbezeichnungen wie „Wilmington“, „Parking Lot“ oder „Two In One“. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass es sich dabei um Erinnerungsstützen für Opfer oder Tatorte handelte. Im Laufe der Jahre gelang es, zahlreiche dieser Begriffe mit bekannten Mordfällen in Verbindung zu bringen. Die Liste wurde zu einem der wichtigsten Beweisstücke des gesamten Verfahrens und brachte Kraft den Namen „Scorecard Killer“ ein.

Die Festnahme im Mai 1983 markierte das Ende einer über zehn Jahre andauernden Mordserie. In dem Fahrzeug fanden die Ermittler neben der Leiche von Terry Lee Gambrel auch belastende Fotos, persönliche Gegenstände von Opfern und weitere Beweise, die Kraft mit zahlreichen ungeklärten Tötungsdelikten in Verbindung brachten. Die darauf folgenden Ermittlungen entwickelten sich zu einem der größten Serienmordverfahren in der Geschichte Kaliforniens.

Der Prozess gegen Randy Kraft, der 1988 begann, war außerordentlich umfangreich. Die Staatsanwaltschaft präsentierte Hunderte von Beweisstücken und ließ mehr als 150 Zeugen aussagen. Kraft selbst bestritt jede Beteiligung an den Morden. Seine Verteidigung argumentierte unter anderem, dass andere Serienmörder wie Patrick Kearney oder William Bonin für einzelne Taten verantwortlich gewesen sein könnten. Dennoch gelangte die Jury zu einem eindeutigen Ergebnis.

Am 11. Mai 1989 wurde Randy Steven Kraft des 16-fachen Mordes ersten Grades für schuldig befunden. Einige Monate später verhängte das Gericht die Todesstrafe. Obwohl er bis heute seine Unschuld beteuert und niemals ein Geständnis abgelegt hat, betrachten die Strafverfolgungsbehörden ihn als Verantwortlichen für weit mehr Tötungsdelikte, als letztlich vor Gericht verhandelt wurden.

Juristisch wurden Kraft 16 Morde nachgewiesen. Ermittler gehen jedoch davon aus, dass er mit mindestens 45 und möglicherweise bis zu 67 Todesfällen in Verbindung steht. Damit zählt er zu den mutmaßlich tödlichsten Serienmördern der amerikanischen Geschichte. Die genaue Zahl seiner Opfer wird möglicherweise nie endgültig geklärt werden.

Auch Jahrzehnte nach seiner Verurteilung beschäftigt der Fall die Ermittler. Moderne DNA-Technologien und genetische Genealogie führten in den 2020er Jahren noch zur Identifizierung bislang unbekannter Opfer, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu den Taten des „Scorecard Killers“ gehören. Dadurch bleibt Randy Kraft eine zentrale Figur in der Geschichte amerikanischer Serienmorde – ein Täter, dessen tatsächliches Ausmaß an Gewalt möglicherweise niemals vollständig rekonstruiert werden kann.


Weitere dokumentierte Hinweise

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Die Opfer des „Scorecard Killers“ – Eine chronologische True-Crime-Chronologie
Eine vollständige Opferchronologie ist bei Randy Kraft besonders schwierig, da viele Fälle bis heute nicht zweifelsfrei geklärt sind. Juristisch wurde er für 16 Morde verurteilt, doch Ermittler schreiben ihm mindestens 45 und möglicherweise bis zu 67 Opfer zu. Zahlreiche Leichen wurden nie identifiziert oder erst Jahrzehnte später einem Namen zugeordnet. Die folgende Chronologie basiert auf den bekannten Opfern, die Kraft zugeschrieben werden, sowie den wichtigsten belegten Fällen.

1972 – Der Beginn einer tödlichen Spur
Im Frühjahr 1972 wurde die Leiche des 30-jährigen Lehrers Paul Joseph Fuchs in Kalifornien entdeckt. Sein Körper wies Spuren schwerer Gewalt auf. Die Ermittler erkennen zunächst keinen Zusammenhang zu anderen Fällen. Erst Jahre später wird Fuchs als eines der frühesten bekannten Opfer von Randy Kraft betrachtet. Zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, dass sich entlang der kalifornischen Highways bereits eine Mordserie entwickelt hat, die über ein Jahrzehnt andauern wird.

