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Die Maskenmörder – Die Geschichte von Wolfgang Abel und Marco Furlan
In den 1970er- und 1980er-Jahren beginnt in Süddeutschland eine Mordserie, die lange Zeit kaum öffentliches Aufsehen erregt. Die Opfer verschwinden leise aus ihrem Umfeld. Es gab keine spektakulären Tatorte und keine blutigen Spuren auf offener Straße. Und doch handelt es sich um eine der verstörendsten Serien von Gewaltverbrechen in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Täter heißen Wolfgang Abel und Marco Furlan.
Eine tödliche Verbindung
Wolfgang Abel wirkt nach außen hin kontrolliert, intellektuell und überlegen. Er sieht sich selbst als jemand, der über anderen steht, moralisch, geistig und existenziell. Gewalt ist für ihn kein Tabu, sondern ein Mittel. Ein Beweis von Macht.
Marco Furlan, der fast zehn Jahre jünger ist, sucht Orientierung. Anerkennung. Zugehörigkeit. In Abel findet er eine Figur, die ihm Halt gibt und ihn zugleich in einen Abgrund zieht. Zwischen den beiden entsteht eine Beziehung, die Kriminalpsychologen später als klassisches Beispiel einer destruktiven Täterdynamik beschreiben werden. Dominanz auf der einen Seite, Abhängigkeit auf der anderen. Was als ideologische Gespräche beginnt, entwickelt sich zu Fantasien über Kontrolle, Überlegenheit und schließlich Mord.
Der Beginn der Mordserie
In den folgenden Jahren töten Abel und Furlan mehrere Männer. Die überwiegend homosexuellen Opfer stammen aus dem persönlichen Umfeld oder aus Bekanntschaften, die auf Vertrauen beruhen. Zufall spielt keine Rolle. Die Täter wählen ihre Opfer gezielt aus. Männer, die ihnen ihre Wohnung, ihr Leben und ihr Vertrauen öffnen. Die Morde folgen einem wiederkehrenden Muster. Abel und Furlan erscheinen maskiert. Nicht, um sich vor Zeugen zu schützen, sondern um sich selbst zu erhöhen. Die Masken machen aus ihnen etwas anderes, etwas Mächtigeres, während sie die Opfer zu bloßen Objekten degradieren. Die Männer werden erwürgt oder erstickt. Lautlos. Kontrolliert. Kein Affekt, kein Kampf. Raub spielt keine Rolle. Sexualität spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der eigentliche Antrieb ist die Macht.
Mord als Ritual
Für Abel ist der Mord keine Verbrechen, sondern eine bedeutungsvolle Handlung. In späteren Vernehmungen zeigt er kaum Reue. Er rechtfertigt seine Taten ideologisch und spricht von Überlegenheit, Selektion und Kontrolle. Die Ermittler stellen fest, dass die Gewalt geplant, strukturiert und ritualisiert ist. Es gab Absprachen und Nachbesprechungen sowie eine klare Rollenverteilung. Abel führt. Furlan folgt. Kriminalpsychologische Gutachten beschreiben Abel als narzisstisch, kalt und sadistisch veranlagt. Furlan hingegen wird als emotional instabil und beeinflussbar, aber voll schuldfähig beschrieben. Er weiß, was er tut. Und er tut es trotzdem.
Die Ermittlungen
Den Ermittlern fehlt lange ein klares Bild. Die Opfer stehen in keinem offensichtlichen Zusammenhang. Es gibt keine Tatwaffe, keine DNA-Spuren im heutigen Sinne und kaum Zeugen. Erst durch Hinweise aus dem Umfeld, widersprüchliche Aussagen und zunehmende Parallelen zwischen den Fällen geraten Abel und Furlan in den Fokus der Polizei. Als die Beamten die beiden festnehmen, endet die Mordserie abrupt.
Der Prozess
Der anschließende Prozess sorgt bundesweit für Entsetzen. Erst jetzt erkennt die Öffentlichkeit das Ausmaß der Taten. Die Kälte der Täter, ihre Planung und ihr systematisches Vorgehen werden deutlich. Das Gericht kommt zu einem eindeutigen Urteil: lebenslange Haft für beide Angeklagten. Die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt. Weder Abel noch Furlan gelten als schuldunfähig. Beide wussten, was sie taten. Beide wollten es.
Ein Fall ohne einfache Erklärung
Der Fall Abel und Furlan entspricht keinem klassischen Serienmörder-Klischee. Es gibt keine sexuelle Triebsteuerung, kein Geldmotiv und keinen einzelnen Täter. Stattdessen eine tödliche Symbiose. Kriminalpsychologen sehen in diesem Fall ein Lehrbeispiel dafür, wie gefährlich Machtfantasien, Ideologien und Abhängigkeitsverhältnisse sein können, auch ohne äußeren Zwang und offensichtlichen Nutzen.
Nachwirkung
Der Fall des Maskenmörders gilt bis heute als einer der verstörendsten Serienmordfälle der 1980er-Jahre in Deutschland. Er wird in Fachliteratur, Täterprofilen und True-Crime-Analysen immer wieder aufgegriffen. Nicht wegen der Anzahl der Opfer, sondern wegen der Frage, die er aufwirft: Wie weit kann menschliche Gewalt gehen, wenn sie nicht aus Hass oder Not, sondern aus dem Wunsch nach Macht entsteht?