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Der „Grim Sleeper“ – Die lange Jagd nach Lonnie David Franklin Jr.
Über Jahrzehnte hinweg verschwanden in den Straßen von Los Angeles immer wieder Frauen. Viele von ihnen waren jung, afroamerikanisch und lebten am Rande der Gesellschaft. Ihre Schicksale blieben lange unbeachtet, ihre Fälle ungelöst. Hinter dieser Serie von Verbrechen steckte ein Mann, der ein unauffälliges Leben führte und doch zu einem der berüchtigtsten Serienmörder der Stadt werden sollte: Lonnie David Franklin Jr., auch bekannt als der „Grim Sleeper“.
Franklin wurde am 30. August 1952 in Los Angeles geboren und führte ein auf den ersten Blick gewöhnliches Leben. Er war verheiratet, hatte Kinder und arbeitete unter anderem als Müllfahrer und Mechaniker. In den 1970er-Jahren diente er zudem in der US-Armee, wo er zeitweise in Deutschland stationiert war. Nach außen hin wirkte er ruhig und angepasst – ein Mann, der nicht auffiel.
Mitte der 1980er-Jahre begann jedoch im Verborgenen eine Mordserie. Zwischen 1985 und 1988 tötete Franklin mehrere Frauen. Seine Opfer waren überwiegend afroamerikanische Frauen aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Viele von ihnen waren drogenabhängig. Er sprach die Frauen an, nahm sie mit und erschoss sie schließlich mit einer Pistole. Die Leichen entsorgte er häufig an abgelegenen Orten oder in Müllcontainern. In mindestens einem Fall überlebte ein Opfer die Tat schwer verletzt.
Dann geschah etwas Ungewöhnliches: Die Mordserie brach plötzlich ab. Über Jahre hinweg blieb es ruhig. Später nahmen die Ermittler an, dass Franklin seine Taten zwischen 1988 und 2002 unterbrochen hatte – eine Phase, die ihm schließlich den Namen „Grim Sleeper“ einbrachte.
Zu Beginn der 2000er-Jahre begannen die Morde wieder. Zunächst ahnte niemand, dass es sich um denselben Täter handelte. Erst nach und nach erkannten die Ermittler die Zusammenhänge. Dennoch blieb Franklin weiterhin unerkannt – ein unscheinbarer Mann inmitten der Großstadt, der ein Doppelleben führte.
Der entscheidende Durchbruch gelang erst Jahrzehnte später durch eine damals noch vergleichsweise neue Methode: die familiäre DNA-Suche. Dabei wurde die DNA vom Tatort mit Datenbankeinträgen verglichen. Der Treffer führte nicht direkt zu Franklin selbst, sondern zu seinem Sohn, dessen DNA bereits erfasst war. Dieser indirekte Hinweis brachte die Ermittler schließlich auf die richtige Spur.
Franklin wurde am 7. Juli 2010 in Los Angeles festgenommen. Bei der Durchsuchung seines Hauses machten die Ermittler eine erschreckende Entdeckung: Hunderte, später sogar über tausend Fotos von Frauen, von denen viele unbekannt waren. Einige von ihnen könnten weitere Opfer gewesen sein, doch zahlreiche Identitäten konnten nie geklärt werden.
Der Prozess gegen Franklin begann erst Jahre später und erregte große Aufmerksamkeit. Im Jahr 2016 wurde er schließlich in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Ihm konnten zehn Morde und ein Mordversuch eindeutig nachgewiesen werden. Das Gericht verhängte die Todesstrafe. Doch zur Hinrichtung kam es nicht mehr. Lonnie David Franklin Jr. starb am 28. März 2020 im Gefängnis eines natürlichen Todes.
Der Fall des „Grim Sleeper“ wirft bis heute Fragen auf. Wie konnte ein Serienmörder über Jahrzehnte hinweg unentdeckt bleiben? Warum erhielten die Opfer so lange so wenig Aufmerksamkeit? Kritiker sehen in diesem Fall ein Versagen der Behörden und der Medien, insbesondere im Umgang mit Verbrechen in sozial benachteiligten Vierteln.
Damit verkörpert Lonnie Franklin nicht nur das Bild eines Serienmörders, der im Verborgenen agierte. Er steht auch für ein düsteres Kapitel kriminalistischer Versäumnisse. Seine Taten zeigen, wie leicht Opfer übersehen werden können und wie lange ein Täter unentdeckt bleiben kann, wenn dies geschieht.