1973 – Die Gewalt eskaliert
Im Jahr 1973 häufen sich die Funde männlicher Leichen in Südkalifornien. Viele der Opfer waren junge Männer, die zuletzt per Anhalter unterwegs gewesen waren. Zu ihnen zählen Edward Daniel Moore, Richard Keith Rich und Michael Robert Green. Ihre Leichen wurden an abgelegenen Orten entsorgt. Die Taten wirken zunächst unzusammenhängend. Doch die Opfer weisen ähnliche Merkmale auf: Sie sind junge Männer, die oft allein unterwegs sind und häufig entlang wichtiger Verkehrsachsen verschwinden.

1974 – Ein Muster entsteht
Im Jahr 1974 nimmt die Zahl der Opfer deutlich zu. Mehrere junge Männer verschwinden spurlos. Einige von ihnen werden Wochen oder Monate später tot aufgefunden. Bei mehreren Opfern entdecken die Ermittler Anzeichen von Fesselungen, sexuellen Übergriffen, Folter und Strangulation. Noch immer gibt es keine gemeinsame Ermittlungsgruppe. Die Fälle verteilen sich auf verschiedene Polizeibehörden. Zu den Opfern zählen unter anderem Michael Anthony Distefano, Donald Harold Snyder und mehrere ursprünglich namenlose „John Does“, die erst Jahrzehnte später identifiziert werden konnten.

1975 – Der Highway des Todes
Während Kalifornien die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der 1970er Jahre erlebt, hinterlässt ein unbekannter Täter eine Spur von Leichen entlang der Fernstraßen. Immer häufiger werden junge Männer in Gräben, an Böschungen oder auf Rastplätzen tot aufgefunden. Viele der Opfer haben hohe Mengen Alkohol oder Beruhigungsmittel im Blut. Die Ermittler beginnen zu vermuten, dass der Täter seine Opfer zunächst betäubt, bevor er sie misshandelt und tötet.

1976 – Die Marine wird Zielscheibe
Besonders auffällig ist nun die hohe Zahl der Opfer mit militärischem Hintergrund. So verschwinden mehrere junge Marinesoldaten von Stützpunkten in Südkalifornien. Viele von ihnen waren neu im Dienst, weit entfernt von ihren Familien und noch jung. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass Kraft gezielt Bars, Treffpunkte und Gebiete aufsuchte, in denen sich Marines aufhielten.

1977 – Die Opferzahl steigt weiter
Die Mordserie dauert inzwischen seit Jahren an. Immer mehr Leichen werden gefunden. Die Opfer stammen aus verschiedenen Bundesstaaten: Kalifornien, Oregon, Michigan und Colorado. Diese geografische Verteilung erschwert die Ermittlungen erheblich. Das wahre Ausmaß der Mordserie ist unklar.

1978 – Folter als Markenzeichen
Bei mehreren Opfern wurden besonders schwere Misshandlungen dokumentiert. In den Gerichtsakten und den späteren Ermittlungen werden Verbrennungen, Verstümmelungen, massive Schläge und sexuelle Gewalt beschrieben. Viele Leichen zeigen Spuren einer langen Leidenszeit vor dem Tod. Die Taten gehören zu den brutalsten Serienmorden in der amerikanischen Kriminalgeschichte.

1979 – Der „Scorecard Killer“ sammelt seine Opfer
Nach Überzeugung der Ermittler führt Kraft inzwischen die später berühmt gewordene „Scorecard“. Jeder neue Eintrag könnte für ein weiteres Opfer stehen. Begriffe wie „Wilmington“, „Marine Drill“ und „Parking Lot“ werden später mit konkreten Mordfällen in Verbindung gebracht. Währenddessen verschwinden weiterhin junge Männer. Einige von ihnen werden nie identifiziert.

1980 – Das Jahr der höchsten Aktivität
Viele Ermittler sind der Ansicht, dass Kraft um 1980 seinen mörderischen Höhepunkt erreicht hat. In kurzer Zeit verschwinden zahlreiche Männer. Mehrere Leichen werden mit auffälligen Gemeinsamkeiten gefunden. Sie wiesen Betäubungsmittel im Blut auf, hatten sexuelle Gewalt erfahren und waren an Straßenrändern abgelegt worden. Zu den später identifizierten Opfern gehört unter anderem der Vietnam-Veteran Larry Eugene Parks, dessen Identität erst Jahrzehnte später mithilfe moderner DNA-Technik festgestellt werden konnte.

1981 – Die Spur verdichtet sich
Die Zahl der ungeklärten Fälle wächst. Erstmals beginnen Polizeibehörden, Informationen auszutauschen. Dennoch konnte noch kein konkreter Verdächtiger identifiziert werden. Kraft lebt weiterhin scheinbar unauffällig und bewegt sich frei durch Kalifornien.

1982 – Die letzten bekannten Opfer
Die Mordserie geht weiter. Mehrere junge Männer sind verschwunden. Einige der Opfer werden schwer verstümmelt aufgefunden. Die Ermittler erkennen inzwischen deutliche Parallelen, können den Täter aber weiterhin nicht fassen.

1983 – Das letzte Opfer
Am Abend des 13. Mai 1983 traf der 25-jährige Marinesoldat Terry Lee Gambrel auf seinen Mörder. Was in den folgenden Stunden geschah, kann nur teilweise rekonstruiert werden. Fest steht, dass Gambrel die Nacht nicht überleben wird. Sein Körper wies schwere Misshandlungen auf. In den frühen Morgenstunden des 14. Mai 1983 fällt Randy Kraft einer Streife der California Highway Patrol auf. Sein Fahrzeug fährt unsicher über die Interstate 5 und als die Beamten den Wagen anhalten, entdecken sie auf dem Beifahrersitz die Leiche von Terry Lee Gambrel. Der Tote trägt noch seine Kleidung. Neben ihm sitzt der Mann, den die Ermittler später für einen der schlimmsten Serienmörder Amerikas halten werden. Mit dieser Verkehrskontrolle endet eine über ein Jahrzehnt andauernde Mordserie, die Dutzende Menschenleben gefordert hat.


Bis heute konnten nicht alle Opfer von Randy Kraft zweifelsfrei identifiziert werden. Einige Namen wurden erst Jahrzehnte nach den Taten durch moderne DNA-Analysen ermittelt. Andere warten möglicherweise noch immer auf ihre Identifizierung. Was als einzelne ungeklärte Todesfälle entlang kalifornischer Highways begann, entwickelte sich zu einem der komplexesten Serienmordfälle in den Vereinigten Staaten. Hinter jeder Akte steht ein Mensch: ein Sohn, ein Bruder, ein Freund oder ein Kamerad. Die genaue Zahl der Opfer wird möglicherweise niemals endgültig geklärt werden. Die Ermittlungen legen jedoch nahe, dass Randy Kraft über Jahre hinweg eine erschreckend systematische Jagd auf junge Männer führte und dabei eine Spur des Todes hinterließ, die bis heute nachwirkt.

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Randy Steven Kraft – FBI-ähnliches Täterprofil mit psychologischer Tiefenanalyse (ausschließlich auf belegbarer Basis)
Randy Kraft hat die ihm vorgeworfenen Taten nie gestanden. Es existiert kein öffentlich bekanntes, umfassendes psychiatrisches Gutachten, das eine gesicherte klinische Diagnose belegt. Die folgende Analyse basiert daher ausschließlich auf nachgewiesenen Tatmerkmalen, Gerichtsakten, Ermittlungsbefunden, der Auswahl der Opfer und den Verhaltensmustern, wie sie von Strafverfolgungsbehörden und Kriminologen dokumentiert wurden.

Gesamtbewertung des Täters
Aus kriminalpsychologischer Sicht zeigt Randy Kraft die Merkmale eines hochgradig organisierten Serienmörders. Seine Taten waren nicht impulsiv oder chaotisch, sondern über viele Jahre hinweg geplant, kontrolliert und methodisch durchgeführt. Die lange Dauer der Mordserie, die hohe Zahl mutmaßlicher Opfer und seine Fähigkeit, trotz zahlreicher Tötungsdelikte über ein Jahrzehnt lang unerkannt zu bleiben, sprechen für einen Täter mit ausgeprägter Selbstkontrolle, hoher sozialer Anpassungsfähigkeit und erheblicher krimineller Planungskompetenz. Nach außen führte Kraft über lange Zeit ein scheinbar normales Leben. Er verfügte über Bildung, Berufserfahrung und stabile soziale Kontakte. Dieses Nebeneinander von gesellschaftlicher Anpassung und extremer Gewalt ist ein häufig beobachtetes Merkmal bei stark organisierten Serienmördern.

Kontrolle als zentrales Tatmotiv
Eines der auffälligsten Merkmale der Kraft-Fälle ist die enorme Kontrolle, die der Täter über seine Opfer ausübt. Offenbar wurden viele Opfer zunächst durch Alkohol oder Beruhigungsmittel handlungsunfähig gemacht. Erst danach folgten Misshandlungen, sexuelle Übergriffe und schließlich die Tötung. Dieses Vorgehen deutet darauf hin, dass die Kontrolle über das Opfer für die Täter wichtiger war als die Tötung selbst. Aus kriminalpsychologischer Sicht entsteht bei solchen Tätern häufig ein Machtgefälle, das sie bewusst herstellen und auskosten. Das Opfer wird vollständig abhängig gemacht, während der Täter jede Situation kontrolliert. Die Fähigkeit, über Leben und Tod zu bestimmen, kann dabei einen zentralen psychologischen Gewinn darstellen. Die systematische Auswahl körperlich unterlegener oder leicht manipulierbarer Opfer unterstützt diese Interpretation.

Planung und Organisation
Kraft zeigte über Jahre hinweg außergewöhnliche organisatorische Fähigkeiten. Zu den belegbaren Merkmalen gehören die Auswahl geeigneter Opfergruppen, die Nutzung von Fahrzeugen zur Kontaktaufnahme und zum Transport, die Ablage der Leichen in unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen, die Vermeidung unmittelbarer Zeugen, die Nutzung von Alkohol und Medikamenten zur Kontrolle der Opfer sowie die jahrelange Vermeidung einer strafrechtlichen Entdeckung. Besonders bemerkenswert ist die sogenannte „Scorecard“, die nach seiner Festnahme gefunden wurde. Die verschlüsselten Einträge deuten darauf hin, dass Kraft seine Taten dokumentierte oder zumindest für sich selbst katalogisierte. Kriminalpsychologisch kann ein solches Verhalten auf eine Form der psychologischen Besitznahme der Opfer hindeuten. Die Opfer werden so nicht nur getötet, sondern auch dauerhaft als persönliche „Erfolge“ festgehalten.

Sadistische Elemente
Die dokumentierten Verletzungen vieler Opfer deuten auf erhebliche sadistische Komponenten hin. Bei mehreren Leichen deutet alles auf Folter, sexuelle Gewalt, Verstümmelungen und langandauernde Misshandlungen hin. Dabei fällt auf, dass zahlreiche Verletzungen keinen praktischen Zweck für die Tötung hatten. Sie dienten weder der Überwältigung noch der Beseitigung von Beweisen. In der Kriminalpsychologie gilt dies als wichtiger Hinweis auf sadistische Tatanteile. Der Täter verursacht bewusst zusätzliches Leid, obwohl dies für die Durchführung der Tat nicht erforderlich wäre. Wichtig ist jedoch: Eine medizinische Diagnose einer sadistischen Persönlichkeitsstörung existiert für Kraft öffentlich nicht. Belegbar sind ausschließlich die sadistischen Merkmale des Tatverhaltens.

Opferauswahl
Die Auswahl der Opfer folgt einem klar erkennbaren Muster. Kraft konzentrierte sich vorwiegend auf junge Männer, Jugendliche, Anhalter, Soldaten sowie Personen, die ein erhöhtes Risiko hatten, unbemerkt zu verschwinden. Die Auswahl dieser Gruppen deutet darauf hin, dass der Täter nicht wahllos handelte. Besonders auffällig ist, dass Marinesoldaten wiederholt unter den Opfern auftauchen. Ermittler vermuten deshalb, dass Kraft Umfelder aufsuchte, in denen junge Männer verfügbar waren und in denen es eher vorkam, dass man Fremden vertraute. Die Konsistenz der Opferwahl über viele Jahre hinweg spricht für eine stabile Täterfantasie und langfristig gleichbleibende psychologische Bedürfnisse.

Doppelleben und soziale Tarnung
Ein weiteres zentrales Merkmal ist Krafts Fähigkeit, ein Doppelleben zu führen. Serienmörder mit hoher Organisation wirken nach außen hin häufig höflich, kontrolliert, unauffällig und sozial integriert. Die Ermittlungen ergaben keine Hinweise auf ein offenkundig chaotisches Leben, wie es bei manchen anderen Gewaltverbrechern der Fall ist. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Fassade und privater Gewaltbereitschaft deutet auf eine starke Fähigkeit zur psychischen Abschottung hin. Kraft war offenbar in der Lage, seine mörderischen Aktivitäten strikt von seinem Alltagsleben zu trennen.

Emotionale Struktur
Aus den bekannten Tatmustern ergibt sich das Bild eines Täters mit außergewöhnlich geringer Empathie. Dafür sprechen die hohe Zahl möglicher Opfer, die langjährige Fortsetzung der Taten, die wiederholten Folterhandlungen, das Fehlen erkennbarer Reue sowie die systematische Dokumentation mutmaßlicher Opfer. Die Opfer erscheinen im Tatgeschehen nicht als Individuen mit eigenen Bedürfnissen, sondern als Objekte zur Befriedigung persönlicher Wünsche und Fantasien. Diese Objektifizierung ist ein häufiges Merkmal schwerer Serienmorddelinquenz.

Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung
Interessanterweise schien Kraft gegen Ende seiner Serie größere Risiken in Kauf zu nehmen. Seine Festnahme erfolgte nicht nach einer aufwendigen Fahndung, sondern im Rahmen einer Verkehrskontrolle. Die Tatsache, dass sich die Leiche von Terry Lee Gambrel noch auf dem Beifahrersitz befand, deutet auf ein außergewöhnliches Maß an Selbstvertrauen oder Selbstüberschätzung hin. Viele langjährig erfolgreiche Serienmörder entwickeln im Verlauf ihrer Taten ein Gefühl der Unantastbarkeit. Sie erleben wiederholt, dass sie einer Entdeckung entgehen, und beginnen schließlich, Risiken einzugehen, die sie früher möglicherweise vermieden hätten.


Die belegbaren Fakten ergeben das Bild eines hochorganisierten, kontrollierten und vermutlich stark machtorientierten Serienmörders, dessen Taten über viele Jahre von Planung, Opferkontrolle und sadistischen Elementen geprägt waren. Die bekannten Tatmuster sprechen für einen Täter, der seine Opfer gezielt auswählte, Kontrolle über sie als zentralen Bestandteil der Tat benötigte, über erhebliche organisatorische Fähigkeiten verfügte, über lange Zeit ein erfolgreiches Doppelleben führte, nur geringe Empathie zeigte, seine Taten möglicherweise systematisch dokumentierte und im Laufe der Jahre zunehmend selbstsicherer und risikobereiter wurde. Aus kriminalpsychologischer Sicht zählt Randy Kraft somit zu den am stärksten organisierten und methodisch vorgehenden Serienmördern der amerikanischen Kriminalgeschichte. Seine Kombination aus langfristiger Planung, mutmaßlicher Opferdokumentation, sexueller Gewalt, Folter und jahrzehntelanger Strafvermeidung macht seinen Fall bis heute zu einem wichtigen Untersuchungsobjekt für Ermittler, Profiler und Kriminologen.

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